Donnerstag, 20. November 2014

{Rezension} "Power Food vegan" von Sibylle Sturm


Irgendwie bewundere ich ja jeden, der ein Kochbuch schreibt. Und wenn ich denjenigen dann auch noch "kenne" (so gut man sich eben kennen kann, wenn man den Blog des anderen verfolgt), bin ich immer noch etwas mehr beeindruckt. So auch von Sibylle Sturm, euch vielleicht besser bekannt als Billa von "Billas Welt". Letztes Jahr war sie mit einem ganzen Weihnachtsmenü bei meinem Adventskalender zu Gast. Und jetzt hat mir der Christian-Verlag freundlicherweise ihr Buch "Power Food vegan"* zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Dann mal los.

Das Buch beginnt mit einem sehr kurzen Vorwort, einigen Worten zu den Zutaten und ein paar Küchentipps. Auf Seite 20 beginnt schon der Rezeptteil. Ich finde das eine angenehme Abwechslung zu anderen Kochbüchern, bei denen ich die Einführung mittlerweile immer schon direkt überlese. Der Rezeptteil ist folgendermaßen gegliedert:
  • Power-Frühstück
  • Für zwischendurch
  • Salatbüfett
  • Aus dem Topf
  • Jetzt was Gscheits
  • Was Süßes geht immer
  • Heiße & kalte Drinks

Am Ende gibt es noch Menüvorschläge, in denen die Rezepte aus dem Buch passend zusammengestellt sind, und ein Rezepte- und (ich liebe es!) Zutatenregister.

Jedes Rezept ist mit einem appetitlichen Foto ausgestattet, und auf den Bildern ist meist viel Grünes und Frisches zu sehen. Man sieht also direkt, dass mit sehr viel Gemüse gekocht wird. Keine Angst übrigens, dass besonders exotische Zutaten verwendet würden (das war ehrlich gesagt meine Befürchtung, als ich den Titel gelesen habe. Ich hatte schon mit teuren Besuchen im Bioladen und in diversen Onlineshops gerechnet). Im Gegenteil. Billa definiert als „Superfoods“ alte Bekannte: Beeren, Nüsse, Hülsenfrüchte, frisches Obst und Gemüse. Sehr angenehm. Einige Zutaten werden auch im Detail beschrieben. Insgesamt stimmen die dargestellten Fakten.  Etwas kritisch finde ich es zwar, Dinkelmehl und andere Mehle als „gesündere“ Alternative zu Weizenmehl darzustellen, aber ein bisschen Ideologie braucht wohl jedes Kochbuch… Bei der Vorstellung von veganer Margarine wird übrigens sogar die Palmölproblematik angesprochen, dann aber dennoch Alsan empfohlen. Hm. Da wäre vielleicht auch noch ein kurzes Wort zum Thema „unvegane Margarine“ passend gewesen.

Aber zurück zu den Rezepten. Jedes kommt Personenangaben, Zubereitungs- und ggf. Ruhezeit, Zutatenliste und Anleitung zur Zubereitung daher. Glutenfreie Rezepte und Rezepte, die sich zum Mitnehmen eignen, sind als solche gekennzeichnet. Soja wird keins verwendet, dafür sehr, sehr viel Gemüse und Obst.

Für die saisonale Küche ist das Kochbuch allerdings nur bedingt geeignet. Zwar finden sich Menüvorschläge für alle vier Jahreszeiten, aber in vielen Rezepten, die ich auf den ersten Blick prädestiniert für Herbst und Winter fand, tauchen dann doch Zutaten wie Kohlrabi, Paprika, Tomaten oder Zucchini auf. Vieles davon kann man aber abwandeln und teilweise auf Tiefkühlware zurückgreifen. Kreativität ist gefragt, wie so oft beim saisonalen Kochen. Und im Sommer passen die Rezepte perfekt!

Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass ich fast keine Zutat entdecken konnte, die man nicht bei uns im Supermarkt kaufen kann (ein Edeka in einer Kleinstadt mit 10.000 Einwohnern). Lediglich für essbare Blüten müsste ich unseren Garten konsultieren, für das Koriandergrün beim türkischen Lebensmittelladen vorbeischauen und evtl. für Mandelmus und Agar-Agar einen Besuch im Bioladen einplanen – aber Mandelmus hält sich ja. Sehr praktisch, wenn man keinen Bioladen oder Ähnliches direkt vor der Haustür hat.

