Mittwoch, 3. September 2014

Lust, einen veganen Kochkurs zu geben? Dann los!

Ich bin mir sicher: Ich bin nicht die Einzige, die lange davon geträumt hat, vegane Kochkurse anzubieten. Immerhin lernt man über die Jahre doch das ein oder andere, das man gern weitergeben würde, und zumindest in der veganen Bloggerszene ist ein gewisses Sendungsbewusstsein nicht zu bestreiten. No offence! Ich nehme mich da selbst nicht aus, sondern beobachte das Ganze mit einem gewissen Schmunzeln.

Jedenfalls: Falls ihr euch auch schon mal überlegt habt, einen veganen Kochkurs anzubieten, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um das in Angriff zu nehmen. Am einfachsten fand ich nämlich den Weg über die Volkshochschulen. Da muss man sich selbst um nichts kümmern außer um den Kursinhalt, denn sie übernehmen die Suche von Räumen, die Werbung und die Anmeldungsformalitäten. Perfekt für den Anfang. Und die Volkshochschulen suchen genau jetzt nach Kursleitern für das erste Semester 2015.

Brauche ich nicht eine besondere Qualifikation?


Mh, nein. Ich habe zwar Ökotrophologie studiert, aber Jutta und Cat zum Beispiel haben keine ernährungsbezogene Ausbildung (zumindest nicht, soweit ich das erkennen kann) und geben trotzdem sehr erfolgreich Kurse. Ein bisschen Erfahrung mit dem veganen Leben solltet ihr aber schon haben, um auf Fragen der Teilnehmer eine Antwort parat zu haben. Wenn ihr erst vier Wochen vegan lebt und selbst noch nie Seitan probiert habt, ist es vielleicht etwas zu früh für einen veganen Kochkurs. Umgekehrt müsst ihr natürlich nicht alles wissen. In meine Kurse kamen Teilnehmer mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen, die immer auch von ihren gegenseitigen Erfahrungen profitieren konnten. Es ist auch nicht unbedingt nötig, Veganer zu sein. Viele Teilnehmer sind das ebenfalls nicht. Oh, und falls ihr irgendwelche pädagogischen Vorkenntnisse habt, schadet das natürlich nicht.

Ihr solltet allerdings prüfen, ob ihr eine ganz andere Voraussetzung mitbringt: ein Auto oder eine andere Möglichkeit, alle benötigten Sachen an Ort und Stelle zu schaffen. Mein Mann und ich fahren einen Minivan, und es war eigentlich bei jedem Kurs nötig, die Sitze umzulegen, um alles mitnehmen zu können: Zutaten, Werkzeug, Getränke, Bücher zum Anschauen. Mehr dazu unten. Aber vielleicht habt ihr auch eine toll ausgestattete Küche, verzichtet auf Anschauungsmaterial und bittet die Teilnehmer, ihre Getränke selbst mitzubringen. Ein Weg findet sich bestimmt.

Kursthema


Zuallererst solltet ihr euch ein Kursthema überlegen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass thematisch allgemein gehaltene Kurse ("Vegan kochen und backen") deutlich besser besucht waren als Spezialkurse ("Vegane Weihnachtsbäckerei", "Kochen und backen mit Seitan und Tofu"). Natürlich hängt das aber auch immer ein wenig von eurem Ort ab: In einer Studentenstadt kommt auch ein veganer Backkurs zustande, auf dem Land vermutlich eher nicht. Und eventuell werden an eurer Volkshochschule auch bereits Kurse angeboten, dann müsst ihr sowieso mal schauen.

Kursdauer


Die Kursdauer ist nicht nur von euch, sondern auch von eurem Kursthema und von der jeweiligen Volkshochschule und den dortigen Gepflogenheiten abhängig. Einen Kurs, der auf weniger als drei Stunden angelegt ist, würde ich nicht anbieten, aber die Zeit reicht für einige Hauptgerichte und kleinere Backwaren. Wenn ihr mehr backen wollt, eine Hefeteig zubereitet oder auch aufwändigere Rezepte mit Kühlzeit auf der Liste habt, bietet sich ein Wochenendkurs an.

