Samstag, 20. September 2014

Rezension: "So geht vegan" von Patrick Bolk


Was macht man, wenn man fürchterlich erkältet und an’s Sofa gefesselt ist? Genau: lesen. In diesem Fall "So geht vegan!"* von Patrick Bolk, erschienen im südwest-Verlag, das mir freundlicherweise vom Verlag zur Rezension zur Verfügung gestellt wurde. Und was soll ich sagen? Ich war vollkommen begeistert. Aber der Reihe nach.


Die Inhaltsübersicht


Das Buch beginnt mit einem Einführungskapitel, das sich unter anderem mit bestimmten Nährstoffen und veganer Ernährung unter besonderen Umständen (Schwangerschaft/Stillzeit, bei Glutenunverträglichkeit usw. beschäftigt). Dann geht es weiter mit dem eigentlichen 10-Punkte-Plan:
  1. Genuss ohne Fleisch und Fisch
  2. Ohne Milch und Milchprodukte
  3. Kochen und Backen ohne Eier
  4. Kreative vegane Küche
  5. Getränke ohne Tierisches
  6. Vegan unterwegs
  7. Besondere Gelegenheiten
  8. Vegan mit Kindern
  9. Vegan für Profis: Superfoods & Rohkost
  10. Über den Tellerrand: vegan leben
Jedes der zehn Kapitel beginnt dabei mit einer kurzen Einführung (Warum leiden Kühe für Milch? Was ist an Eiern problematisch? Warum sind Wein und Saft oft nicht vegan?) und liefert dann thematisch passende Rezepte.

Ganz am Ende gibt es noch einen Anhang mit einer Liste von Lieferanten für bestimmte Nährstoffe, einer Tabelle mit Austauschmöglichkeiten für tierische Produkte sowieso eine Vielzahl von Links. (twoodledrum ist dort übrigens auch erwähnt. Hurra!)

Ganz alleine hat Patrick Bolk das Buch übrigens nicht geschrieben, das wird ebenfalls im Anhang deutlich. Als Fotograf war Justin P. Moore beteiligt, euch vielleicht bekannt vom Kochbuch „The Lotus and the Artichoke“, und auch die Rezepte sind nicht von Patrick Bolk alleine.

Die Optik


Insgesamt haben die Beteiligten ein optisch rundes Buch hinbekommen, das sich gut anfasst und liest. Die Bilder sehen sehr appetitlich aus, und die Rezepte sind mit Zutatenlisten, Personenzahl, Zubereitungszeit und der Kochanleitung in mehreren Schritten sehr übersichtlich gestaltet.

Der Inhalt


Auch inhaltlich gibt es nichts zu meckern. Alle wichtigen Infos zur veganen Ernährung sind drin, einzig und allein die potenziell unveganen Zusatzstoffe von verarbeiteten Lebensmitteln werden lediglich in einem Nebensatz erwähnt. Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Teil mit den Ernährungsinfos. Endlich mal ein Buch, das deutlich darauf hinweist, dass Veganer unbedingt B12 supplementieren sollten, und das sogar die Problematik von Vitamin D anspricht! Sogar die nötigen Blutwerte, die geprüft werden müssen, um den B12-Status sicher ermitteln zu können, werden erwähnt. Einziges Manko hier: Sonnenblumenöl wird als wertvolles Öl zum Braten empfohlen, obwohl es viele Omega-6-Fettsäuren enthält und Rapsöl (das auch empfohlen wird, aber eben auch) hier deutlich besser geeignet wäre. Sehr positiv ist mir auch aufgefallen, dass nur das als Tatsache dargestellt wird, was auch tatsächlich wissenschaftlich bestätigt wurde. Bei allem anderen wird aus dem Text deutlich, dass es bisher lediglich z. B. Hinweise darauf gibt (wie bei der Förderung bestimmter Krebsarten durch Milchkonsum).

Das Buch beschränkt sich aber nicht nur auf wissenschaftliche Fakten, sondern gibt auch Tipps zum Umgang mit der veganen Ernährungsweise unterwegs oder auf Familienfesten. Hier ist es mir insgesamt etwas zu schönfärberisch, jedenfalls, was das vegane Essen außer Haus angeht. Aber das kann auch meine begrenzte Perspektive sein, weil ich das Planen und Vorbereiten immer als große Strafe empfunden habe. Außerdem will Patrick Bolk ja für den Veganismus werben. Da ist es wohl besser, zu versprechen, dass die Lust auf Käse und Döner irgendwann verschwindet. Immerhin verschweigt er nicht, dass man nicht automatisch alles Tierische eklig findet, nur weil man eine vegane Lebensweise für richtig hält, und dass sich einiges am Anfang eben schon wie Verzicht anfühlt. In einem Punkt möchte ich allerdings doch komplett widersprechen: Eine Sojabratwurst ist nicht dasselbe wie eine vom Metzger! Sie schmeckt anders gut, aber eben nicht genauso. Das gilt meiner Meinung nach für viele Ersatzprodukte und hätte vielleicht stärker betont werden können, um Enttäuschungen vorzubeugen.

Ein weiterer Schwachpunkt des Buches ist das Backkapitel, was ein wenig zu wünschen übrig lässt. Hier verweist der Autor aber immerhin darauf, dass ein spezielles Backbuch eine Investition wert sein könnte. Vollste Zustimmung meinerseits.