Billa verspricht übrigens im Vorwort Rezepte, die schnell zuzubereiten sind, und das kann ich absolut bestätigen! Ausprobiert habe ich die folgenden Gerichte:


Interessante Ideen für ein Chili sin carne: Es sind Kartoffeln drin. Viele. Und die Sojaschnetzel muss man nicht selbst anbraten, sondern kippt einfach ein Glas vegane Bolognese dazu. War lecker.



Die Anleitung für die Kokos-Hanf-Kugeln fand ich nicht so richtig gelungen. Erstens habe ich den Verdacht, dass meine "Kokosbutter", sprich Kokosmus, nicht das war, was im Rezept mit "Pflanzenbutter" gemeint war, und zweitens weiß ich nach wie vor nicht so richtig, was "kleine Kugeln" sind. Meine Masse ließ sich jedenfalls nur nach Zugabe von deutlich mehr als der genannten Menge Wasser überhaupt dazu überreden, sich in Kugelform zu begeben, und das Wälzen in Kokosraspeln hat auch nur nicht wirklich geklappt. Das Ergebnis sah eher aus wie ein (stark) gerupftes Huhn (s. Kugel links). Lecker war das Ganze dennoch, allerdings auch ein wenig trocken. Mit einer Tasse Tee ein wundervolles Frühstück.



Als Herbstrezept habe ich die Süßkartoffel-Kürbissuppe mit Mandelmus-Schaum ausprobiert, in der neben Kürbis und Süßkartoffel auch große Mengen Kartoffeln und Möhren landen und daneben noch eine Dose Kokosmilch. Da ich die Suppe anschließend eingefroren habe, habe ich den Mandelmusschaum nicht mit zubereitet.

Auf meiner Nachkochliste steht jetzt u.a. noch Folgendes:
Erdbeer-Müsli-Trifle
Kohlrabi-Karotten-Salat
Feldsalat mit Kürbisspalten und Orangendressing
Kohlrabi-Kraut-Suppe mit grünen Bohnen
Kartoffelsuppe mit Wirsingtopping
Gemüsecurry mit Koriander
Bohnenburger
Erbsenbratlinge mit fruchtiger Mangosalsa
Cantuccini mit viel Schoko
Johannisbeere-Kardamom-Punsch
Orangen-Zimt-Ingwer-Punsch

Fazit


Ein tolles Kochbuch für die kreative und dennoch schnelle vegane Gemüseküche, das allerdings nur eine begrenzte Zahl an herbst- und wintertauglichen Rezepten liefert.

„Power Food vegan“ hat 192 Seiten und ist zum Preis von 19,99 Euro erhältlich.

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Falls euch weitere Kochbuchrezensionen von mir interessieren: *klick*

Was haltet ihr von "Power Food vegan"? Ich freue mich auf eure Kommentare! 

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Kommentare:

  1. pssssssst.... "Tierkühlware" :o)

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    1. Mist. Jetzt ist es doch offiziell: Die Hasen sind längst eingefroren ;)

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    2. OMG!

      (ich wollte dich nicht outen - sorry...)

      :-)))

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  2. Liebe Carola,
    ich bin immer ganz gespannt und begeistert, wenn über mein Powerfood-Buch berichtet wird. Und natürlich auch, wenn ich gut dabei weg komme ; ) Denn trotz allen Ausprobieren, Probekochen von Freunden etc. bleibt immer ein Restrisiko, das etwas nicht schmeckt oder gelingt. Herzlichen Dank also, das du dir die Mühe gemacht hast und so eine ausführliche Rezension geschrieben hast.
    Bei denThemen Margarine/Butter, Mehl und Soja habe ich mehrfach den Text geschrieben, überarbeitet und recherchiert... dazu gibt es so viele Meinungen und es ist nicht ganz einfach, sich da durchzufinden. Es soll ja auch noch umsetzbar sein und dient als Anregung für die Leser... und was die Kokos-Haferflocken-Kugeln angeht: die werde ich gleich morgen mal wieder machen und versuche dabei zu ergründen, warum sie sich bei mir in Kugelform bringen lassen ; ) Ich werde berichten!
    Es grüßt die Billa

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