Budget für Lebensmittel


Üblicherweise bezahlen die Teilnehmer die Kursgebühr bei der vhs, und die Lebensmittel werden vom Kursleiter gekauft und direkt mit den Teilnehmern abgerechnet. Oft steht es schon in der Kursbeschreibung im Programmheft. Einflussfaktoren auf das Budget sind:
  • Die Kursdauer. Logisch.
  • Die Teilnehmerzahl. Es macht einen Unterschied, ob ihr die Flasche Öl auf 6 oder 12 Personen  umlegt. Plant nicht zu knapp, sondern lieber mit einer Person weniger, weil manchmal Teilnehmer nicht auftauchen. Einige Volkshochschulen sind hier kursleiterfreundlich, sodass auch diese Teilnehmer ihren Teil an den Lebensmittelkosten tragen müssen, aber das wird nicht überall so gehandhabt, sodass am Ende entweder die anwesenden Teilnehmer draufzahlen oder ihr auf den Kosten sitzen bleibt. Aus diesem Grund habe ich in der Regel nur Zutaten verwendet, die ich im Notfall auch selbst hätte aufbrauchen können.
  • Bio-/Fairtrade-Lebensmittel. Vielen Veganern sind biologisch erzeugte und fair gehandelte Lebensmittel wichtig. Dem habe ich versucht, Rechnung zu tragen, was natürlich die Kosten erhöht hat. Allerdings fände ich selbst einen Kochkurs, in dem nur die billigsten Zutaten verwendet werden, irgendwie komisch. 
  • Die Zahl der Kurse, die ihr gebt. Das macht sich z. B. bei den Kosten für Gewürze bemerkbar, von denen man viele verschiedene, aber jeweils nur geringe Mengen braucht. Hier habe ich gespart, indem ich pro Kurs 5 Euro insgesamt für Gewürze veranschlagt und meine Gewürzsammlung dann für alle Kurse genutzt habe. Gewürze, die nur für einen Kurs nötig waren, habe ich komplett auf die Teilnehmer umgelegt und einzelne Zutaten auch aus meiner eigenen Küche beigesteuert (z. B. wenn nur ein TL Agavendicksaft benötigt wurde). Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass es die Vorbereitung enorm vereinfacht, wenn man ansonsten alle Lebensmittel nur für den jeweiligen Kurs kauft und Reste dann den Teilnehmern mitgibt. Der Rechenaufwand wird sonst riesig.
Hinzu kommen natürlich auch noch Druckkosten und ggf. Kosten für Getränke. Die Reste der bezahlten Lebensmittel nehmen die Teilnehmer selbstverständlich mit!

Versucht, das Budget unbedingt einzuhalten, und passt ggf. die Rezepte entsprechend an. Ich habe immer mit 12 Euro für einen dreistündigen Abendkurs mit ca. 10 Teilnehmern gerechnet, und das hat in der Regel gut gepasst. Im Zweifel würde ich das Budget in der Kursbeschreibung etwas höher ansetzen. Wenn die Teilnehmer am Ende weniger zahlen müssen, werden sie sich sicher nicht beschweren.

Was ist mit Lebensmittelallergien?


Werdet euch darüber klar, ob Teilnehmer mit Lebensmittelallergien willkommen sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Teilnehmer gefreut haben, dass endlich auch mal ein Kurs für sie angeboten wurde. Ihr solltet euch aber sicher fühlen im Umgang mit Lebensmittelallergien. Glutenfreiheit kann z. B. einige Stolperfallen beinhalten. Und natürlich sollten euch die Allergien vorher mitgeteilt werden, sodass ihr eure Rezepte entsprechend anpassen könnt. Nicht zu unterschätzen ist ggf. auch der zusätzliche Vorbereitungsaufwand (andere Rezepte ausprobieren, besondere Zutaten kaufen...).

Wie komme ich an eine Volkshochschule?


