Samstag, 7. März 2015

{Rezension} "Peaceful gardening" von Susanne Heine


Ich hatte euch ja mehr Berichte aus dem Garten versprochen, und heute habe ich etwas thematisch Passendes für euch: "Peaceful gardening"* von Susanne Heine, einen Ratgeber zum bioveganen Gärtnern, den der Verlag blv mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

Zu Beginn stellt die Autorin erst einmal sich selbst und dann die Prinzipien des bioveganen Gärtnerns vor: Respekt gegenüber der Natur und vor allem den Tieren, daher keine Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln (auch keine biologischen!) und Fallen (und überhaupt gibt es keine Einteilung in Nützlinge und Schädlinge) sowie der Verzicht auf tierische Dünger wie Mist, Knochen- oder Haarmehl. Unkraut wird nur mechanisch bekämpft und künstliche Dünger wie Blaukorn sowieso nicht verwendet.

Die Titel der folgenden Kapitel zum bioveganen Gärtnern sind:
  • Biovegane Gartenpraxis (Bodenbearbeitung, Mulchen, Kompost, Dündung, Pflanzenschutz, Aussaat und Pflanzung)
  • Der biovegane Blumen- und Gemüsegarten (Gemüsebeet anlegen, Mischkultur)
  • Die 10 leckersten Gemüse/würzigsten Kräuter/hübschesten Blumen / die 4 besten Beeren für den bioveganen Garten
  • Natur fördern im bioveganen Garten
  • Biovegan gärtnern rund ums Jahr
  • Anhang (Adressen, Stichwortverzeichnis, über die Autorin)

Nach der Erklärung, was bioveganes Gärtnern ist, wäre ein kleiner Warnhinweis angebracht gewesen: Achtung, der biovegane Garten sieht nicht unbedingt aus wie das, was ihr gewohnt seid! Zumindest kann man von den Fotos den Eindruck kriegen, ein bioveganer Garten müsse zwingend wie eine wuchernde Wildnis aussehen, der mühsam einige Beete abgetrotzt wurden. Zugegeben, das ist sehr malerisch, aber auch irgendwie abschreckend, zumindest für mich – und wir behandeln unseren Garten auch nicht mit Gift, wir haben einfach nur eine Beeteinfassung, mähen regelmäßig den Rasen und schneiden die Hecken.

Viele Tipps aus den Praxiskapiteln sind total interessant, wie z. B.
  • das Anlegen eines Mulchbeetes ohne Grabegabel und Spaten,
  • die Herstellung von Pflanzenjauchen,
  • die Tipps zum richtigen Gießen, durch das auch Schnecken im Zaum gehalten werden können,
  • generell die Tipps gegen Schnecken (und die Ergebnisse der Selbstversuche mit Schneckenabwehrtipps aus dem Internet),
  • die Tabellen zur richtigen Mischkultur oder die Bezugstipps für biovegane Dünger (die oft gar nicht so leicht zu erkennen sind!).

Auch für absolute Gartenanfänger ist einiges dabei, wie z. B. die Vorstellung des benötigten Gartenwerkzeugs, und ich persönlich bin ein großer Fan des Gartenkalenders am Ende, bei dem auf jeweils einer Seite die Arbeiten eines Monats zusammengefasst sind. An solchen Übersichten orientiere ich mich gern, weil ich sonst chronisch verspätet bin.

Kritik habe ich aber auch: So ist Stroh nicht, wie behauptet, eine gute Stickstoffquelle. Im Gegenteil: In der Landwirtschaft düngt man, wenn man das Stroh auf dem Feld belässt, sogar oft noch etwas Stickstoff zu, damit die Bakterien es überhaupt zersetzen können.

Und richtig wütend wurde ich bei folgendem Absatz: „Ich verwende nur saatfeste Sorten, Biopflanzen und kein gentechnisch verändertes Saatgut. Dieses muss erfreulicherweise deklariert werden. Dabei achte ich auf die Bezeichnung F1. Wenn dies am Saatgut oder den Jungpflanzen steht, dann sind es Hybridsorten, die sich nicht vermehren lassen.“ Ich unterstelle der Autorin jetzt einfach mal, dass sie für sich persönlich den Unterschied zwischen gentechnisch verändertem und Hybridsaatgut verstanden hat. Eine derartig missverständliche Formulierung ist aber genau der Grund dafür, warum ich, wenn ich erzähle, dass ich über die Hybridzüchtung bei Mais promoviere, immer wieder gefragt werde: „Ah, dann arbeitest du mit Gentechnik?!“. Nein, tu ich nicht. Hybriden und Gentechnik sind nicht dasselbe. Grrr.

Was man außerdem deutlich merkt, ist, dass die Autorin selbst erst seit 2010 gärtnert. Die Auswahl der vorgestellten Kulturpflanzen ist z. B. eher willkürlich und keineswegs umfassend, und ich hatte öfter das Gefühl, dass die Autorin Inhalte aus verschiedenen Quellen zusammengeschrieben, aber nicht unbedingt selbst ausprobiert hat. Auch eine Aussage darüber, wie sich die Erträge aus dem bioveganen Garten langfristig verhalten, ist so natürlich nicht möglich.

Fazit


Ein nettes Buch zum bioveganen Gärtnern, das ich allerdings eher als Zusatzlektüre für diese spezielle Anbauweise und keinesfalls als Nachschlagewerk für jede Lebenslage empfehlen würde. Eine ausführliche Ergänzung der Autorin findet ihr übrigens in den Kommentaren.

