Sonntag, 1. März 2015

{Rezension} "Vegan & vollwertig" von Barbara Rütting


Schon lange bin ich in den Buchhandlungen um Barbara Rüttings "Vegan & vollwertig"* herumgestrichen. Jetzt hat es mir der Verlag nymphenburger zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!


Der Inhalt 


Nach dem obligatorischen Vorwort der Autorin gibt es auf mehreren Seiten Infos zu im Buch verwendeten Produkten und dazu, wie bestimmte tierische Produkte (Eier, Milch…) zu ersetzen sind. Nach ein paar Grundrezepten für Soße, Grünkern- und Hirsebrei geht es mit den eigentlichen Rezepten los, die nach Jahreszeiten sortiert sind. Für jede Jahreszeit werden sechs Menüs, bestehend aus Vor-, Haupt- und Nachspeise, vorgeschlagen.

Beispiele gefällig? Im Frühjahr gibt es rohen Spargel-Champignon-Salat, Gemüsestrudel auf Frankfurter Grüner Soße und Vollkornwaffeln, im Sommer eine Suppenkoalition rot-grün, Polenta mit Zuckerschoten und Frühlingszwiebeln und zum Nachtisch Kokoscreme, im Herbst rohen Spinatsalat mit Knoblauch-Walnuss-Soße und gerösteten Pinienkernen, Artischocken alla romana und Mousse au chocolat und im Winter Sauerkrautsalat mit Radieschensprossen und Mungbohnenkeimlingen, Ofenkartoffeln mit gebackenem Gemüse und Feigen in Wein.

Für 20 Euro erwerbt ihr ein hochwertiges Hardcoverbuch. Die Fotos sind schön und appetitlich, leider sind aber nicht alle Rezepte bebildert, sondern es gibt nur ausgewählte Fotos zu jedem Menü.

Und wie ist das Buch so?


Ganz ehrlich: Besonders übersichtlich ist das Buch nicht. Die Cashewmilch/-sahne, die in gefühlt jedem Rezept und definitiv in nahezu jedem Menü verwendet wird, ist in den Zutatenlisten selbst zwar mit einem Sternchen gekennzeichnet – dass das aber bedeutet, dass man die Rezepte im Einleitungskapitel findet, muss man im Einleitungskapitel selbst lesen. Und wer dann noch erwartet, dass das Rezept etwa besonders hervorgehoben wäre, wird ebenfalls enttäuscht. Man darf es sich aus dem Fließtext heraussuchen. Extrem unpraktisch. Zusätzlich ist die Anordnung der Rezepte in Menüs toll zum Durchblättern, aber nicht so schön, wenn man Z. B. ein Dessert sucht. Leider gibt es auch am Ende nur eine alphabetische Auflistung aller Rezepte, aber keine geordnete Übersicht nach Salaten, Hauptspeisen, Desserts… Lediglich am Anfang der Jahreszeitenkapitel sind die Menüs einmal komplett aufgelistet. Vielleicht bin ich zu ungemütlich und hektisch, aber mich nervt sowas. Ebenso wie übrigens die allgegenwärtige Cashewsahne, zu deren Zubereitung (Wasser und nicht eingeweichte Cashewnüsse zu gleichen Teilen vermixen) man meiner Meinung nach einen Hochleistungsmixer und, da sie sehr oft und in großen Mengen verwendet wird, am besten auch einen Goldesel braucht. Ich habe am Ende ordentlich durchgeschnauft und mich dann entschieden, Hafersahne aus dem Päckchen zu verwenden. Problem solved.

Was die Rezepte angeht, bin ich zweigeteilter Meinung. Die Artischocken alla romana sehen z. B. einfach göttlich aus, und ich will sie auf jeden Fall noch ausprobieren, ebenso wie die Piroggen, das Mohn-Nuss-Zimt-Eis und die Quiche. Wirklich tolle Ideen. Auf der anderen Seite finde ich „Rezepte“ wie in Kokosöl gebratene Bananen, eine Mangocreme, bei der Mangos mit Sahne und Vanille vermixt wird, oder rote Grütze jetzt nicht übermäßig einfallsreich. Oder positiv formuliert: einfach und schnell gemacht und trotzdem vollwertig und deshalb gemeinsam mit den etwas aufwändigeren Rezepten ein guter Mix.

