Donnerstag, 1. Mai 2014

{Rezension} "Vegan fasten" von Elisabeth Fischer


Vegane Kochbücher gibt es mittlerweile wie Sand am Meer, und da konnten die veganen Abnehmbücher natürlich nicht lange auf sich warten lassen! Von „Vegan fasten*“ von Elisabeth Fischer habe ich das erste Mal bei fraujupiter gelesen, und der Kneipp-Verlag war so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen. Herzlichen Dank dafür!

Worum geht's?


Elisabeth Fischer stellt in „Vegan fasten“ ihr Konzept ein 7- bis 14-tägiges veganes Basenfasten vor. Täglich gibt es 900 kcal zu essen, und zwar morgens in Form eines Breies oder Smoothies, mittags als Kartoffeln mit Gemüse und Fastensalat und abends als Gemüsesuppe. Zur Auswahl steht eine Vielzahl von Rezepten mit den unterschiedlichsten Zutaten.

Das Hardcoverbuch kommt hübsch und hochwertig daher, es liegt gut in der Hand und es macht Spaß, darin herumzublättern. Nicht zu allen Rezepten gibt es Bilder, aber die, die es gibt, sind sehr appetitlich. Der Rezeptteil ist in die verschiedenen Mahlzeiten aufgeteilt. Dabei sind auch Rezepte für Smoothies und Süßspeisen, die nicht zum Fastenprogramm gehören. Das hat mich im ersten Moment ein wenig verwirrt, ist aber vermutlich dazu gedacht, auch Mischköstler für eine vegane(re) Ernährungsweise zu gewinnen. An diese richtet sich das Buch nämlich ausdrücklich, wie im einem Vorwort und in der Einführung in die vegane und die basenreiche Ernährung deutlich wird, mit „Ausgleichstabelle“ für säurehaltige, auch tierische Lebensmittel. Einen Gestaltungsvorschlag für ein oder zwei vegane Fastenwochen gibt es auch.

Meine ganz, ganz große Kritik hier: Natürlich ist es so, dass Veganer für viele Krankheiten ein geringeres Risiko haben als Mischköstler und auch weniger häufig übergewichtig sind. Die Einleitung klingt aber, als sei Veganismus der Garant für ein gesundes Leben, eine Modelfigur und die ewige Jugend. Hm. Und, was mir persönlich echt übel aufgestoßen ist: Wer dauerhaft vegan lebt, „kann“ nicht nur „auf eine Nahrungsergänzung mit Vitamin B12 zurückgreifen“, sondern sollte das auf alle Fälle tun!

Wer sich eine ausführlichere Erläuterung einer veganen Ernährung und des Säure-Basen-Konzepts erhofft, liegt mit diesem Buch übrigens falsch. Die Einführung reicht aus, um die groben Eckpunkte zu erfassen, für Details müsste man aber woanders nachlesen (was ich nicht schlimm finde, ich wollte es nur der Vollständigkeit halber erwähnen).

Und wie schmeckt es?


Kurz gesagt: fantastisch! Ich fand alles ausprobierten Rezepte total lecker. Einiges gab es seit Ende meines Fastenversuches auch noch mal, gerade die Suppen begeistern mich nämlich total und mausern sich mit einer Scheibe Brot zur alltagstauglichen Mahlzeit. Nur von den Dressings war ich nicht überzeugt, hier werde ich bei der fettreicheren Variante bleiben. Für den besseren Eindruck hier ein paar Bilder:


Lauch in Kapernsoße (bei uns ohne Kapern), dazu tomatenwürzige Kartoffelspalten



Ungarische Kohlsuppe – mein absoluter Favorit!



Brei mit Tiefkühlfrüchten


Insgesamt sind viele sommerliche Rezepte enthalten, z. B. mit Spargel und Erdbeeren. Wer nach dieser Anleitung fasten will, sollte sich also vielleicht besser einen Sommermonat aussuchen.

Wie klappt das Fasten?


Selbstverständlich habe ich nicht nur Rezepte, sondern das ganze Fastenprogramm ausprobiert. Man sollte bei einer Rezension ja schließlich wissen, worüber man schreibt! Mir persönlich hat die Essensmenge absolut nicht ausgereicht, und ich hatte dauernd das Gefühl, zu verhungern. Zusätzlich kam ich nicht damit klar, dass nach 18 Uhr nichts mehr gegessen werden sollte, und auch nicht mit dem im Vergleich zu sonst doch etwas erhöhten Kochaufwand bzw. damit, dass nicht alle Gerichte mikrowellentauglich sind.

Dementsprechend habe ich nur einen Tag wirklich regelkonform durchgehalten und nach fünf Tagen endgültig abgebrochen. Ein großer Teil Disziplinlosigkeit war auf jeden Fall dabei, aber ich muss auch sagen, dass ich das Programm für Vollzeitberufstätige, die abends auch noch andere Pläne haben, für absolut ungeeignet halte – trotz des ausdrücklichen Hinweises, dass sich zumindest die Suppen für abends einfrieren lassen. Aber dann bleibt trotzdem die Frage offen, wie ich mir mittags an der Arbeit meine Ofenkartoffeln zubereiten soll. Wer gerade Urlaub hat, tut sich damit aber bestimmt etwas Gutes. Das konnte ich an meinem erfolgreichen Fastentag bemerken, an dem ich mich richtig, richtig gut gefühlt habe, und der Abnehmerfolg stellte sich auch ein.

