Mittwoch, 2. Juli 2014

Ganz großes Kino: "Live and let live" von Marc Pierschel

Wenn man mich fragt, ob ich irgendwas rezensieren mag, dann sage ich normalerweise nicht nein. So komme ich zu der ein oder anderen Erfahrung, die ich sonst aus Lethargie oder schlicht Geiz heraus nicht gemacht hätte - und das gilt insbesondere für diesen Film. Zum Fernsehen bin ich normalerweise viel zu unruhig und schauen bestenfalls mal ein oder zwei Folgen "Big Bang Theory", einen Zeichentrickfilm oder ein paar Clips von "Upps, die Pannenshow" (ich liebe die Tiervideos!), bevor es mich schon wieder von der Couch zieht.

"Live and let live" hätte dementsprechend meine Aufmerksamkeit überhaupt nicht auf sich gezogen, wenn Marc Pierschel mir nicht ein Rezensionsexemplar geschickt hätte. Es hat dann auch einige Zeit gedauert, bis ich mich hingesetzt hatte und ihn anschauen wollte, aber am Samstag war das Wetter so regnerisch, dass sich das regelrecht angeboten hat. Weiteres Plus: Sebastian hatte ebenfalls Zeit und hat mir Gesellschaft geleistet.

Das Fazit direkt am Anfang: Uns beiden hat der Film sehr gut gefallen. Mit 80 Minuten ist er nicht zu lang, sondern schön kurzweilig, aber dennoch lang genug, um alle wichtigen Aspekte unterzubringen. Hier könnt ihr euch den Trailer anschauen:


Der Film besteht komplett aus Interviews: mit VeganerInnen, mit Tierrechtlern, mit Wissenschaftlern, die sich auf philosophischer oder ernährungswissenschaftlicher Ebene mit Veganismus auseinandersetzen, mit den Inhabern von Hof Butenland, einem veganen Profisportler, einem veganen Koch und mit einer Vielzahl von anderen Personen, die etwas Interessantes zum Thema beizutragen haben. Normalerweise mag ich es lieber, wenn Dokumentationen kommentiert sind, aber ich war positiv überrascht, wie gut der Zusammenschnitt der Interviews die komplette Bandbreite an veganen Themen (persönliche Gründe, Gesundheit, ethische Aspekte...) abdeckt. Sehr gut gemacht. Teilweise sind die Interviews mit Filmen/Bildern unterlegt, die zum Thema passen, z. B. mit Recherchefilmen von Tierbefreiern.

Allerdings waren Sebastian und ich uns einig, dass wir den Film nicht einsetzen würden, um Leute zu überzeugen, die sich noch gar keine Gedanken zum veganen Leben gemacht haben. Ein kleiner Grundstock an Wissen sollte schon vorhanden sein. Es schaut wohl auch niemand völlig unbedarft einen veganen Film, von daher passt das schon so.

Kleiner Kritikpunkt: In den Interviews wurde mehrfach betont, dass eine vegane Ernährung bei richtiger Durchführung völlig bedarfsdeckend sei. Kein Wort von der empfohlenen Supplementation von Vitamin B12, was ich persönlich schade bis kritisch finde.

Mein persönliches Schmankerl war dafür die Aussage einer Interviewpartnerin kurz vor Schluss, dass eine vegane Ernährung, die nur Wert auf Tierleidfreiheit, aber keinen Wert auf Menschenleidfreiheit legt (Stichwort Kakaosklaven in Westafrika), inkonsequent sei. Aaaah. Herrlich.

Auch bei der Produktion der Verpackung wurde Wert auf Nachhaltigkeit gelegt: So wurde kein Plastik verwendet (außer für die Folie, die alles umhüllt), sondern recycelte Pappe. Erhältlich ist der Film in deutscher und englischer Sprache, Untertitel sind in weiteren Sprachen verfügbar. Zu bestellen z. B. über die Webseite, aber auch bei Amazon etc.

Ich kann den Film also nur empfehlen; sei es, um noch einige neue Blickwinkel auf den Veganismus kennenzulernen oder die eigene Motivation mal wieder etwas aufzufrischen.

Kommentare:

  1. Hi Carola!

    Ich habe ihn heute bestellt. Ich bin echt gespannt drauf!

    Grüßle
    Mephi von tofutopia.blogspot.de

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  2. Klingt sehr interessant und ist sicherlich auch ein großer Ansporn um vom Vegetarier zum Veganer umzuplanen :)

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