Gut gefällt mir auch, dass insbesondere bei den Nachspeisen kein „unglaublich leckerer“ Vollwert-Kuchen dabei ist, der dann doch ziemlich ähnlich schmeckt wie ein Brot, sondern wirklich konsequent auch auf Produkte wie Rohrohrzucker, Agavendicksaft oder Ahornsirup verzichtet wird, die sonst zwar als vollwertig gelten, letztendlich ja aber doch nichts anderes als Zucker sind.
Generell werden nur naturbelassene Lebensmittel verwendet (mit Ausnahme von Hefeflocken), keine Ersatzprodukte und keine Superfoods. Tofu und Seitan sucht man vergeblich, leider sind Hülsenfrüchte aber auch fast nicht vorgesehen. Wer wie ich eine Eiweißkomponente bei seinen Mahlzeiten braucht, um länger als eine Stunde satt zu werden, muss sich also selbst etwas überlegen.
Ein ganz großes Lob gibt es von mir für das Vorwort. Obwohl die Autorin die gesundheitlichen Vorzüge der veganen Ernährung lobt, macht sie auch deutlich, dass der Verzicht auf Tierprodukte eben nur das Risiko für bestimmte Krankheiten reduziert und keine Garantie für ein gesundes, langes Leben ist. Ebenso weist sie darauf hin, dass Vitamin B12 in der veganen Ernährung ein kritisches Vitamin ist, das ggf. supplementiert werden sollte.

Ausprobiert


Aus Zeitmangel habe ich eher die einfacheren Gerichte aus dem Buch ausprobiert.


Bei den gebratenen Bananen habe ich irgendwas falsch gemacht. Sie waren eher mehlig und nicht besonders lecker.



Die Maronencreme hat mir wirklich gut geschmeckt und war mal ganz was anderes.



Auch lecker war der Hirse-Spinat-Auflauf, in meinem Fall (wie auch im Buch vorgeschlagen) mit Mangold zubereitet. Als Hauptgericht fand ich ihn allerdings nicht ausreichend.

Fazit


Ich bin mir unsicher, ob ich das Buch kaufen würde. Einerseits wird es völlig dem Anspruch gerecht, vollwertige vegane Rezepte saisonal zu schicken Menüs zusammenzustellen. Wenn ihr überzeugte und praktizierende Vollwertköstler seid, kann ich euch das Buch nur ans Herz legen, dann ist es genau das Richtige für euch! Eine komplett vollwertige Ernährung ist allerdings einfach nicht meins, und wenn es euch genauso geht, würde ich euch empfehlen, das Buch vor dem Kauf einmal durchzublättern (oder die Vorschau bei Amazon zu benutzen), um zu sehen, ob es euch als Anregungslieferant zusagt.

Zur Autorin


Wenn ihr etwas über Barbara Rütting, die in zwei Jahren schon 90 wird, wissen wollt, empfehle ich euch den Wikipedia-Artikel zu ihrer Person – auch zu den umstrittenen Aspekten.

Barbara Rütting: Vegan & vollwertig. Meine Lieblingsmenüs für Frühling, Sommer, Herbst und Winter
161 Seiten, 20 Euro
ISBN: 978-3-485-01430-4

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Falls euch weitere (Kochbuch-)Rezensionen von mir interessieren: *klick*

Was haltet ihr von "Vegan & vollwertig"? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Kommentare:

  1. Vielen Dank für die wirklich aussagekräftige Rezie. Ich werde mir das Buch nicht kaufen. Ich habe bereits sehr viele vegane Kochbücher, auch Vollwertküche und irgendwie wiederholen sich nach einer Weile alle. Ich lasse mich durch Pinterest und www.chefkoch.de inspirieren und probiere selbst gern viel aus. Nach 2,5 Jahren veganer Kocherfahrung läuft es gut mit eigenen Rezepten :-)
    LG Steffi

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  2. Ich hatte das Buch mal aus der Bücherei ausgeliehen.
    Meins war es nicht, hab ähnliche Kritikpunkte wie du.
    Schade finde ich, das unsere Bücherei irgendwie nur "solche" Bücher hat und keins der wirklich tollen veganen Kochbücher.
    So was schreckt "vegan-neugierige" schnell wieder ab...

    LG
    Jessi

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