Bei einem erneuten Versuch würde ich aber dennoch die Portionen deutlich vergrößern. Was daran „reichlich bemessen“ sein soll, ist mir schleierhaft. Nun hatte ich das beim Fasten mit 900 kcal täglich auch nicht erwartet, aber dann sollte es bitte auch nicht versprochen werden. Oder ich bin einfach zu verfressen, das ist natürlich auch eine Erklärung. Von Konzentration an der Arbeit konnte jedenfalls spätestens ab Mittag keine Rede mehr sein.

Was mir außerdem nicht gefallen hat: Meiner Meinung nach ist das Fastenprogramm nicht gut durchdacht. Erstens finde ich es seltsam, dass teilweise vier, teilweise zwei Portionen als Menge angegeben sind. Was soll ich mit einer doppelten Portion, wenn ich das Fasten alleine durchführe? Und zweitens sind die Vorschläge aus dem Wochenplan, was Reste angeht, überhaupt nicht aufeinander abgestimmt. Hier darf man sich dann selbst überlegen, was man mit dem Rest Pflanzensahne anstellt, nachdem man 2 EL abgenommen hat, oder was mit dem restlichen Weißkraut passiert, nachdem 300 g in der Suppe gelandet sind. Da leider ein Zutatenregister fehlt, gerät das Aufbrauchen zur Durchblätterorgie. Für ein fertig ausgearbeitetes Programm hätte ich mir mehr Praxistauglichkeit gewünscht.

Und noch eine Ergänzung von Sebastian, der das Fasten teilweise mitgemacht hat: Als Kohlenhydratbeilage sind ausschließlich Kartoffeln vorgesehen. Was aber, wenn man ungern Kartoffeln isst? Austauchvorschläge wären uns hier sehr willkommen.

Fazit


Das klang jetzt alles so negativ… So ist es aber gar nicht gemeint! Ich war begeistert, als ich die Buchvorstellung von fraujupiter las, ich war begeistert, als ich das Buch in der Post fand, und ich bin auch jetzt noch begeistert und empfehle es bei meinen Kochkursen gerne weiter. Vielleicht nicht unbedingt als Fastenprogramm – am Ende denkt noch jemand, ich wolle ihn verhungern lassen! Aber als Kochbuch für gemüselastige Rezepte, die schnell gemacht sind und lecker schmecken, kann ich es jedem nur ans Herz legen. Den Preis von 17,99 Euro ist es allemal wert.

Infos zur Autorin


Elisabeth Fischer lebt in Wien und hat bereits zahlreiche Bücher zum Themenbereich „gesunde Ernährung“ veröffentlicht.


Weitere Rezensionen von mir gibt es hier.

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Kommentare:

  1. Guten Morgen!
    Ich bin grad zufällig auf Deinen Blog gestoßen und stöber mich gleich mal ein wenig durch. :-)

    Ich habe letzte Woche auch mit Hilfe dieses Buches gefastet, habe aber die gleichen Kritikpunkte wie Du feststellen können. Vor allem, dass die Portionen leider nicht so groß sind wie versprochen (oder gedacht), zwischendurch hatte ich richtig Magenknurren. Klar, Fasten soll ja kein Spaziergang sein, aber spätestens nach 3 Tagen hatte ich Probleme, als ich ins Büro musste. Danach habe ich mich leider auch nicht mehr strikt an das Buch gehalten.

    Da ich früher schon erfolgreich mit einem bekannten Punktesystem abgenommen habe und das Fasten als Wiedereinstieg dafür nutzen wollte, habe ich einfach die Kalorien so ergänzt, dass ich auf meine vollen Punkte gekommen bin und nicht schon nach 1 Tag aufgegeben habe. So werde ich es auch weiter halten. Die Rezepte waren bisher (fast) alle nach meinem Geschmack, das Müsli mit Apfel-Pflaumenmus gibt es jetzt fast täglich zum Frühstück. :-)
    Mein Erfolg ist nach 1 Woche eine Abnahme von über 1 Kilo, ich denke, das ist vollkommen ok, da ich ja am Ende leider nicht mehr so konsequent war.

    Deine Rezension ist auf jeden Fall super! Die, die sich noch nicht sicher sind, ob sie das Vegane Fasten mal ausprobieren sollten, bekommen einen guten Eindruck von dem Buch. Und hätte ich es nicht schon, würde ich es mir trotz der kleinen Abzugspunkte kaufen.

    Liebe Grüße
    Viviane

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    1. Danke für deine Ergänzung :) Freut mich, dass ich nicht alleine das Gefühl hatte, dass die Portionen nicht besonders groß sind ;)
      Liebe Grüße
      Carola

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