Schaut einfach mal auf der Webseite eurer örtlichen vhs vorbei. Einige bieten besondere Infos für neue Kursleiter, evtl. mit Bewerbungsbogen, bei anderen muss man anrufen oder eine E-Mail schicken. Ansprechpartner findet ihr entweder im allgemeinen Sekretariat, oder ihr wendet euch direkt an die zuständigen Fachbereichsleiter.

Der erste Kurs: Niemand ist perfekt.


Stellt an euch selbst nicht zu hohe Anforderungen. Es kann gut sein, dass eure ersten Kurse an der ein oder anderen Stelle etwas chaotisch laufen. Jeder hat mal klein angefangen. Ich habe dennoch einige Tipps für euch zusammengetragen, damit ihr einige Fehler vermeiden könnt, die ich (gerne auch mehrfach!) gemacht habe.

Anzahl der Rezepte


Ich habe in meinen ersten Kursen dazu tendiert, viel zu viele Rezepte vorzubereiten. Für einen dreistündigen Kurs ist ein Rezept pro Person eine gute Richtschnur; wenn nur drei Zutaten zusammen zu pürieren sind, kann man natürlich auch etwas mehr planen. Das mag auf den ersten Blick wenig scheinen, aber ihr dürft Folgendes nicht vergessen:
  • Nicht alle Teilnehmer sind im Kochen und Backen so geübt wie ihr. Oft sind auch Anfänger dabei.
  • Die Teilnehmer kennen die Rezepte nicht und wissen nicht, wie man sie effizient abarbeitet.
  • In meinen Kursen arbeiten die Teilnehmer in Kleingruppen zusammen. Das sorgt für Reibungsverluste.
  • Die Teilnehmer müssen sich in der Küche erst zurechtfinden und die Materialien zusammensuchen.
  • Bei längeren Kursen sieht es am Anfang oft so aus, als würden die Rezepte nicht reichen. Die Motivation lässt aber mit der Zeit nach, und alles geht langsamer. Einige Teilnehmer klinken sich auch komplett aus.
  • Bei einem dreistündigen Kurs bleiben im Endeffekt 90 Minuten Zeit zum Kochen. Das ist nicht viel!
Wenn euch mit einer so geringen Zahl an Rezepten unwohl ist, könnt ihr immer auch noch ein oder zwei Backups einplanen, z. B. einfache Aufstriche mit günstigen Zutaten.

Auswahl der Rezepte


Wählt Rezepte aus, die unterschiedliche Zutaten haben und eine weite Bandbreite der veganen Ernährung zeigen. Verschätzt euch nicht mit Zubereitungs-, Kühl- und Backzeiten und wählt Rezepte mit unterschiedlichen Zubereitungszeiten aus, die ihr auch in der passenden Reihenfolge an die Teilnehmern ausgebt, also z. B. die Mousse au chocolat, die eine halbe Stunde gekühlt werden muss, und das Kartoffelgratin zuerst und den Aufstrich, der nur püriert wird, kurz vor dem Essen.

Generell solltet ihr nur von euch erprobte Rezepte verwenden, die ihr idealerweise schon mehrmals zubereitet habt, sodass ihr Tricks und Stolperfallen kennt. Alles andere ist ein Spiel mit dem Feuer.

Überlegt euch außerdem, ob ihr Menüs nachkochen lassen wollt oder ob ihr ein buntes Buffet als Endergebnis haben möchtet und ob alle Teilnehmer dasselbe kochen sollen oder jede Gruppe etwas anderes (was ich persönlich für die Vielfalt schöner finde, aber das ist natürlich Geschmackssache).

Wenn ihr unbedingt ein Rezept nachkochen lassen wollt, das zeitliche Schwierigkeiten verursachen würde, könnt ihr euch auch (im Rahmen eures Budgets natürlich) überlegen, ob ihr etwas vorbereiten könnt. Ich habe z. B. immer Seitan selbst zubereiten lassen, bin aufgrund der langen Kochzeit von 90 Minuten aber dazu übergegangen, den Seitan für das Seitangulasch, das am Ende auf dem Buffet stehen sollte, nach demselben Rezept zu Hause zuzubereiten und mitzubringen.

