Montag, 10. März 2014

Vegan mit Lebensmittelunverträglichkeiten? - Weizen und Soja

Nicht erst, seit ich den Veganismus an den Nagel gehängt habe, weil er für mich eine zu große Einschränkung bedeutete und mein Leben zu sehr dominierte, habe ich mich gefragt, wie es jemand mit einer Lebensmittelunverträglichkeit schafft, vegan zu leben. Bei meinem Selbstversuch im letzten Jahr ging mir z. B. die Glutenfreiheit nach zwei Wochen ganz entsetzlich auf die Nerven, und auch, wenn man darin sicher nach einer Weile besser wird, und ich kann daher jeden, der Veganismus und Glutenverzicht unter einen Hut bekommt, nur bewundern. 

Ein solches Beispiel ist Jessi von „Be veggie, going vegan“. Ihr Erfahrungsbericht ist der erste in einer kleinen Reihe von Interviews, in denen Personen mit einer Lebensmittelunverträglichkeit von ihren Erfahrungen mit dem Veganismus berichten. Nicht alle Geschichten gehen dabei „gut“ aus im Sinne von: Es war vereinbar. Aber darum geht es mir auch nicht. Ich möchte vielmehr herausfinden, welche persönlichen Geschichten hinter all dem stecken. Vielleicht interessieren sie euch ja auch. Und wenn ihr denkt, dass ihr selbst etwas zu dieser Reihe beizutragen hättet, freue ich mich, per Mail von euch zu hören.

Und jetzt zu Jessi:

Deine Geschichte ist ja etwas komplizierter. Auf welche Lebensmittelunverträglichkeit wurde wegen deiner Beschwerden zuerst getippt?
Wenn ich zurückdenke, hat alles damit angefangen, dass mir von Milchprodukten wie Joghurt oder Milcheis immer übel wurde. Das ist bereits mindestens 10 Jahre her. Ich hab dann, ohne groß weiter darüber nachzudenken, dies e Produkte einfach gemieden, und alles war gut. Vor 2,5 Jahren dann hab ich plötzlich alles mit Milch nicht mehr vertragen, nicht mal mehr den Schluck Milch in meinem Kaffee. Zu der Zeit habe ich mich ja noch nicht vegan ernährt, ich habe also auf laktosefreie Produkte umgestellt, und die Beschwerden blieben aus.

Ein Laktoseintoleranztest wurde gemacht, auf den ich auch total krass reagierte, dass mein Arzt meinte, er bräuchte die Blutergebnisse gar nicht mehr abwarten, das sei ja offensichtlich! Aber was war? Der Test fiel negativ aus! Sehr komisch.... Ich habe mich dann aber natürlich trotzdem laktosefrei ernährt, weil es mir damit einfach besser ging.

Das ging dann 1,5 Jahre ganz gut, bis die Beschwerden plötzlich wieder auftauchten. Diesmal kam noch dazu, dass ich (meistens abends) so einen extremen Blähbauch hatte, dass ich das Gefühl hatte, zu platzen. Das war wirklich schmerzhaft. Am nächsten Morgen folgte dann immer der Durchfall, richtig krampfartig und auch sehr schmerzhaft. Und wenn nach 1-2h alles vorbei war, fühlte ich mich noch mindestens einen Tag richtig krank, schlapp und müde, einfach fertig.

Ich hab auf Anraten des Arztes wieder Ernährungstagebuch geführt, und irgendwann fiel mir auf, dass es mir meistens schlecht ging, wenn ich viel Müsli, Brot und/oder Kuchen gegessen hatte. So kam ich auf die Idee, es könnte am Gluten liegen, und ich fing an, mich nun auch noch glutenfrei zu ernähren. Und tatsächlich, ging es mir damit sehr viel besser. Aber auch dieser Test war negativ und die Beschwerden blieben auch nicht 100%ig aus, also muss die Ursache doch irgendwo anders liegen!?

Welche Lebensmittel durftest du daher nicht oder nur eingeschränkt essen?
Lebensmittel, auf die ich definitiv reagiere, sind Milchprodukte, Sojaprodukte, weizenhaltige Lebensmittel, Hefe, und außerdem säurehaltige Lebensmittel wie z.B. Tomate, Ananas u.ä. (von denen bekomme ich offene/brennende Stellen im Mund) und Haselnüsse (hier bekomme ich Hustenreiz und Atemnot).

Hast du da schon vegan gelebt oder später erst umgestellt?
Mitte März wird es ein Jahr, das ich vegan lebe. Dass ich Soja nicht vertrage, ist da erst aufgefallen, vorher hab ich Soja/Tofu und all so was nie probiert. Auch war ich vorher nie so die große Müsli- und Brot-/Brötchenesserin, kann also sein, dass es auch nur vorher nicht aufgefallen ist. Z.B. habe ich abends statt "Abendbrot" eher ein Stück Fleisch + Salat gegessen, und regelmäßiges Frühstück habe ich mir auch erst angewöhnt, seit ich mehr auf gesunde Ernährung achte....

