Essen und ich

Meine Rezepte sind vegan, klar. Aber auf was achte ich noch beim Essen?
  • Vereinbarkeit mit Nicht-Veganern: Dieser Punkt steht bei mir an erster Stelle. Weder mein Freund noch meine Familie leben vegan oder auch nur vegetarisch, und zu verrückte Zutaten oder Geschmackskompositionen haben keine Aussicht auf Erfolg. Ich selbst mag es auch eher bodenständig, und das spiegelt sich auch in meinen Rezepten wider. Aus Geschmacksgründen kommen Sojasahne und veganer Käse bei uns nicht auf den Tisch, und Fleischersatzprodukte verwende ich sehr selten und fast nur für mich allein. Viele Rezepte sind zudem mit ein wenig Käse oder einer kleinen Fleischbeilage "entveganisierbar".
  • Ganz wichtig: fairer Handel. Ich will nicht völlig auf Produkte aus Ländern des Südens verzichten, aber ich möchte nicht, dass diese unter Ausbeutung anderer Menschen hergestellt werden. Das ist für mich auch mit dem Veganismus nicht vereinbar. Ich kann nicht einerseits keine Tiere nutzen wollen, dann aber andererseits zum Beispiel in Kauf nehmen, dass der Kakao für meine Schokolade von Kindersklaven gepflückt wurde. Insbesondere bei Kakao gilt daher für mich: fairer Handel oder Verzicht. Bei anderen Produkten sehe ich das weniger kritisch, vertrete aber auch hier tendenziell die Meinung, dass ich, wenn mir der Preis für das fair Gehandelte zu hoch scheint, lieber verzichten sollte.
  • Regional und saisonal - die beiden gehören zusammen. Zugegeben, hier bin ich oft inkonsequent. Viel zu häufig schaffe ich es nicht, beim Gärtner der Stadt einzukaufen, weil ich dafür extra in die Innenstadt muss, während der Supermarkt praktisch direkt nebenan ist. Manchmal haben Dinge, die ich haben will, hier gerade keine Saison - zum Beispiel Tomaten. Und manches wächst in Deutschland nicht, wie mein heißgeliebter Kakao, auf den ich einfach nicht verzichten möchte. Ich versuche aber schon, auf Regionalität und Saisonalität zu achten. So ersetze ich nach Möglichkeit im Kuchen Margarine durch Rapsöl, koche zu Hause am liebsten mit Gemüse aus dem eigenen Garten, schaue auch sonst, dass ich möglichst saisonales Obst und Gemüse verwende, und versuche mich bei exotischen Produkten - und dazu zählt für mich unter anderem auch Reis - zurückzuhalten.
  • Seit ich vegan lebe, esse ich ziemlich bewusst und gesund. Gut, Letzteres kommt bei den vielen Kuchen- und Tortenrezepten hier nicht ganz raus, aber insgesamt esse ich viele Vollkornprodukte, viel Obst und Gemüse, viele Hülsenfrüchte und viele gesunde Fette. Außer Raps und Olive kommt mir kein Öl ins Haus. Ein weiterer Grund, auf Margarine und damit auf Palmöl zu verzichten. Und ich merke, dass es mir damit wesentlich besser geht.
  • Beim Einkaufen versuche ich, wenig Müll zu produzieren. Beim Einkauf von Obst und Gemüse lässt sich oft ganz auf die Verpackung verzichten. Plastiktüten brauche ich sowieso nicht, eine Stofftasche passt immer noch irgendwie in die Handtasche. Und bei allem anderen, was einzeln verpackt ist, überlege ich, ob ich das jetzt wirklich brauche.
  • Seit ich fast nur noch selber koche, ist es mir wichtig, dass die Sachen, die ich esse, gering verarbeitet und möglichst naturbelassen sind. Echte Vanille schmeckt so viel besser als Vanillin! Gegen eine Tütensuppe dann und wann habe ich zwar absolut nichts einzuwenden, im Gegenteil, aber in der Regel schätze ich es, wenn meine Zutaten noch unverarbeitet sind.
  • Bei bio bin ich zwiegespalten. Da sowohl meine Familie als auch mein Freund Milch, Eier und Fleisch essen, koche ich nach wie vor mit tierischen Produkten, und da kaufe ich bio, wann immer möglich. Etwas anderes wäre für mich aus Tierschutzgründen nicht akzeptabel (dass bio auch nicht gut ist, sei dahingestellt, aber in der Regel hoffentlich zumindest besser als die Alternativen). Bei allem anderen bin ich jedoch bei Weitem nicht so strikt. Ich komme ja selbst aus der konventionellen Landwirtschaft, und ja, mir machen die Spritzmittel Angst - es ist aber auch nicht so, dass jeder Landwirt bestrebt ist, möglichst viel und aggressiv zu spritzen. Daher muss es für mich hier nicht unbedingt bio sein. Ausnahme: Bananen. Dort werden so viele Spritzmittel völlig ohne Schutzmaßnahmen für die Plantagenarbeiter ausgebracht, dass ich da lieber mit Bio-Bananen (möglichst aus fairem Handel) sichergehe. Bei anderen Südfrüchten müsste man da wohl ähnlich konsequent sein.
  • Zu guter Letzt: Ich trinke Leitungswasser. Die Trinkwasserqualität in Deutschland ist so gut, dass das problemlos möglich ist, und so vermeide ich, dass Wasser über zig Kilometer für mich herbeigekarrt wird. Ja, die Umstellung war etwas schwierig, aber ich habe mich recht schnell daran gewöhnt und genieße jetzt das Privileg, mir keine Gedanken um Getränkekisten machen zu müssen.

