Sonntag, 2. Februar 2014

Rezension: "Vegane Backträume" von Brigitte Bach


Schon wieder ein Backbuch, das ich nicht selbst gekauft habe… "Vegane Backträume"* von Brigitte Bach. Diesmal habe ich es allerdings nicht gewonnen, sondern vom löwenzahn-Verlag für eine Rezension zur Verfügung gestellt bekommen. Die besondere Herausforderung für mich lag darin, einerseits einige Rezepte auszuprobieren, um auch wirklich etwas Fundiertes zum Buch sagen zu können, andererseits aber nur mit den Zutaten zu arbeiten, die ich schon zu Hause hatte. Immerhin will ich gerade meine Vorräte reduzieren. Ob das geklappt hat, lest ihr weiter unten. Jetzt erst mal zum Buch (wo ihr es bis heute Nacht noch gewinnen könnt, ist unten angegeben):

Brigitte Bach ist angetreten, um zu zeigen, dass man auch ohne Ei und Butter süße Leckereien backen kann. „40 unwiderstehliche Lieblingsrezepte“ verspricht der Klappentext, und „veganes Backvergnügen 100 % pflanzlich, 100 % Genuss“.

Rein optisch konnte ich mir das nach dem ersten Durchblättern absolut vorstellen. „Liebevoll gestaltet und wunderschön bebildert“, wie es der Klappentext formuliert, ist das Buch auf jeden Fall. Das Design ist super, die Fotos sind toll, und besser könnte der erste Eindruck nicht sein. Auch haptisch kommt das Buch als Hardcover und mit recht dicken Seiten sehr hochwertig daher.

Die Gestaltung der Rezepte ist übersichtlich: Foto auf der einen, Text auf der anderen Seite. Die Zutaten sind nach Rezeptteil getrennt („für den Boden“, „für die Füllung“), und auch Angaben zur Größe der Form und zur Zahl der Gebäck- oder Kuchenstücke fehlen nicht. Einige Rezepte sind auch um Tipps und Abwandlungsmöglichkeiten ergänzt. Warum jedes Rezept einzeln kommentiert werden muss, erschließt sich mir aber nicht. Um es persönlicher zu machen? Wirkt teilweise etwas gekünstelt. Warum muss man die Rezepte auch noch anpreisen?

Als „Rahmenprogramm“ gibt es nach dem Vorwort detaillierte Erklärungen zum Ersetzen von tierischen Produkten beim Backen und auch eine Eiersatztabelle. Daumen hoch dafür! Die Tipps für Backanfänger (sich an das Rezept halten, Stäbchenprobe…) habe ich dafür getrost überlesen, und die „Verpackungstipps“, die irritierenderweise mitten im Buch untergebracht sind, haben meiner Meinung nach mit einer Doppelseite ohne konkrete Anleitungen die Überschrift „Tipps“ nicht ganz verdient.



Das Inhaltsverzeichnis vorne wird ergänzt durch ein Stichwortverzeichnis am Ende mit Rezepten und Zutaten in alphabetischer Reihenfolge und, was ich besonders toll finde, unter jeder Zutat die Auflistung aller Rezepte, in denen sie verwendet wird. Außerdem gibt es noch einen Glossar, der teilweise etwas übertrieben wirkt (Stichwort „Heidelbeere“), aber bei Infos zu österreichischen Bezeichnungen oder Produkteigenheiten (z. B. für die Übersetzung des genannten Ausmahlungsgrads be Mehl) sehr hilfreich ist. Oder hättet ihr gewusst, dass bei Dinkelmehl Type 700 dem deutschen Dinkelmehl Type 630 entspricht?