Und generell gilt: Freundlich bleiben, auch wenn jemand langsam ist! Eine schlechte Zeitplanung ist immer eure Schuld und nie die der Teilnehmer.

Formulierung und Layout der Rezepte


Nicht zu unterschätzen ist die Herausforderung, die Rezepte klar und eindeutig zu formulieren. Was euch logisch scheint, kann von anderen ganz anders interpretiert werden. Glaubt mir, ich spreche aus leidvoller Erfahrung... Man kann nicht alle Fehler vorhersehen, aber Sorgfalt hilft.

Generell bietet es sich an, Zutaten- und Rezeptteil zu trennen. Hier seht ihr ein Layoutbeispiel:


Ich habe es mir übrigens angewöhnt, die Rezepte einmal im DIN-A5-Format für die Teilnehmer auszudrucken (also jeweils zwei Seiten auf ein DIN-A4-Blatt, Vorder- und Rückseite bedruckt, um Druckkosten zu sparen) und einmal im DIN-A4-Format für die Küche. Die Rezepte für die Küche stecke habe ich außerdem in Klarsichthüllen, sodass auch Fettspritzer nichts ausmachen.

Zeitplanung


Ich hatte es schon angedeutet: Plant nicht zu viel Zeit zum Kochen, sondern auf jeden Fall genug Zeit zum Essen und Aufräumen ein. Ein dreistündiger Abendkurs sieht bei mir z. B. so aus:

18.00 Uhr Offizieller Beginn.
18.05 Uhr Ich fange an.
18.10 Uhr Der letzte Teilnehmer kommt, ich wiederhole einiges.
18.30 Uhr Wir beginnen mit dem Kochen.
19.45 Uhr Aufbau des Buffets
20.00 Uhr Das Essen beginnt.
20.15 Uhr Die letzten Gerichte sind fertig.
20.30 -20.45 Uhr Beginn Aufräumen

Achtet darauf, mit dem offiziellen Teil nicht zu überziehen, auch wenn es euch nichts ausmachen würde. Entweder steht euch sonst der Hausmeister auf den Füßen, weil er abschließen und Feierabend haben will (in diesen Fällen achte ich sehr darauf, pünktlich fertig zu sein), oder aber einige Teilnehmer kommen in Schwierigkeiten, weil sie z. B. mit dem Bus gekommen sind, sich aholen lassen oder noch einen weiteren Termin haben. Ihr macht sonst keinen sehr professionellen Eindruck. Natürlich spricht nichts dagegen, sich noch mit Teilnehmern zu unterhalten, wenn der Kurs schon vorbei ist und ihr einen eigenen Schlüssel habt! Ihr solltet nur nicht von vornherein davon ausgehen, dass das möglich ist.

Ausstattung der Küche


Wenn es möglich ist, vereinbart auf jeden Fall vorher einen Termin, um euch die Küche anzuschauen. Mögliche Punkte, die es zu klären gilt (nicht vollständig):
  • Wie viele Kochnischen und Herde/Öfen gibt es?
  • Wie funktionieren die Öfen, wie das Licht und die Lüftung, wie die Warmwasserversorgung?
  • Stehen Kühlschrank und Gefrierschrank zu Verfügung?
  • Gibt es genug Waagen? 
  • Sind bestimmte Dinge, die ihr braucht (Pürierstab, kleine Kuchenform, Muffinform...) vorhanden?
  • Gibt es Geschirrtücher, Spülmittel und Spülschwämme?
  • Wo sind die Toiletten?
  • Wie wird der Müll entsorgt?
Ich habe im Laufe der Zeit einen Wäschekorb mit Dingen zusammengestellt, die in vielen Küchen gefehlt haben. Auszug: Pürierstab, Schmelztöpfchen für Schokolade, Gläser zum Kochen von Seitan, Muffinform, Messbecher, Backpapier, Stricknadel für die Garprobe, Geschirrtücher, Spülmittel, gelbe Säcke. Vieles hängt natürlich auch von euren Rezepten ab.