Kommentare:

  1. Toll, deinen Blog entdeckt zu haben!

    Ich versuche seit 9 Monaten mich immer wieder bewusst vegan zu ernähren. Das hat mir insgesamt geholfen, mich gesünder zu ernähren.

    Der Umweltaspekt mit dem Reis und den Südfrüchten hatte ich bisher nicht so bedacht. Danke dafür.

    Lange hatte ich auch Gemüsebrühwürfel genutzt aber seit ich die Salzmethode entdeckt habe, brauche ich keine mehr.

    Du kannst den Link löschen, wenn du möchtest.

    http://thefoodandthecity.blogspot.com/2011/11/vegetable-aroma-puree.html

    VG Su

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  2. Nein, warum denn? Danke für den Link :) Ich weiß allerdings, dass man Gemüsebrühepulver so auch selbst herstellen kann, bloß kann ich nicht alles selber machen :(

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  3. Rezepte für Gemüsebrühepulver habe ich auch gelesen aber das scheinte mir nach wirklich viel Arbeit. Aber wenn man einen Zerkleiner hat, braucht man nur das frische Gemüse zu zerkleinern und mit Salz mischen. LG

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  4. Hach, wie schön, dich gefunden zu haben :) Mir geht es in so vielen Punkten ähnlich wie dir, auch ich lebe in einem komplett fleischessenden Umfeld (und finde das meistens gar nicht soo schwer zu vereinen).
    Ich werde auf jeden Fall öfter bei dir vorbei kommen und dich auch in meine blogroll aufnehmen!
    xo Zoe

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  5. Hallo!
    Ach, was freue ich mich, deinen Blog gefunden zu haben! Ich sehe viele Dinge genauso wie du.
    Ich bin erst ein Veganfrischling (habe jetzt mit einer veganen Woche gestartet, wollte erstmal ausprobieren, wie das funktioniert, da mein Freund begeisterter Fleischfresser ist).
    Habe vor Monaten angefangen, mir Gedanken hier Essen zu machen (ja, angeregt durch den Film Earthlings) und denke ich vielen Dingen genauso wie du (Leitungswasser z.B. trinke ich auch nur, haben aber so ein Sprudelmax :D). Ich werde deinem Blog fleißig folgen und vielleicht magst du ja mal bei mir reinschnuppern und einem Greenhorn den ein oder anderen Tipp geben :)

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Hallo Sarita,
      freut mich, wenn du meine Einstellungen teilst :) Ich wünsche dir viel Spaß bei deinem veganen Experiment! Hoffe, du bleibst dabei ;)
      Liebe Grüße
      Carola

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  6. Uuuh, das klingt toll, mit den meisten Sachen, die du oben schreibst, kann ich mich auch identifizieren. Ich lege auch sehr viel Wert auf fairen Handeln, besonders bei Kakao/Schokolade und Tee, hab meinen Müll beim Einkauf sehr reduziert und Regionalität finde ich auch sehr wichtig.

    Ich will nicht den Moralapostel spielen, ich hoffe, du verstehst das nicht falsch. Aber bezüglich der Spritzmittel kann ich dir vielleicht noch ein Argument pro bio liefern: Viele Tiere tragen nämlich auch großen Schaden davon durch die ganzen Pestizide etc, unter anderem Vögel und Bienen. Gerade bei Bienen ist das fatal. Pestizide werden als ein erheblicher Mitgrund für das Bienensterben gesehen, und ohne Bienen müssten auch wir auf sehr viele Nahrungsmittel verzichten. Das wird meiner Meinung nach zu häufig unter den Tisch gekehrt, wenn behauptet wird, konventionell ist für den Menschen genauso gesund wie bio.

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    1. Ich kenne die ganzen Argumente und will sie auch keinesfalls von der Hand weisen. Sowieso kaufe ich mittlerweile mehr bio, allein schon, weil da die Zutatenlisten nicht so endlos lang sind. Allerdings finde ich es nach wie vor seltsam, selbst einen konventionellen Betrieb zu haben (und eine Umstellung kommt auf keinen Fall in Betracht) und gleichzeitig nur noch Bio-Mehl zu kaufen. Hm.

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  7. Guten Morgen,

    ich bin gerade auf der Suche nach einem Burgerrezept auf deinen blog gestoßen. Ich lebe selbst seit 15 Jahren vegetarisch und binde seit gut 1,2 Jahren immer mehr vegan Gerichte in meinen Speiseplan ein.
    Es ist schön, so differenzierte Texte über das Thema Ernährung und Landwirtschaft zu lesen (ich studiere selbst Agrarwissenschaften), und auch den zwiespalt den du hast - ich denke, den kennen mehr leute als sie vielleicht zugeben würden.
    Bisher habe ich mich bei Erährungsversierten Blogs eher auf das englische Pendant beschränkt, aber hierher werde ich sicher öfter zurückkehren!
    Viele Grüße aus Berlin,

    ce.leb

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  8. Huhu :) Da wir beide im Marktjagd-Expertenteam sind, habe ich gerade deinen Blog entdeckt. Wow, der gefällt mir richtig gut. Super super viele Informationen stellst du hier bereit, richtig klasse :) Habe dich gleich mal in meine Leseliste aufgenommen. Mach weiter so!! :)

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  9. Ich finde es toll, dass du auch zu den Menschen gehörst, die versuchen sich bewusst zu ernähren! Ich selbst esse seit mehreren Jahren vegetarisch und muss sagen, dass mir überhaupt nichts fehlt.Zur Zeit versuche ich mich an einer zuckerfreien Ernährung und probiere oft aber auch vegane Rezepte aus. Dein Blog ist wirklich super und motiviert mich, mich gesünder zu ernähren und das wirklich durchzuhalten und in meinem Leben zu verinnerlichen. Weiter so!
    juliyskitchen.wordpress.com

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