Sonntag, 4. Januar 2015

{Rezension} "Vegan, regional, saisonal" von Lisa Pfleger


Mit dem komplett regionalen und saisonalen Kochen komme ich irgendwie auf keinen grünen Zweig, insbesondere nicht im Winter. Im Sommer geht das alles ja relativ einfach, aber von Herbst bis Frühjahr falle ich öfter in ein kreatives Loch. Daher hat es mich besonders gefreut, dass der Verlag Ulmer mir ein Rezensionsexemplar von Lisa Pflegers Kochbuch „Vegan, regional, saisonal“ zur Verfügung gestellt hat. Lisa kennt ihr vielleicht schon von ihrem Blog experimentselbstversorgung.net, auf dem sie und ihr Ex-Partner über ihre Versuche berichtet haben und weiter berichten, möglichst viele Dinge ihres täglichen Bedarfs für sich selbst herzustellen. 19,90 Euro kostet das Buch mit 192 Seiten.

Interessant fand ich vor allem das Versprechen von Klappentext auf „140 Für-jeden-Tag-Rezepte“, denn ich koche zwar gern, aber auch gern schnell, insbesondere unter der Woche und insbesondere, seit mir zu vielem die Kraft fehlt.

Nach dem obligatorischen Vorwort, Infos zu einzelnen Zutaten und Einkaufstipps geht es los mit Grundrezepten für verschiedene Teige, Soßen, Dressings, für Gemüsebrühe, Sojamilch, Kräuteressig und –öl und Marmelade. Dann folgt ein Rezeptkapitel für jede Jahreszeit, jeweils unterteilt in Suppen und Salate, Hauptgerichte, Brotzeit & Snacks und Süßes. Am Ende finden sich noch mehrere Tipps für Bezugsquellen und weitere Lektüre sowie ein Rezepte- (leider kein Zutaten-) Register. Auf den Innenseiten der Umschläge gibt es außerdem Saisonkalender für Gemüse, Obst und Wildkräuter.

Für jedes Rezept ist die Personenzahl angegeben. Die Zutatenliste steht direkt am Anfang; gemessen wird nicht in Gramm, sondern in Tassen. Häufig wird auch auf die Grundrezepte verwiesen, was aber durchaus sinnvoll ist, z. B. bei der Tomatensoße für die Polentapizza. Unter vielen Rezepten finden sich kleine Anekdoten von der Autorin, Tipps zur Abwandlung oder zu einzelnen Zutaten. Einen Blick in's Inhaltsverzeichnis gibt es bei Amazon*
, eine Leseprobe bei Ulmer.

Regional und saisonal?


Ehrlich gesagt war ich am Anfang etwas skeptisch, was das Versprechen „regional und saisonal“ angeht, und hatte mit den üblichen Kompromissen gerechnet, also z. B. mit der Verwendung von Margarine oder anderen, nicht ganz so regionalen Zutaten. Aber Pustekuchen. Das Exotischste, was ich finden konnte, war Rum, und der war als optional angegeben. Ansonsten sind nur Zutaten angegeben, die ich entweder selbst im Garten ziehen könnte oder aber die in der Region erzeugt und dann gelagert werden könnten, wie Getreide, Nüsse und Zucker. Meine Eltern werden zwar in Hessisch-Sibirien keine Auberginen und Paprikas züchten können, aber deren Zuhause kann auch nicht unbedingt als Maßstab gelten.

Bei den Tomaten in den Herbstrezepten habe ich erst etwas doof geguckt, aber nachdem wir die letzten Tomaten von unserer eigenen Terrasse nach dem Nachreifen in der Küche erst kurz vor Weihnachten verarbeitet haben, ist das wohl nicht unrealistisch. Manche Rezeptzuordnungen zu den Jahreszeiten kann ich nicht so richtig nachvollziehen (s.u.), aber es hindert einen ja auch niemand, etwas aus den „falschen“ Jahreszeiten nachzukochen.

Die Rezepte


Die große Überraschung, was die Rezepte angeht, ist allerdings ausgeblieben. Klar, wenn man das Konzept der Regionalität und Saisonalität so konsequent durchzieht – was ich absolut super finde! Für jeden Tag wäre das für mich nichts, dazu bin ich nicht idealistisch genug, und ehrlich gesagt würde ich vermutlich gefühlt auch verhungern. Die meisten Gerichte bestehen vor allem aus Gemüse und Obst, Kohlenhydraten und Fett, und das sättigende Eiweiß kommt für meinen Geschmack ein wenig zu kurz. Natürlich werden auch mal Bohnen verwendet, aber Soja ist noch längst nicht für alle Anbauregionen in Deutschland geeignet, und selbst aus Mehl gewaschener Seitan wird nicht vorgestellt. Daher werde ich das Buch eher zwischendurch bzw. als Anregung verwenden und dann noch mit Eiweißbeilagen ergänzen.