Stichwort Dinkelmehl: Alle Rezepte verlangen nach Dinkelmehl. Brigitte Bach begründet das mit dem Geschmack des Gebäcks. Als Alternative ist Weizenmehl Type 550 angegeben, was prima funktioniert. Weitere besondere Zutat in jedem Rezept: Rohrohrzucker, „da die Verwendung von raffiniertem weißem Zucker ernährungsphysiologisch zahlreiche Probleme mit sich bringen kann.“ Solche Aussagen finde ich, vorsichtig gesagt, seeeehr grenzwertig. Die größten ernährungsphysiologischen Probleme entstehen durch Saccharose selbst, und Saccharose ist Saccharose, ob jetzt in weißem Zucker oder Rohrohrzucker oder Agavendicksaft. Wie soll der Körper da unterscheiden? Der Mineralstoffgehalt in weniger stark raffiniertem Zucker wie Rohrohrzucker oder süßen Pflanzensäften ist vernachlässigbar. Oder will mir jemand ernsthaft erzählen, dass Agavendicksaft als alternativer Mineralstofflieferant zu Obst und Gemüse dienen kann? Und wo wir schon bei Ernährungsphysiologie sind: Auch das als Alternative zu Rapsöl genannte Sonnenblumenöl hat durch seinen hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren außerordentlich unerwünschte Effekte, was aber nicht erwähnt wird. Seid also besser vorsichtig mit Ernährungsratschlägen aus Backbüchern.

Was ich allerdings positiv anmerken möchte, ist, dass die von mir ausprobierten Gebäcksorten (mit Ausnahme der Füllung der Nusshörnchen) tatsächlich nicht übermäßig süß schmecken. Das ist sicher zum Teil auch der etwas geringeren Süßkraft des Rohrohrzucker geschuldet, aber auch sonst sind die Zuckermengen in den Rezepten nicht sehr hoch, insbesondere, wenn man mit amerikanischen Rezepten vergleicht.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Zutaten überwiegend unspektakulär und in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich sind. Natürlich gibt es auch die ein oder andere Ausnahme, ohne die es aber auch langweilig wäre. Eine sehr gute Mischung aus Einfachem und Besonderem jedenfalls und daher meiner Meinung nach gerade für Anfänger und Dorfmenschen wie mich sehr gut geeignet. Mein Vorhaben, nichts neu zu kaufen, hat einwandfrei geklappt, weil ich sowieso schon alles da hatte.

Da ich außerdem in jedem Kochbuchreview ein Wort zu Palmöl verliere, will ich es auch diesmal tun: Im Vorwort erwähnt die Autorin die Problematik (Daumen hoch!) und auch den Konflikt, in den man gerät, wenn man versucht, völlig auf Palmöl zu verzichten. Sie schlägt daher vor, Margarine und andere palmölhaltigen Produkte sparsam zu verwenden und eher als Luxus anzusehen. Soweit super, aber wie sieht die Umsetzung aus? Nun, ich halte es für utopisch, ein palmölfreies, veganes Backbuch zu schreiben, das dennoch für eine große Zielgruppe interessant ist. Hier hat Brigitte Bach meiner Meinung nach den Spagat zwischen palmölfreien Rezepten, von denen es sehr viele gibt, und margarinehaltigen Rezepten sehr gut hinbekommen.

Sehr toll finde ich außerdem, wie Brigitte Bach das vorgestellte Gebäck dekoriert hat. Alles ist sehr appetitlich angerichtet, aber dennoch so dekoriert, dass auch ich als Deko-Niete etwas Vergleichbares hinbekommen könnte. Dadurch wirkt das Buch nicht abgehoben, sondern sehr alltagstauglich. Außerdem schön: Brigitte Bach drängt sich als Person nicht in den Vordergrund. Nach einem Vorwort, was ich immer sehr sympathisch finde, tritt sie als Autorin zurück und die Rezepte in den Vordergrund. Das könnte auch anders sein, wie uns bestimmte vegane Kochbuchautoren schon gezeigt haben.

Ausprobiert



Zuerst habe ich die Schoko-Nougat-Gugelhupfe nachgebacken, wie ihr seht, nicht in einer Mini-Gugelhupfform (denn so eine besitze ich nicht), sondern in einer Muffinform. Eigentlich sollte man sie vor dem Aufbringen der Kuvertüre noch mit Marmelade überziehen, und das wäre auf jeden Fall eine gute Idee gewesen, denn ohne waren sie sehr trocken. Das Nougat hat man allerdings nicht herausschmecken können.