Etwas zu kurz finde ich das letzte Kapitel, das sich mit anderen Inhalten einer veganen Lebensweise (Kleidung, Kosmetik, Putzmittel…) auseinandersetzt. Immerhin werden aber viele wichtige Punkte angesprochen, und mit der Linkliste am Ende kommt man ein gutes Stück weiter. Eigeninitiative ist hier gefragt.

Was ich nicht ganz nachvollziehen konnte, ist der Anspruch (s. Klappentext), den Einstieg in die vegane Ernährung „mithilfe eines einfach 10-Punkte-Programms, das sie ganz entspannt in Ihrem eigenen Tempo umsetzen können“, zu ermöglichen. Einige Punkte bauen sicher aufeinander auf und lassen sich auch einzeln umsetzen (also z. B. erst Fleisch ersetzen, dann Milchprodukte, dann vegan backen, dann auf veganen Wein achten, dann keine Lederschuhe mehr kaufen…), anderes ist aber auch sehr stark miteinander verzahnt. Aber gut, Programme und Pläne passen in unsere Zeit, auch beim Aufbau eines Buches. Immerhin wird der Inhalt dadurch sehr übersichtlich präsentiert.

Rezepte habe ich übrigens keine ausprobiert, einige davon kamen mir aber sehr bekannt vor (Mayonnaise, veganer Eiersalat). Hier sind allerdings definitiv nicht nur „Anfängerrezepte“ versammelt, sondern auch alte Veganhasen können noch Neues entdecken. Die Zutaten sind fast alle im gut sortierten Supermarkt erhältlich, und spätestens im Bioladen findet man dann sicher das Gewünschte. Daumen hoch dafür.

Das Fazit


Ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch für alle, die sich für eine vegane Ernährung interessieren. Vegananfänger erhalten einen kompakten, gut verständlichen und dennoch vollständigen Überblick über das gesamte Themengebiet. Wer sich schon länger mit einer veganen Lebensweise beschäftigt, findet immerhin leckere Rezepte, und eine Auffrischung des vorhandenen Wissens kann ja auch nicht schaden.

Das Buch hat 199 Seiten und kostet 16,99 Euro. Bei Mausflaus findet ihr eine weitere Rezension mit mehr Bildern.

Der Autor


Patrick Bolk lebt in Berlin, ist Mitinitiator der Webseite „Deutschland is(s)t vegan“ und hat letztes Jahr das Buch "Ab heute vegan" * herausgegeben.


*Affiliate Link

Kommentare:

  1. Hallo Carola,
    das klingt nach einem absolut lesenswerten Buch. Ich brauche dringend mehr vegane Motivation, in letzter Zeit bin ich wieder recht bequem geworden. Kannst du noch andere Bücher empfehlen, in denen es speziell auch um das "Warum" geht?
    LG
    Elisabeth

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    1. Hallo Elisabeth,
      da kann ich leider nicht weiterhelfen :( Generell finde ich Bücher inspirierend, in denen es um Leute geht, die versuchen, das Richtige zu tun. Im Bereich Umwelt ist "No Impact Man" so ein Fall (hier kann ich den Film dazu auch sehr empfehlen). Mir tut es immer gut, zu lesen, dass andere sich für ihre Ideale einsetzen. Bei veganer Motivationsliteratur bin ich aber schlichtweg zu unbelesen, es gibt bestimmt das ein oder andere Buch. Wenn es nur um die harten Fakten geht, ist aber "Tiere essen" sicher gut. Da wird man sich noch mal klar, warum man das eigentlich macht. Im Bereich Film ist "Earthlings" irgendwie gut, aber auch irgendwie sehr schockierend. Alleine würde ich den nicht gucken. Der neue Film von Marc Pierschel, "Live and let live", den ich neulich hier rezensiert habe, kann ich aber absolut empfehlen.
      Liebe Grüße
      Carola

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    2. Hallo Carola, danke für deine Antworten! "No Impact Man" klingt sehr interessant! "Tiere essen" hab ich gelesen und fand es sehr gut, über "Earthlings" trau ich mich nicht so recht drüber :-O Aber wäre wohl hilfreich bei fehlender Motivation...
      Mich inspiriert es auch am meisten, wenn ich sehe, was andere tun und was alles möglich ist. Und wenn mir jemand anderer seine Beweggründe erklärt fällt es mir auch leichter, mich wieder an meine zu erinnern :-)
      "Live and let live" hab ich grad im ITunes Store zum Verleih gefunden, juhu :-) Bin grad krank zuhause, ich denk den schau ich mir heute an!
      LG
      Elisabeth

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  2. Danke für Deinen Tipp, das Buch finde ich auch sehr umfassend und interessant. Bisher habe ich allerdings zu wenig davon nachgemacht, allerdings bestimmt einiges als Inspiration in meinen Kopf übernommen, und vor allem die Informationen am Anfang der Kapitel fand ich sehr gut, auch für andere, für den Einstieg.

    Ziemlich abgewandelt habe ich gestern ein Dessert verbloggt, sein Lebkuchen-Pannacotta und dabei auf Deine Rezension verlinkt. Hoffe, das ist okay.

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