Und das habe ich ausprobiert:


Diesen warmen Karottensalat mit Zwiebeln und gerösteten Sonnenblumenkernen und das Knoblauchtoastbrot (aus dem Frühling?) werde ich mit Sicherheit in den nächsten Kochkurs aufnehmen. Richtig gut!


Die Fruchtkugeln aus Rosinen, Haferflocken und Haselnüssen waren mir erst etwas zu weich, hatten dann aber nach einem Tag die perfekte Konsistenz. Sie waren ganz lecker, aber ich bräuchte sie jetzt nicht so bald wieder. Allerdings würde ich auch keine Dattelkugeln im Bioladen kaufen. Liegt also vermutlich an mir.

Schnell gemacht waren beide Rezepte, und auch der Rest im Buch sieht aus, als wäre er zügig nachzukochen. Also auf jeden Fall Rezepte für jeden Tag. Und es werden nicht die letzten bleiben, die ich nachgekocht habe – ich freue mich schon auf den Sommer und Herbst!

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Falls euch weitere Kochbuchrezensionen von mir interessieren: *klick*

Was haltet ihr von "Vegan, regional, saisonal"? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Kommentare:

  1. Mir gefällt das Buch recht gut, hab auch schon das eine und andere nachgekocht, und die Backrezepte lassen sich tatsächlich auch weizenfrei umsetzen. Der Karottenkuchen ist der Knaller!!
    Ich finde vorne die Grundrezepte für Kuchenteig, Dressing usw. auch ganz gut, die man dann abwandeln kann!

    Liebe Grüße
    Jessi

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  2. Also für mich ist es das meiner 3 liebsten Kochbücher, ich habs beinahe ständig vor der Nase liegen. Wobei mir auch das Eiweiss etwas zu kurz kommt, aber man kann ja einfach Linsen und Bohnen ect. nach persönlicher Vorliebe ergänzen.
    Jedanfalls koche ich im Winte rzumeist wirklich nur KArotten, Sellerie, Rotkraut, Kraut, Pastinaken, Kartoffeln und chinakohlgerichte. Eben Saisonal udn daher auch recht simpel.
    Ich mag an dem Buch das wirklich NIX exotisches vewendet wird.
    Einfach mit Mehl, Wasser, Gemüse, Obst und nicht PFlanzenmilch verwendet wird.
    GLG, MamaMia

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  3. Ich habe mir das Buch auch gerade am letzten Freitag von meinem Weihnachtsgeld gekauft. Es passt einfach perfekt zu meiner Ernährungsphilosophie. Ausprobiert habe ich bisher noch nichts aber es kleben schon einige Marker im Buch. Wie dir fehlen auch mir bei den Rezepten das Eiweiß. Auf der anderen Seite finde ich es gerade toll, dass auf Seitan, Tofu und Co. verzichtet wird und die Rezepte wirklich mit wenigen Grundzutaten auskommen.

    Viele liebe Grüße
    Die Saisongärtnerin

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  4. Das Buch steht schon lange auf meiner Wunschliste, aber ich bin auch nach deinem Bericht irgendwie immer noch unschlüssig. Ein Kochbuch muss mich mittlerweile 100% überzeugen, da ich bereits zu viele Kochbücher hier stehen habe, in die ich nur ab und an mal reinschaue.
    Mal sehen, ob ich es doch irgendwann kaufe.

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  5. Hi!

    Also ich habe einen sehr ähnlichen Eindruck wie du. Das große Bäm fehlt irgendwie, dafür ist es doch seeehr konsequent. Von der "Käse"sauce bin ich schon sehr enttäuscht, weil doch die Hefeflocken fehlen, die eben den "Käse"geschmack geben. Da es ein Pilz ist, sollte dies ja auch eigentlich regional möglich sein, zu beziehen.

    Ist auf jeden Fall kein Griff ins Klo, nur halt tatsächlich etwas asketisch. Doch man besinnt sich doch ab und zu auf das Urtümliche - was ja auch manchmal nicht verkehrt ist.

    Aber den Salat probiere ich auch einmal, der klingt echt gut.

    Grüßle
    Micha Machiavelli (früher mal Mephistofules)

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  6. Hallo,

    danke für deine Rezension, ich bin immer total neugierig auf vegane Bücher und werde mir das Buch im Buchhandel mal ansehen. Ich suche nun schon länger nach einem Buch für die vegane Küche, auf dieses bin ich dabei noch nicht gestoßen. Danke daher, da es für 19,90 € auch wirklich erschwinglich ist. :)

    Viele Grüße

    Sandy

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  7. Ich finde an dem Buch wirklich gut, dass sie das benutzt was auch einfach wächst und nicht "Wir machen Schnitzel mit Pommes" und legen statt des Schnitzel einfach ein Tofustück neben die Kartoffeln.
    Schade, dass man den Kalender nicht einzeln kaufen kann, im Buchladen war bei meinem Exemplar kein Kalender dabei.

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    1. Aber der Kalender ist doch auf der Innenseite aufgedruckt? Das ist kein einzelnes Teil oder so.

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