Wie konntest du die Einschränkungen mit einer veganen Ernährung vereinbaren? Ist dir das schwer gefallen?
Daheim geht es eigentlich ganz gut, nach ner Weile hatte ich mich daran gewöhnt, und inzwischen klappt es auch mit dem glutenfreien Backen immer besser. Fertigprodukte fallen ja schon bei einer veganen Ernährung fast komplett weg, da fallen weitere Einschränkungen nicht mehr so sehr ins Gewicht.

Aber unterwegs ist es echt schwierig, ich hab öfter mal "gehungert", weil ich vergessen hatte, mir was einzustecken. Man kann sich halt nicht einfach mal spontan ne Brezel holen o.ä. Restaurantbesuche werden auch sehr schwierig, und ebenso Einladungen bei Freunden, die eigentlich allein mit der Anforderung "vegan" schon überfordert wären... Ich bin gespannt, wie es nächste Woche wird, ich fahre das erste Mal (unter diesen Umständen) für ein paar Tage weg...

Wie waren die Reaktionen deines Umfelds darauf, dass du dich zusätzlich durch die vegane Ernährung bei der Lebensmittelauswahl noch weiter eingeschränkt hast?
Die meisten haben irgendwie "Mitleid", dass ich fast gar nichts mehr essen kann. Aber als ganz so schlimm empfinde ich es gar nicht. Die Natur hat noch immer eine sehr vielfältige Auswahl für mich! Es macht nur etwas mehr Mühe als normal...

Mir ist es manchmal "peinlich", wenn ich irgendetwas ablehnen muss, oder so ne "Extrawurst" bin, die bei Einladungen dann eine Alternative bekommt. Aber da bin ich das "Problem" und muss an meiner Einstellung oder Wahrnehmung arbeiten, denn ich hatte bisher eigentlich nie den Eindruck, dass das nicht gern für mich gemacht wurde oder irgendjemand genervt war. Letztens war ich auf nem Geburtstagsfrühstück einer Freundin eingeladen und sie hatte am Buffet extra für mich Schilder angebracht, mit "vegan" und "glutenfrei". Damit war ich zwar wieder DAS Thema *augenroll*, aber ich fand es sehr lieb von ihr, dass sie sich so viel Mühe gegeben hat, dass ich das Frühstück auch genießen konnte (und nicht nur auf paar Apfelspalten oder so was rumkauen musste *g*)

Hast du schon mal mit dem Gedanken gespielt, nicht mehr vegan zu essen? 
Nicht wirklich. Ich hatte zwar schon mal den Gedanken, das ist komisch ist, das sich meine Beschwerden, und die Anzahl der Lebensmittel auf die ich reagiere, so gehäuft haben, seit ich mich vegan ernähre - und ich kann es mir nicht genau erklären (mein Doc auch nicht)- aber andererseits glaube ich nicht, das es mir automatisch wieder besser ginge, wenn ich mich nicht mehr vegan ernähren würde.

Nachdem Zöliakie nun ausgeschlossen wurde, wie soll es weitergehen?
Tja, das ist eine gute Frage. Ich weiß es noch nicht wirklich. Ich führe momentan wieder Ernährungstagebuch, schreibe ganz genau auf, was ich gegessen habe und wie es mir danach ging. Ich habe auf Anraten meines Docs mal Dinkel ausprobiert (hab beim Bäcker ein reines Dinkelbrot gekauft), und hab es tatsächlich vertragen! Ich trau momentan aber dem Frieden noch nicht, und kann mich noch nicht drüber freuen. Ich muss echt dagegen ankämpfen, eine Angst vorm Essen zu entwickeln. Momentan denke ich von Tag zu Tag und freue mich über jeden Tag, wo ich keine Beschwerden habe. Und ich versuche die Freude am Kochen und Essen nicht zu verlieren!

Kommentare:

  1. Ich faste als Veganer Soja, Gluten und Zucker und dies klappt schon ganz wunderbar;-) Gluten ist aber so mit das Schwierigste, wo auch die "Gier" danach schnell bemerkbar wird und es ein oder zwei Tage dauert,bis sie wieder weg ist.

    Aber es klappt definitiv! Sogar besser als ich gedacht habe. Ich bin gespannt wie es weitergeht. Nur Brot fehlt mir persönlich sehr, obwohl ich mit Buchweizenmehl gebacken habe.

    Grüßle
    Mephi von tofutopia.blogspot.de

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  2. Wenn du magst, könntest du dich an mich wenden. Ich bin aber hautsächlich Videobloggerin. Auf unserem Blog vom Vegi zum Veganer geht es nicht um Unverträglichkeiten. Ich mach Videos zu dem Thema
    http://www.youtube.com/watch?v=o-OJ7x8_LvA meine Reihe coco vs. Obst

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