Freitag, 17. April 2015

Bioveganes Gärtnern: Interview mit Susanne Heine


Susanne Heines Gartenratgeber zum bioveganen Gärtnern, "Peaceful Gardening", der vor Kurzem im Verlag blv erschienen ist, hatte ich euch ja neulich vorgestellt. Netterweise hat Susanne sich mit einem ausführlichen Kommentar unter der Post und dann auch noch mal per Mail bei mir gemeldet und sich dann zu einem Interview überreden lassen. Vielen Dank dafür!

Was versteht man eigentlich genau unter bioveganem Gärtnern?

Einfach gesagt, kommt Bioveganes Gärtnern dabei heraus, wenn Veganer einen Biogarten anlegen möchten! In der Praxis heißt es, biovegane GärtnerInnen arbeiten nach ökologischen Prinzipien und sie verwenden keine Tierprodukte. Dabei geht es nicht nur um die offensichtlichen Hornspäne. Die Inhaltsstoffe, die ich meine, sind Schlachtabfälle (Haarmehl, Blutmehl, Knochenmehl) die sich fast immer in Düngemitteln und vorgedüngten Pflanzenerden befinden. Diese Stoffe müssen leider auch nicht deklariert werden und „verstecken „ sich hinter allgemeinen Bezeichnungen, zum Beispiel: NPK-organischer Dünger“ oder einfach und harmlos klingend: „Nährstoffe zugefügt.“

Das war aber noch nicht alles: Noch etwas im bioveganen Garten ist “anders": der Umgang mit den Tieren im Garten. Ich nenne gleich besondere Herausforderungen, die Schnecken. Ich finde sie ja niedlich, aber auch wenn das nicht der Fall wäre, würde ich sie niemals töten, nur weil sie am von mir gepflanzten Kohlkopf knabbern. Da ich sie dennoch vom Gemüse fernhalten möchte, ohne ihnen zu schaden, habe ich alles, was ich an friedlichen, bzw. veganen Methoden finden konnte, ausprobiert und im Buch beschrieben. Im bioveganen Garten sorge ich für Nahrung, Lebensräume, Unterschlupf für Tiere –vom Igel bis zum Vogel oder den Schmetterlingen! Das sind erstmal die Merkmale.

Du gärtnerst selbst erst seit einigen Jahren. Wie bist du zum bioveganen Gärtnern gekommen? Hattest du vorher schon „unvegane“ Gartenerfahrungen?

Schon als ich klein war, hatten wir einen wunderschönen Garten mit alten Obstbäumen und Gemüsebeeten. Wir waren den ganze Sommer im Garten. Ich habe dort immer geholfen und habe den Garten unübertrieben wirklich geliebt und in der Großstadt immer vermisst. Als ich 2010 von der Stadt auf das Land zog, und anfing zu gärtnern, war ich schon ein Jahr lang vegan. So kam ich, kurz gesagt, zum veganen Gärtnern.

Auf welche Schwierigkeiten bist du bisher gestoßen? Welche davon haben speziell mit deiner Anbaumethode zu tun?

Die meisten Schwierigkeiten entstehen m.E. dadurch, dass man als VeganerIn ja doch die Ausnahme ist, und eben beim Gärtnern auch! So kommt es zum Beispiel, dass man echt lange suchen muss, bis man mal eine Erde bekommt die nicht mit Nährstoffen vorgedüngt ist. Ich habe dann auch überall angerufen bis hin zur Firma, die die Erde abfüllt, um zu erfahren, dass sich hinter der Bezeichnung NPK in diesem Fall Haarmehl ( aus der Massentierhaltung ) versteckte.

Ich bin jetzt im fünften veganen Gartenjahr und stelle fest: ich stoße auf immer mehr offene Ohren bei dem Thema! Auch in Baumärkten und bei Düngemittelherstellern. Es gibt auch immer mehr veganen Dünger, der auch so ausgewiesen ist.

So lief es zum Beispiel ab bei Blumenerde: Ich wollte einfach mal eine Topferde kaufen und habe dann nach langem Suchen Kokos Blöcke gesehen, da ich auch keinen Torf und eben keine Tierprodukte wollte. Ein Blick darauf:„ mit Nährstoffen“ also weitersuchen. Dann hatte ich endlich einen Kokos Block aus dem Weltladen, der tollerweise auch noch fair gehandelt war. Und den hab ich dann mit Kräuter Pellets gedüngt. Meine Pflanzen scheinen es zu mögen so! Ich kenne jetzt übrigens einige vegane Dünger aus dem Handel die ich dann auch im Buch samt Bezugsquellen aufgenommen habe. Am besten finde ich aber die selbstgemachten aus Pflanzen. Sowieso finde ich viele ursprüngliche Methoden, die „ aus Versehen“ vegan sind am besten für den Garten. Schon meine Uroma hat teils so angebaut. Viele der alten Methoden sind nachhaltig und vegan. Manche aber auch nicht, wie zum Beispiel Schnecken mit zu Bierfallen töten.

Welcher Tipp hat dir das Arbeiten am meisten erleichtert oder dich am meisten beeindruckt?