Service für die Teilnehmer


Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, die Kurse für die Teilnehmer so angenehm wie möglich zu gestalten. Übertreibt es nicht mit dem Aufwand und stresst euch nicht zu sehr. Einiges macht aber wenig Arbeit und erzielt einen großen Effekt:

Es sollte selbstverständlich sein, dass ihr darauf achtet, dass alle Zutaten streng vegan sind, auch wenn ihr das evtl. selbst nicht so eng seht. Auf Spuren von Milchprodukten, die enthalten sein können, achte ich nicht und hatte damit auch noch nie Schwierigkeiten, aber z. B. bei Säften, Wein, Essig, Senf und Baguette solltet ihr sicher sein, dass es wirklich vegan ist.

Was in meinen Kursen immer gut ankam, war ein Tisch mit veganen Kochbüchern zum Anschauen. Dafür habe ich einfach mein Kochbuchregal ausgeräumt und mitgenommen. Hilft außerdem beim Überbrücken von kleinen Pausen.

Sehr hilfreich ist es, wenn Dosen (z. B. alte Eisbehälter), Gläser, Pappteller, Gefrierbeutel und Frischhaltefolie zum Mitnehmen von Resten mitbringt. Hilfreich sind auch GUmmiringe, mit denen die Teilnehmer angebrochene Packungen verschließen können, sodass sie leichterzu transportieren sind.

Ein hübsch gestalteter Tisch macht viel aus. Hier könnt ihr mit einer Kiste Wasser und ein paar bunten Servietten viel erreichen.

Beispielhafter Kursablauf


Es gibt nicht den einen und richtigen Weg, wie ein Kochkurs abzulaufen hat! Wichtig ist vor allem, dass ihr euch mit eurem Konzept wohlfühlt. Ihr könntet z. B. einfach ein paar Kochkurse besuchen, um zu schauen, was andere Kursleiter so machen. Ich habe dort auf meine Fragen immer nette Antworten und viele wertvolle Tipps bekommen. Ich persönlich gestalte meine Kurse so:

Spätestens eine halbe Stunde vor Kursbeginn bin ich vor Ort, um Zutaten und Arbeitsmittel auszubreiten, Getränke auf den Tisch zu stellen, Kochbücher auszulegen und mich zu sortieren, also z. B. die Teilnehmerliste zurechtzulegen.

Zu Beginn des Kurses stelle ich mich kurz vor mit Ausbildung, Beruf und Ernährungsweise. Ich frage, ob wir uns untereinander duzen wollen (das ist nicht immer der richtige Weg!) und lasse dann Kreppband und Edding für Namensschilder herumgehen. Dann folgt eine kurze Vorstellungsrunde der Teilnehmer: Wie heißen sie, wie ernähren sie sich, was führt sie her? Das ist nicht nur für mich, sondern auch für die anderen interessant.

Anschließend erkläre ich, was in der Küche zu beachten ist (wo stehen die Zutaten, wo sind die Toiletten...), erzähle, wie ich mir den Kursablauf vorgestellt habe, und gehe anschließend die Rezepte durch. Dabei weise ich auf Besonderheiten bei der Zubereitung hin und nutze die Gelegenheit, um Zutaten, die für die vegane Ernährung besonders sind (Glutenpulver, Hefeflocken) kurz hochzuhalten und vorzustellen. Dabei entstehen oft schon die ersten Gespräche.

Nach der Einführung geht es mit dem Kochen los. Nach ca. 90 Minuten ist bei kurzen Kursen die Kochphase zu Ende. Bei längeren Kursen sind dann die ersten Gerichte fertig, und es gibt eine kurze Pause. Während des Kochens gehe ich umher, beantworte Fragen, gebe Tipps und korrigiere auch, falls nötig.

Die Teilnehmer sind nie alle gleichzeitig mit dem Kochen fertig. Das macht aber nichts; wer fertig ist, kann spülen, anderen helfen oder schon einmal anfangen, das Buffet aufzubauen. Ich ermuntere die Teilnehmer, ihre Gerichte in Schüsseln oder auf Platten und Tellern appetitlich anzurichten. Das fertige Buffet versehe ich mit kleinen Schildern.

