Freitag, 25. April 2014

Vegan mit Lebensmittelunverträglichkeiten: Fruktose

Nicht erst, seit ich den Veganismus an den Nagel gehängt habe, weil er für mich eine zu große Einschränkung bedeutete und mein Leben zu sehr dominierte, habe ich mich gefragt, wie es jemand mit einer Lebensmittelunverträglichkeit schafft, vegan zu leben. Bei meinem Selbstversuch im letzten Jahr ging mir z. B. die Glutenfreiheit nach zwei Wochen ganz entsetzlich auf die Nerven, und auch, wenn man darin sicher nach einer Weile besser wird, und ich kann daher jeden, der Veganismus und eine Lebensmittelunverträglichkeit unter einen Hut bekommt, nur bewundern.

Was ich mir auch sehr schwierig vorstelle, ist die Kombination vegan + fruktoseunverträglich – zumindest, wenn ich mir all das Obst anschaue, was ich so esse. Außerdem kann eine Fruktoseunverträglichkeit sich ja auch auf Gemüsesorten und regulären Haushaltszucker erstrecken. Welche Erfahrungen Claudia, 35, hier gemacht hat, könnt ihr im Interview unten nachlesen. Sie bloggt auf "Vom Vegi zum Veganer" und berichtet auf ihrem eigenen Youtube-Kanal über ihren Umgang mit der Fruktoseunverträglichkeit. Bei ihr kommt zusätzlich noch ein Problem mit Histamin dazu.

Ihr Erfahrungsbericht ist der dritte in einer kleinen Reihe von Interviews, in denen Personen mit einer Lebensmittelunverträglichkeit von ihren Erfahrungen mit dem Veganismus berichten. Nicht alle Geschichten gehen dabei „gut“ aus im Sinne von: Es war vereinbar. Aber darum geht es mir auch nicht. Ich möchte vielmehr herausfinden, welche persönlichen Geschichten hinter all dem stecken. Vielleicht interessieren sie euch ja auch. Und wenn ihr denkt, dass ihr selbst etwas zu dieser Reihe beizutragen hättet, freue ich mich, per Mail von euch zu hören.

Wie und wann wurden deine Unverträglichkeiten diagnostiziert?
Vor über 2 Jahren kam heraus, dass ich an Unverträglichkeiten leide, nachdem ich eine lange Leidensgeschichte hinter mir hatte. Mein Hausarzt konnte nicht herausfinden, warum ich so oft Magenschmerzen hatte und Krankheiten nur so anzog. Meine Allergien wurden auch immer stärker und für mich gab es da ja schon immer einen Zusammenhang.

Ich ging mal wieder zu meinem Hausarzt mit der Bitte, dass er was tun soll. Es war eine Zeit, in der ich viel Sport machte und ich mich nach dem besten Gewissen ernährt habe. Nichts, mein Körper wollte nicht abnehmen. Klar, wer an Unverträglichkeiten leidet, hat grundsätzlich Probleme mit seinem Stoffwechsel. Man stopfte mich mit Magenmittel und Schmerztabletten voll und schickte mich heim. Das half nicht viel und ich ging irgendwann zum Gastroenterologen. Ich hatte starke Blähungen bekommen, was für mich eher untypisch war. Kaum 5 min vergingen und der Gastroenterologe schaute mich an und sagte zu mir: "Sie haben eine Fruktoseunverträglichkeit." Ich wusste schon längere Zeit, dass ich auf Laktose reagiere, jetzt aber noch das? Der Test reagierte recht schnell und man brach ihn sogar nach 2 Stunden ab, weil mir so dermaßen schlecht von der getrunkenen Fruktose wurde.

Welche Lebensmittel darfst du daher nicht oder nur eingeschränkt essen?
Ich habe eine Fruktose-/ Laktose-/ Histaminunverträglichkeit. Demnach muss ich bei Laktose aufpassen. Da ich vegan lebe, spielt das eh keine Rolle mehr. Bei der Fruktose ist das ja nicht ganz so leicht, die steckt ja in über 80 % aller Lebensmittel drin. Durch das Nichtessen schadet man dem Körper mehr, als man ihm gut tut. Da ich YouTuberin bin, erzähle ich viel in meinen Videos darüber. Histamin ist da gleich nochmals anders. Die Mastzellen schütten wie bei einer Allergie Histamin bei Lebensmitteln aus, die nicht frisch sind oder einen bestimmten Reifungsprozess haben. Zu verstehen ist eigentlich nur, dass man die Darmschleimhaut aufbauen muss, damit die Unverträglichkeiten nicht mehr so stark zu spüren sind. Daher kann man nicht davon sprechen, was man essen darf und was nicht.

Hast du zum Zeitpunkt der Diagnose schon vegan gelebt oder später erst umgestellt?
Ich war zum Zeitpunkt der Diagnose Vegetarierin mit einer Laktoseunverträglichkeit. Ich stellte schon aus dem Grund meine Ernährung um, weil mir von Milch und Milchprodukten regelmäßig schlecht wurde.

