Sonntag, 25. September 2016

Totgesagte leben länger: Projekt Freilandtomaten



In Ermangelung eines Gewächshauses und einer überdachten Hauswand in Südrichtung habe ich dieses Jahr das Experiment gewagt und die Tomaten einfach ohne Überdachung mit in den Gemüsegarten gepflanzt. Das hat etliche ungläubige Nachfragen ausgelöst, da Tomaten ja normalerweise vor Regen geschützt untergebracht werden sollen, um Krankheiten vorzubeugen. Aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Letztendlich stand da eine Reihe mit selbstgezogenen Freilandtomaten aus Samen von Bingenheimer Saatgut und mit nicht näher spezifizierten Restetomatenpflanzen von der Nachbarin, die ich adoptiert hatte.

Durch den vielen Regen bis in den Spätsommer hinein waren die Bedingungen dieses Jahr erst mal ungünstig, und ich hatte schon befürchtet, dass mir die Pflanzen wegfaulen würden, bevor ich die erste Tomate ernten konnte. Außerdem bin ich notorisch schlecht in der Tomatenpflege. Diesmal habe ich es zwar immerhin geschafft, die Tomatenpflanzen an alten Weidezaunpfählen anzubinden, aber eigentlich soll man im Freiland zusätzlich immer wieder die unteren Blätter entfernen, damit bei Regen keine Krankheitserreger aus der Erde hochspritzen und die Pflanze infizieren können. Hier geht es insbesondere um die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora infestans) - dieselbe Krankheit übrigens, die bei der Kartoffel die gefürchtete Kraut- und Knollenfäule auslöst.

Jedenfalls: Zunächst alle Pflanzen total gesund, Carola glücklich. Mitte August dann der Schock: Braunfäule! Die Pflanzen ließen allerhand Tomaten fallen und sahen selbst arg mitgenommen aus. Ich erntete etliche Tomaten grün, in der Hoffnung, dass sie noch nicht infiziert waren und gut nachreifen würden. Teilweise funktionierte das zwar, aber ich musste doch etliche Früchte wegwerfen, weil sich nach einigen Tagen doch die Braunfäuleflecken zeigten. (Entsorgt gehören die dann übrigens über den Hausmüll, keinesfalls auf den Kompost oder in die Biotonne. Die kranken Pflanzen ebenso.)

Ich war schon kurz davor, die Pflanzen komplett auszureißen, wurde dann aber von dringenderen Arbeiten daran gehindert. Und es hat sich gelohnt! Die Pflanzen haben sich anscheinend wieder halbwegs erholt. Einige Zweige sind zwar immer noch schwarz, aber ich habe jetzt schon eine Menge gesunde Tomaten geerntet, zu Soße und Suppe verarbeitet und eingekocht. Gestern habe ich dann die Pflanzen entfernt und die restlichen Tomaten zum Nachreifen auf die Terrasse gelegt. Der Ertrag war insgesamt sicher geringer als bei gut umhegten Balkontomaten, aber das ist bei meinem investierten Pflegeaufwand absolut vertretbar, zumal ich ja auch noch die Blumenerde gespart habe. Die habe ich vorletztes Jahr säckeweise für die Tomaten verbraten, was mir schon irgendwie gegen den Strich gegangen ist.

Für das nächste Jahr liegen schon verschiedene Freiland- und Wildtomatensamen zum Ausprobieren bereit. Wiederholt wird das Experiment auf jeden Fall!

Welche Erfahrungen habt ihr mit Freilandtomaten gemacht?

Kommentare:

  1. Aus Ermangelung eines Gewächshauses sind unsere Tomaten immer draußen - und immer reichlich :) LG

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  2. Toll! Meine Tomaten sterben aus unerfindlichen Gründen jedes Jahr, trotz überdachtem Platz an der Hauswand (sie wachsen im Topf auf der Terrasse). Bis Ende Juni ist immer alles gut und dann werden sie braun und sterben. Vielleicht ist das auch die Braunfäule... Manchmal treiben sie dann neu aus und Tomaten produzieren sie zwar mitunter trotzdem aber nicht viele und schön aussehen tun sie auch nicht...
    Ich beneide dich so um den Garten ;-)

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    1. Grundsätzlich beneide ich mich selbst, gerade wächst mir allerdings alles über den Kopf :D Da beneide ich dann jeden, der nicht tagelang Unkraut rupfen muss...

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  3. hallo Carola,
    so lustig, mit der Überschrift betitle ich meine Tomaten auch! Wir haben diese nämlich Anfang Mai ins Freie gesetzt ... zum Schock des ganzen Dorfes, da man das im kalten Schwarzwald frühestens Ende Mai macht. Aber sie haben's überlebt und ich ernte gerade immer noch Tomaten. Der Wahnsinn! Mit Fäule hab ich keine Probleme gehabt. Ich würd's einfach nochmal probieren, ich glaub, manchmal werden Tomaten einfach und manchmal halt nicht.
    Gruss,
    Sarah

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    1. Klar, probiert wird wieder :) Hoffe, dass die neuen Sorten besser für den Freilandanbau geeignet sind. Welche hast du?

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