Dienstag, 5. Mai 2015

{Rezension} Konzeptwerk Neue Ökonomie (Hg.): Zeitwohlstand.


Die Umbewertung von Zeit ist ein wichtiger Bestandteil der Postwachstumsökonomie, und daher war ich sehr erfreut, dass mir der oekom verlag zusätzlich zu Niko Paechs „Befreiung vom Überfluss“ auch noch einen Band des Konzeptwerks Neue Ökonomie zur Verfügung stellte. Herzlichen Dank dafür!

Zeitwohlstand. Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben“* vereint Beiträge zu einer Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Arbeit und Wohlstand neu definieren – Politische Diskussion und Vergnügen kommen zusammen“:

  • Friederike Habermann: Die Freiheit, so zu leben, wie wir es wollen
  • Frigga Haug: Zeit, Wohlstand und Arbeit neu definieren
  • Niko Paech: Suffizienz und Subsistenz: Therapievorschläge zur Überwindung der Wachstumsdiktatur
  • Hartmut Rosa: Resonanz statt Entfremdung, Zehn Thesen wider die Steigerungslogik der Moderne
  • Felix Wittmann: Zeit für die Wohlstandsdebatte!
  • Lena Kirschenmann: Argumente für einen neuen Umgang mit Zeit und Wohlstand

Super finde ich zuerst einmal, dass das Buch CO2-neutral und auf Recyclingpapier gedruckt wurde, wie alle Bücher des Verlages.

Was die Texte selbst angeht, so fand ich sie oft schwer verdaulich, sehr theoretisch und wenig motivierend, in der Praxis etwas zu verändern. Man sollte vermutlich mit derartigen Texten vertraut sein, um die Kernaussage schnell und sicher erfassen zu können. Meine sozialwissenschaftliche Ausbildung ist dazu mittlerweile doch schon etwas zu lange her, sodass die Naturwissenschaftlerin in mir regelmäßig schrie: „Jetzt komm doch endlich mal zum Punkt!“, während ich mich gleichzeitig nach einem klar erkennbaren roten Faden sehnte. Das kann man aber nicht den Autoren, sondern nur meinem Hintergrund anlasten. Im Wesentlichen geht es in allen Beiträgen darum, dass auf einem Weg in eine nachhaltigere Gesellschaft weniger Erwerbsarbeit mit mehr Reproduktionsarbeit (sprich: Familie- und Hausarbeit) und gesellschaftlichem Engagement gekoppelt werden soll oder muss. Das ermöglicht dann auch dem Einzelnen ein größeres persönliches Glück, da die Beschäftigung wieder sinnstiftend wird und die Menschen aus ihren derzeitigen gefühlten Hamsterrädern aussteigen können. Und bei der wiederholten Lektüre finden sich immer mehr interessante Argumentationsbausteine. Beharrlichkeit lohnt also.

Im Gegensatz zu den anspruchsvollen Texten steht für mich die „alternative“ Rahmengestaltung des Buches. Während ich symbolisch untermalte Zeitangaben für die schnelle (Blitz), gemütliche (Kaffeetasse) oder intensive (Stift) Lektüre noch einfach überlesen konnte, war ich von der Bauanleitung für eine Zeitmaschine doch etwas peinlich berührt. Oh, und ein paar Kommas mehr wären dem Buch insgesamt gut bekommen.

Fazit: Keine leichte Lektüre und nicht praxisorientiert, liefert aber interessante Denkanstöße.

Konzeptwerk Neue Ökonomie (Hg.): Zeitwohlstand. Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben.
oekom verlag 2013, 112 Seiten, 16,95 Euro
ISBN 978-3865814760


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