Danach waren die Nusskipferl dran. Zielvorgabe waren Nusshörnchen, die außen etwa so aussehen wie Crossaints. Was rauskam, seht ihr selbst. Dass „nochmals etwas ausrollen“ mit „so dünn ausrollen wie möglich“ übersetzt werden sollte, konnte ich ja nicht ahnen. Geschmack: ok, mehr auch nicht. Sehr interessant und auch erfolgreich ist allerdings Brigitte Bachs Methode, Plunderteig durch das gemeinsame Verarbeiten von Hefe- und Blätterteig zu imitieren.



Die Heidelbeeren im Maiskuchen habe ich kurzerhand durch Schokolade ersetzt. Die war nämlich noch da, und außerdem bin ich kein großer Fan von Obst in Kuchen. Etwas ungewöhnlich sind hier Maismehl und Reissirup als Zutaten, und das Dinkelmehl kann bei Bedarf auch durch eine glutenfreie Backmischung ersetzt werden. War mal was anderes, rechtfertigt aber meiner Meinung nach nicht das Geld für den doch recht teuren Reissirup.



Als Letztes, gebacken gestern mit einer Freundin: Doppel-Nuss-Doppel-Schoko-Cookies. Als „süchtig machend“ sind sie beschrieben, und das trifft absolut zu! Ein echter Knaller. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Doch, eins noch: Packt die Kekse nach dem Auskühlen direkt in eine Plätzchendose. Bei mir waren sie heute Morgen leider schon gar nicht mehr so knusprig.

Fazit


Kaufen würde ich das Buch zum Preis von 17,95 Euro (für 40 Rezepte) vermutlich eher nicht. Meine Backversuche haben mich nicht wirklich überzeugt – zumindest nicht, solange so viele tolle Rezepte frei im Internet verfügbar sind. Die im Klappentext versprochenen „Klassiker“ habe ich nämlich vergeblich gesucht. Allerdings habe ich nun, da das Buch einmal da ist, schon Lust, die restlichen Rezepte auszuprobieren, insbesondere die mit Sahne und Cremes, denn sehr lecker sieht das alles auf jeden Fall aus! Und ein großer Kochbuchkäufer bin ich ja sowieso nicht, daher ist meine Kauf- oder Nichtkauft-Entscheidung vermutlich auch kein Maßstab, denn ich würde nur die wenigsten Bücher kaufen.

Ein gänzlich anderes Fazit zieht Laura von "Tofuliebe".

Wenn ihr euch eine eigene Meinung bilden wollt, könnt ihr das Buch natürlich entweder selbst kaufen oder aber auf „Leckeres in vegan“ gewinnen. Teilnehmen könnt ihr noch bis heute, 2. Februar, um Mitternacht.

Infos zur Autorin


Brigitte Bach kommt aus Österreich. Auf ihrem Blog „B.B.‘s Bakery“ teilt sie Rezepte für vegane Leckereien und eine Vielzahl von Backtipps.

„Vegane Backträume“ von Brigitte Bach, 120 Seiten, ist im löwenzahn-Verlag zum Preis von 17,95 Euro erschienen.


*Affiliate Link

Kommentare:

  1. Danke für die ehrliche Review. Das klingt doch eher nach einem Backbuch, das ich nicht so unbedingt kaufen muss. :)

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  2. Ich habe übrigens bei dem Maiskuchen aus einer blöden Laune heraus (und aufgrund eines kleinen Verfügbarkeitsproblems) das Maismehl durch feine Polenta ersetzt.
    Das Ergebnis kann man eindrucksvoll auf meiner Facebook-Seite bewundern. Nichtmal meine größten Fans wollten den Kuchen noch essen. :D Davon abgesehen war er kein bisschen süß... Der Reissirup ist wohl etwas gewöhnungsbedürftig.
    Zu mehr Versuchen hatte ich bisher leider keine Zeit. Aber ich finde mit Sicherheit was! ;)

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    1. Einen kleinen Teil des Reismehls habe ich auch durch Polenta ersetzt, weil ich nicht noch mal Neues kaufen wollte. Die Struktur, die sich dadurch ergab, hat mir eigentlich gut gefallen. Sehr süß war er aber tatsächlich nicht - ist aber auch kein Wunder, Reissirup besteht nur aus Glucose und ist daher viel weniger süß als andere Süßungsmittel.