Susanne Heine: Peaceful gardening. Biovegan gärtnern. Das Praxisbuch.
143 Seiten, 14,95 Euro.
ISBN 9-783-835413450


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Was haltet ihr von "Peaceful Gardening" und vom bioveganen Gärtnern generell? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Kommentare:

  1. Danke für diesen Bericht - dann ist das wohl nicht unbedingt ein Buch für mich... ich muss mich auch dringend jetzt mal um meine Samentütchen kümmern... wir haben ja schon März... LG

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    1. Ja, ich war am Sonntag auch draußen unterwegs :)

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  2. Mmmmmhh.... Ich weiss, die Frage klingt richtig doof, aber was empfiehlt die Autorin denn bei Schädlingsbefall? Tatenlos zugucken wie beispielsweise Spinnmilben oder Kohlmotten sich fröhlich vermehren und mein selbstgezogenes Gemüse vernichten? Wir versuchen, seit über 20 Jahren so biologisch wie möglich zu gärtnern, einschliesslich Mischkulturen, Pflanzenjauchen und -tees, händisches Absammeln von grossen Schädlingen wie Kartoffelkäfern etc. und trotzdem sind wir immer wieder gezwungen, Schädlingsbekämpfungsmittel einzusetzen. Was ist denn der Ansatz der Autorin? Gemüse im Bioladen kaufen gehen, wenn die Schädlinge alles vernichtet haben?

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    1. Zumindest nimmt sie es wohl hin, wenn dann mal das Gemüse aufgefressen wird. Mir würde das sehr schwer fallen, aber es ist immerhin konsequent.

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    2. Hallo, ich finde die Frage gar nicht doof, sondern sehr verständlich. Ich bin ja die Autorin, und kann sie dir ja jetzt selbst beantworten: die angebauten Kulturen vor einem Fraßbefall zu schützen, ohne dabei Tiere zu eliminieren, ist ja eine der Herausforderungen beim veganen Biogarten!!
      Ich habe deswegen sehr viele dieser friedlichen Methoden ausprobiert.( Dem Thema habe ich im Buch 10 Seiten gewidmet.)Es gibt die Möglichkeiten des mechanischen Schutzes ( Kulturschutznetze, Schneckenzaun, Pflanzenhüte, sowie die natürlichen Methoden, die ich am besten finde und von denen ich selbst aktuell immer wieder neue ausprobiere.
      Man sollte bspw.nicht unterschätzen, wie effektiv die richtige Mischkultur schützen kann!
      Nur ein Beispiel , was bei mir mega klappt: Kapuziner Kresse neben den Tomaten oder um Baumscheiben vertreibt Blattläuse. Auch ein Sud aus Kapuziner kresse, auf das Beet gesprüht, kann einem unerwünschten "Besuch" vorbeugen.Kümmel neben Kartoffeln schützt vor dem "beliebten" Kartoffelkäfer.
      Auch das nicht zu dichte Pflanzen, der optimale Standort und eine Ringelblumenjauche können Pflanzen stärken, sodass sie einen Befall besser wegstecken. Ganz besonders wichtig ist noch das Schaffen von Lebensräumen für Insekten, Igel , Blindschleichen, und vielen mehr. Das steht dann im Kapitel :Natur fördern im bioveganen Garten..
      Es geht eben beim veganen gärtnern darum, finde ich , das ganze Verhältnis zu Tieren, auch im Garten ,zu überdenken. Denn der Garten gehört ja zum veganen Leben dazu!! Darum ist die Einteilung in Nützlinge und Schädlinge genauso willkürlich wie in Nutztiere und Kuscheltiere!
      Das heisst aber , dass ich die veganen Methoden ausprobiere, wie ich das Gemüse vorbeugend und friedlich schützen kann-dafür ist das Buch ja da ! :-) An Carola:
      Auch bei den Pflanzenportraits, die ich übrigens wirklich alle bei mir im Garten auspobiert habe ( das war das Auswahlkriterium ) sind dann im Einzelnen wieder Methoden genannt, aber auch vegane Rezepte uvm.Ich habe ja auch die Fotos in meinem Garten gemacht und es stimmt auch , dass wir jedes Jahr gute Ernten haben. Ich verschenke sogar vieles, weil wir zuviel Zucchini , Salate, Bohnen etc haben.Du hast recht, wegen Stroh und Kohlenstoff, das wird korrigiert!
      Nur eine kleine Frage, weil ich das nicht verstanden habe :wie sollte ich denn alle Gemüsesorten beschreiben? Dann müsste ich einen Acker mieten, der bis zum Horizont reicht und ich würde ein 500 Seiten Buch, bzw. heute noch schreiben..:-) Nun liebe Grüße und danke für die ausführliche Rezension.:-) Und wenn ihr noch Fragen habt, ich schaue mal wieder rein :-)

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    3. Hallo Sabine,
      danke für die ausführliche Antwort :) Die ist eine gute Ergänzung zur Rezension, ich habe das oben mal vermerkt. Mir ist schon klar, dass du nicht alle Gemüsesorten ausprobieren kannst; ich nehme aber mal an, dass auch die Autoren anderer Gartenbücher nicht alles getestet haben, was sie schreiben. Find ich aber beides gut. Dein Buch beschreibt den bioveganen Anbau, und für das Nachschlagen aller möglichen Pflanzenarten habe ich ein weiteres Buch. Es muss ja nicht alles in einem sein.
      Liebe Grüße
      Carola

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  3. danke für den post, so ein ähnliches buch hab ich schon lange mal gesucht und möchte dieses Jahr verstärkt auch selber mal probieren was anzubauen. bin aber noch blutige Anfängerin! es hört sich zwar nicht so an als wäre das buch für einen profi geeignet, aber ich werde mal reinschauen und es mir eventuell kaufen, für ein paar basics wird es gut genug sein :)

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    1. Zum Anfangen mit einem kleinen Garten reicht es bestimmt - und man kann ja auch Infos zu Gemüsesorten, die nicht enthalten sind, im Internet nachlesen :)

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