Tipp zur Gartenarbeit: Der war wirklich ganz lustig und einfach. Als ich mit meinem kleinen Beet 2009 anfing, hatte ich einmal eine Freundin zu Besuch, deren Eltern einen Gärtnerei hatten, sie war also quasi im Garten aufgewachsen. Ich hab sei dann mit aufgeregten Fragen gelöchert: "Was soll ich mit den Tomaten machen ohne Tomatenhaus, geht das überhaupt? Ist das so richtig, wie ich die Zucchini gepflanzt habe?“ Sie meinte dann: „Weißt du, Susanne, denk einfach, dass die Pflanzen ja wachsen möchten! Du kannst dabei für optimale Bedingungen sorgen, doch das Wachsen, das machen sie schon."

Das hat mir die anfängliche Unsicherheit genommen und ich habe gleich losgelegt - also einfach ausprobieren ist die Devise. Schon im ersten Gartenjahr haben wir Salate, Tomaten, Zucchini, Kohlrabi, Mangold, Buschbohnen und vieles mehr aus unserem Beet genossen. Nur mal so nebenbei: Es macht Spaß!

Wie die vegane Ernährung auch, ist das vegane Gärtnern ja eher ungewöhnlich. Welche Fragen beantwortest du am häufigsten?

"Ist ein Garten denn nicht sowieso vegan?"
"Warum kein Mist, dafür sterben Tiere doch nicht." Übrigens finde ich Mist ethisch vertretbar, wenn man zum Beispiel neben einem Pferdehof wohnt, oder von einem Lebenshof (ich werde oft genau diese Grenzfrage gefragt). Noch dazu: Exkremente in der Erde finde ich persönlich nicht so toll und Guano von weit her ist auch nicht nachhaltig und muss gar nicht sein, denn direkt mit Pflanzen mulchen und düngen sorgt gut für Humus!
"Ohne tierische Inhaltsstoffe wächst doch nichts?"
"Wo bekomme ich dann die Nährstoffe her?" (Aus Pflanzen.)

Ehrliche und ausführliche Antworten kann man hier im Interview, meinem Blog und Buch lesen.

Was rätst du Interessierten: Wo lohnt sich eine Umstellung am meisten, wie fängt man am besten an?

Wenn man vegan lebt, hat man ja auch meist die innere Einstellung, Tieren nicht bewusst schaden zu wollen! Und es ist wie bei allem im Leben: wenn man es von innen heraus möchte, dann ist es gar nicht so schwer (als wenn einem jemanden etwas vorschreibt) Im Garten gibt es genug friedliche Methoden, unser Gemüse zu beschützen. Etwa Blattläuse und Kartoffelkäfer kann man durch die richtige Mischkultur in den Griff bekommen. Viele vorbeugende Maßnahmen helfen! Wer schon einen Biogarten hat braucht ja eigentlich nicht viel umstellen. Einfach Jauchen selbst machen, Kompost, Mulchen, wnn der Garten groß genug ist. Wenn nicht, geht auch veganer gekaufter Dünger - zum Beispiel aus Malzkeimen, der ist auch relativ preiswert (denn es gibt auch teuren veganen Dünger). Die Umstellung kommt mit der Einstellung von ganz alleine.

Ich finde auch wichtig, sich nicht beirren zu lassen. Zur Ermutigung: Es gibt auch schon biovegane Landwirtschaft, zum Beispiel in GB (seit 1997), es funktioniert wunderbar. Auch hier in der Nähe von Hannover habe ich ein bioveganes Landwirtschafts-Projekt besucht, sie arbeiten seit 2011 so und haben riesige Ernten- alles ohne tierischen Dünger.

Noch ein praktischer Tipp: Baut euch Beinwell an! Mit dieser Pflanze habt ihr Dünger, Kompostbeschleuniger, Nahrung für Hummeln und andere Insekten und dazu ist er auch noch schön anzusehen. Regional bin und fair. Eine in meinen Augen optimale Pflanze für den bioveganen Garten!

Was war deine Motivation, ein Buch über deine Erfahrungen zu schreiben?

Mir ist es ein Anliegen, über die vegane Lebensweise aufzuklären und zu zeigen, wie angenehm es sein kann, sich so zu ernähren und vegan zu leben. Und zu gärtnern ! In meinem Blog schreibe ich seit 2010 über vegane Vollwerternährung und den veganen Garten. Und ich engagiere mich seit 2013 beim „Bund für vegane Lebensweise“. Für dessen Homepage schreibe ich dort als „vegane Gartenfee“, gebe Tipps durch das biovegane Gartenjahr. So entstand die Buchidee, weil der Verlag den Blog las und auf mich zukam. Ich wollte gern meine Erfahrungen weitergeben, und obwohl - oder gerade weil - ich erst seit 4 Jahren so gärtnere, andere motivieren.

Mir war wichtig, dass es ein Gartenbuch gibt, wo nicht auf Seite 20 oder so gleich steht, wie man Schnecken am besten tötet, oder dass Hornspäne in das Pflanzloch sollen. Die Alternativen, die ich verwende, sind genauso wirksam. Und Lebensräume für Tiere sollen auch genügend vorhanden sein! Und Pflanzen, die als Nahrung für Bienen, Vögel, Schmetterlinge & Co dienen können. Also ich hoffe, man merkt, dass der biovegane Garten kein flüchtiges Trendthema oder kein Quatsch ist, sondern dass da schon etwas Echtes dahinter steckt!

Danke für die Fragen!!

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