Ich habe mich wegen der Fruktoseunverträglichkeit lange nicht getraut, den Weg zum Veganer zu gehen. Mit der Challenge von Attila Hildmann, die mir leider gar nicht gut tat, entschied ich mich, vegan zu bleiben. Das ist jetzt 1 Jahr und 3 Monate her, kaum zu glauben. Klar steht man als Veganer vor gewissen Schwierigkeiten, wichtig ist aber gerade bei der Fruktoseunverträglichkeit, dass wir nicht vom Obst krank wurden. Der Körper muss durch einen langen Prozess, man bringt ihm sozusagen wieder bei, was er verlernt hat. Da ich nebenher YouTuberin bin, oder sagen wir hauptsächlich, fing ich früh an, Videos zu dem Thema zu machen. Inzwischen hat sich das Ganze zu einer Videoreihe ausgedehnt, in der ich Bücher vorstelle, über die einzelnen Beschwerden spreche und anderen Mut mache. Gerade als unverträglicher Mensch sollte man auf eine vegane selbst gemachte Ernährung umsteigen. Das versuche ich in meinen Videos anderen zu verstehen zu geben.

Wie kannst du die Einschränkungen mit einer veganen Ernährung vereinbaren? Fällt dir das manchmal schwer?
Ich habe in dem Sinn keine Einschränkungen, man muss eben ganz stark auf seinen Körper hören. Ich esse kaum bis gar keine Fertigprodukte mehr, was Sinn macht und was ich aber auch regelmäßig in meinem Videos sage. Selbst kochen ist das A und O, da weiß man dann auch, was drin ist. Wenn man mal über die Strenge schlägt, lässt das der Körper einen zwr schon spüren, man muss halt den Tag danach dann einfach langsam tun.

Wie waren die Reaktionen deines Umfelds darauf, dass du dich zusätzlich durch die vegane Ernährung bei der Lebensmittelauswahl noch weiter eingeschränkt hast?
Dadurch, dass ich 18 Jahre Vegetarierin war, gab‘s für mich da kein Zurück mehr. Demnach blieben da die Reaktionen auch eher verhalten. Dass mein ethischer Aspekt auch noch einen gesundheitlichen Aspekt hatte, verstand meine Familie sehr schnell. Einzelne Freunde finden es faszinierend, was ich treibe und welche Ansichten ich habe. Mein bester Kumpel isst sogar immer wieder veganes Essen und ist da offen. Er würde aber nie umstellen.

Wie sieht es mit dem Essen in Gesellschaft, z. B. außer Haus oder bei Einladungen, aus?
Damit hab ich kein Problem, ich finde es interessant, Menschen vor Herausforderungen zu stellen. Im Restaurant sag ich, was Sache ist, und wenn ich irgendwo eingeladen werde, sage ich, dass ich vegan lebe. Meine Unverträglichkeiten mache ich da nicht zum Thema.

Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, nicht mehr vegan zu essen, oder lässt sich eine vegane Ernährung für dich leicht mit deiner Fruktoseunvertäglichkeit vereinbaren?
Dazu muss man wissen, dass nicht das Obst uns krank gemacht hat, sondern industriell hergestellte Lebensmittel, die zum Teil so viel Fruktose enthalten, dass der Körper nur noch sagen kann: "Nein, ich will das nicht." Den Grundstein legt man sich meist in der Kindheit. Klar, die Darmschleimhaut kann man auch durch andere Dinge beschädigen, so dass Unverträglichkeiten sehr leicht entstehen können. Hauptsächlich ist aber total übersüßte Industrieware das Problem. Fruktose wird eingesetzt, um Lebensmittel, die heruntergekühlt werden, süßer zu machen oder um Backwaren saftiger zu gestalten, da Fruktose viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Durch die vegane Küche und das Wissen, dass man haben muss, lernt der Körper, wieder normal zu funktionieren. Erst gestern habe ich einen Shake aus einer Banane, Himbeeren, einem halben Apfel und Chia-Samen getrunken. Wissen muss man halt, dass man hier nicht noch zusätzlich süßen darf und ob der Körper die enthaltene Fruktosemenge problemlos verwerten kann. Ein Zurück gibt es nicht mehr, eher ein „Immer weiter“. Ich interessiere mich für die 80-10-10 Ernährung [80 % Kohlenhydrate, 10 % Eiweiß, 10 % Fett, überwiegend rohes Obst und Gemüse] und die werde ich irgendwann auch schaffen. Heute ist das allerdings noch nicht möglich, da mein Körper inzwischen zwar viel packt, aber so viel dann halt doch noch nicht.

Wie ernährst du dich derzeit?
Sehr gesund, ich esse viele Chia-Samen, die mir wunderbar helfen und die ich jedem empfehlen kann, der die gleichen Probleme hat. Fruktoseunverträgliche Menschen haben meist einen Zinkmangel, das gehört zum Krankheitsbild dazu, und Chia-Samen bieten Zink mitunter auf eine natürliche Art und Weise. Ich esse kaum bis keine Fertigprodukte mehr, da diese meist mit Zucker und Soja versetzt sind. Ich habe selbst gern in der Hand, was ich esse.

Wenn ihr mehr darüber wissen wollt, wie Claudia ihrem Darm hilft, schaut her:


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