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  3. Ich "teste" das Buch zur Zeit auch und habe bisher zwei Rezepte ausprobiert.
    Während mir das exotische Bananenbrot echt gut gelungen ist und auch wahnsinnig lecker schmeckte, waren die Vanille-Holler-Muffins zwar auf den Seiten im Buch schön anzusehen, aber in Wirklichkeit gaben sie bei mir ein ziemlich hässliches Bild ab :-D Auch wenn sie ganz gut schmecken.

    Die Nuss-Cookies werde ich dann wohl mal als nächstes ausprobieren ;-)

    Liebe Grüße
    Lupa

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  4. Das ist jetzt schon die dritte Koch-, Backbuch-Rezension, die ich von Dir lese und ich frage mich immer mehr, warum Du eigentlich einen Food-Blog schreibst. Ich habe auch schon einiges aus „Veganpassion“, „Veganista“ und „Vegane Backträume“ gekocht bzw. gebacken und bin wahrlich keine Meisterin am Herd – aber meine Ergebnisse sahen um Welten anders aus als Deine „Kunstwerke“. Vielleicht solltest Du grundsätzlich erst mal üben gehen, bevor Du hier Rezepte mit „funktioniert nicht“ oder „schmeckt nicht“ titulierst und solch schlechte Fotos einstellst. Da bekommen Leser ja einen völlig falschen Eindruck.

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  5. Hm, vermutlich haben wir unterschiedliche Vorstellungen davon, was eine Rezension sein sollte.

    Für mich ist sie erstens ergebnisoffen und damit nicht zwingend Werbung für ein Buch, nur, weil es vegan ist. Daher sehe ich mich auch nicht in der Pflicht, Rezepte mehrfach nachzubacken oder zu -kochen, damit das Ergebnis möglichst perfekt wird. Was ich bei den Nusshörnchen, den Pizzaknödeln oder der Donauwelle hätte besser machen können, weiß ich jetzt auch. Was ich aber zeige, sind die Rezepte so, wie ich sie im Alltag nachgekocht und beim ersten Lesen verstanden habe.
    Außerdem führt dieses Verständnis der Nicht-Werbung und des Alltagsessens dazu, dass ich nicht einsehe, warum ich mehr Zeit in die Deko investieren sollte, als ich Lust habe, auf das perfekte Licht zum Fotografieren warten oder ein ansprechendes Arrangement für das Foto zusammenstellen sollte. Was der Leser daraus zieht ("Das Buch ist objektiv schlecht" vs. "Vielleicht sollte man ein Rezept mehr als einmal nachkochen, damit es auch sicher gut aussieht" vs. "Möglicherweise ist das nicht so ganz ihr Backstil, für andere ist das Buch aber super, und ich sollte noch andere Rezensionen lesen" vs. "Sie ist eine Niete in der Küche und/oder beim Fotografieren"), ist jedem freigestellt.

    Und zweitens ist eine Rezension für mich immer persönlich und subjektiv, und ich halte meine Leser für intelligent genug, das zu wissen. Mir sind nicht alle Rezepte gelungen, und mir haben nicht alle Rezepte geschmeckt. Insbesondere das Urteil zum Geschmack behalte ich mir übrigens ausdrücklich vor - selbst wenn ich nicht in der Lage wäre, ein paar Nudeln zu kochen, könnte ich immer noch für mich selbst entscheiden, was ich lecker finde und was nicht ;)

    Außerdem wolltest du noch wissen, warum ich einen Foodblog schreibe. Ursprünglich war twoodledrum nur als Rezeptesammlung für mich selbst gedacht, weil ich zwischen verschiedenen Wohnorten pendele. Daraus hat sich dann mehr entwickelt. Ich habe aber nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich das Fotografieren nicht leiden kann, und twoodledrum ist nie als Show-Off-Blog gedacht gewesen. Zum Glück kann aber ja jeder selbst bestimmen, was er liest und was nicht.

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