Nach dem Essen ist noch Zeit zum Aufräumen. Die Teilnehmer nehmen Reste vom Buffet und die übrig gebliebenen Zutaten mit und bezahlen die Lebensmittel. Währenddessen räume ich ebenfalls meine Sachen zusammen. Hier geht gerne mal etwas vergessen, weil die Teilnehmer es in die Küchenschränke einsortieren. Meiner Lieblingsauflaufform trauere ich immer noch hinterher. Also Obacht!

Achtung, Achtung: Zum Geldverdienen eignen sich vegane Kochkurse an der Volkshochschule nur bedingt. 


Zwar habe ich ungefähr 24 Euro pro Zeitstunde bekommen (die genauen Honorare schwanken ein wenig), aber das war dann auch nur für die Kurszeit selbst, also z. B. 72 Euro für einen Kurs von 18 bis 21 Uhr. Da ist dann weder die Vorbereitungszeit eingerechnet (Rezepte zusammenstellen, einkaufen, Zeug zusammenpacken, anfahren...) noch die Nachbereitung (nach Hause fahren, alles wieder ausladen...). Im Endeffekt ist der Stundenlohn dadurch sehr niedrig, es sei denn, ihr bietet einen Kurs mehrfach an und/oder seid unheimlich schnell mit der Vorbereitung. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls gerechtfertigt, dass das Honorar bis zu einer bestimmten Höhe im Jahr steuerfrei unter die Übungsleiterpauschale fällt.

Alternativen zur Volkshochschule


Meinen ersten Kurs habe ich übrigens selbst nicht an der vhs gegeben, sondern in dem Weltladen, in dem ich ehrenamtlich tätig war. Vielleicht ist das für euch auch eine Option?



Ich hoffe sehr, dass ich mit diesem Beitrag den ein oder anderen ermuntern konnte, selbst einen veganen Kochkurs zu geben. Ich finde ein entsprechendes flächendeckendes Angebot sehr wichtig, und zwar auch zu Volkshochschulpreisen und damit für alle halbwegs erschwinglich.

Falls ihr selbst schon Kurse gegeben habt, freue ich mich über eure Kommentare und Ergänzungen! Fragen sind natürlich ebenfalls herzlich willkommen, gerne auch per Mail.

Kommentare:

  1. Danke Carola für den Post!

    Habe ihn jetzt nur überflogen, aber echt interessant! Ist eine gute alternative zu den direkten aktionen wie Kundgebungen und dergleichen.

    Mal sehen, ob ich sowas mal umsetzen, falls hier in der Provinz das Thema so gut ankommt. Habe zwar mal nen zeitungsartikel letztens mit dir gesehen, aber so aussagekräftig über das Interesse war es leider nicht.

    Grüßle
    Mephi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Mephi,
      über mangelndes Interesse konnte ich mich bisher bei den allgemein gehaltenen Kursen nicht beschweren :)
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  2. Eine Frage, wie bekommst du mit einer Kiste Wasser ?? einen hübsch gestalteten Tisch hin ;) ???
    aber ansonsten cooler artikel hab selbst schon mal einen VHS Kochkurs besucht, selber machen werd ich wohl aber keinen, ich denke auch, dass wenn man das gut machen will der Aufwand enorm ist! Respekt vor allen die das mit Begeisterung machen!
    lg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, ein paar Servietten auf den Tisch, Wasser und Gläser drauf und fertig :) Ist jetzt nicht mit einem wirklichen Tischschmuck zu vergleichen, macht aber eine Schulküche gleich deutlich gemütlicher.
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  3. Liebe Carola,
    vielen Dank für Deine Mühe und diesen sehr ausführlichen Artikel - es ist toll, mal so einen detaillierten Einblick zu bekommen :-) Ich werde ihn mir auf jeden Fall bookmarken und ggf. bestimmt das eine oder andere für mich nutzen können!
    Viele Grüße*

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Heldin,
      freut mich, dass du was mitnehmen konntest. Viel Spaß :)
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  4. Hallo Carola,
    was für eine Mühe Du Dir mal wieder gegeben hat. Ich habe bereits einige vegane VHS-Kurse besucht und kann die Abläufe, die Du beschrieben hast 1:1 wieder erkennen. MIt einem gelernten Koch bereiteten wir veganes Sushi zu. Der Kurs war wirklich top, weil er als Koch wirklich professionell den vollen Durchblick hatte, da hat von der Zeit bis zu den Zutaten alles gestimmt. Eine Dozentin hatte ich zweimal, die scheint Deine Beschreibung gekannt zu haben, ich konnte ihren Ablauf voll in Deinem Bericht wiedererkennen. Und eine weitere Dozentin wiederum machte vieles falsch, vor dem Du gewarnt hast: zu viele Rezepte, kein Konzept über den Ablauf, wir lagen weit über der Zeit, konnten kaum essen und der Pförtner war sehr sauer. Auch wenn ich sicher keine Kurse geben werde, da wir hier in Berlin ein paradiesisches Angebot von guten Kursen haben, halte ich Deine Anleitung für sehr gut umsetzbar. Vielen Dank Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Andrea,
      danke für das Kompliment :)
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  5. Liebe Carola bin sehr imponiert von dein Artikel. Fuer Anfaenger eine echte Hilfe! Und danke dass wir, CatandJu erwahnt worden sind! Einfach gut! Best, Cat

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Cat,
      ihr seid ja auch ein Paradebeispiel für Erfolg bei solchen Kursen :)
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  6. Liebe Carola,

    ganz ganz vielen Dank für diese tollen, ausführlichen uns sehr praktischen Guide zum Durchführen von Kochkursen, der für mich sehr hilfreich war. Ich habe mich wirklich schon öfter gefragt, wie man überhaupt an die VHS kommt und bin nun deutlich schlauer. Für das kommende Kurshalbjahr kommt es leider zwar nicht infrage, da ich durch meinen zeitnahen Studienabschluss womöglich genau zu diesem Zeitpunkt umziehen muss, aber früher oder später könnte ich mir die Leitung eines Kochkurses sehr gut vorstellen!

    Alles Liebe
    Natalie

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Natalie,
      dann schon mal viel Spaß beim Kurs :) Vielleicht hast du ja dann Lust, deine Erfahrungen hier zu teilen.
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  7. Ich finde dein Engagement so großartig, Carola! Alles, was man grundsätzlich zum Thema Kochkurse wissen sollte, in ein handliches Post gepackt - fertig. Ich bewundere das. Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  8. Wow, Danke für die tolle Zusammenstellung. Habe ich mir gleich ausgedruckt :)

    AntwortenLöschen
  9. Danke für deinen Artikel, ich gebe selbst Kochkurse an der VHS. Ich war sehr überrascht als ich las dass dein Ablauf fast identisch wie meiner ist, das beruhigt mich und zeugt mir dass ich meinem Gefühl vertrauen kann :-) Zur Zeit überlege ich Kochkurse auch außerhalb der VHS zu geben, hast du vielleicht Tips für mich wo man noch Kurse geben kann damit ich mehr Gels daran verdiene?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Huhu! Tut mir leid, dass ich jetzt erst antworte. Ich habe außer an der VHS auch schon Kurse für die örtlichen Weltläden, eine Familienbildungsstätte und einen Hausfrauenverein gegeben. Die meisten Kontakte haben sich informell ergeben, außer bei der VHS habe ich nirgendwo angefragt. Vielleicht könntest du schauen, dass mal in der Zeitung über einen Kurs von dir berichtet wird? Es wäre sicher auch gut, wenn man dich mit "veganer Kochkurs [dein Wohnort]" bei Google finden könnte.
      Liebe Grüße
      Carola

      Löschen
  10. Hallo Carola, ich gebe seit einiger Zeit Kochkurse an der VHS und in Kitas.Oft hatte ich ein Problem mit dem Zeitmanagement- Gut, daß der Hausmeister fünfe gerade sein lässt! Dein Artikel hat mir sehr geholfen!! Meine Kulinarische Weltreise morgen wird pünktlich enden...

    AntwortenLöschen