Montag, 27. Januar 2014

Rezension: "La Veganista" von Nicole Just


Nicole Justs Kochbuch "La Veganista"* habe ich letztes Jahr bei einem Gewinnspiel von Claudi gewonnen. Es war das Buch, das mich aus meiner Kochlethargie im Frühjahr gerissen und mich wieder für Ernährungsfragen begeistert hat. Umso schlimmer, dass ich mich bisher nicht zu einer ausführlichen Rezension aufraffen konnte. Aber jetzt!

Mit dem Untertitel „Lust auf vegane Küche“ setzt Nicole Just sich selbst ein hohes Ziel, finde ich: Für mich klingt es so, als wolle sie nicht nur Schon-Veganer begeistern, sondern auch Sympathisanten überzeugen, und zwar durch „100 leckere Rezepte von Frühstück bis Abendessen“.

Das Buchcover verrät dabei noch nichts über den Inhalt: Es ist mit Zeichnungen und nicht mit Rezeptbildern oder einem Bild der Autorin gestaltet. Insgesamt kommt das Buch sehr hochwertig daher mit seinem matten Hardcovereinband. Das Innere ist modern und seriös gehalten, und alle Rezepte sind mit appetitlichen Bildern versehen – etwas, das ich sehr liebe. So macht das Durchblättern gleich viel mehr Spaß. Ein großes Lob hier an René Riis für die Fotos! Wo ich gerade von Fotos spreche: Nicole Just hält sich sehr sympathisch im Hintergrund. Einige Bilder von ihr sind zwar zu sehen, und sie hat auch ein kurzes Vorwort verfasst, aber das Buch dient nicht der Selbstinszenierung als vegane Kochgöttin. Angenehm.

Was zum Kochen benötigt wird, ist auf den ersten Blick ersichtlich. Die Zutaten sind übersichtlich an der Seite aufgeführt, bei Bedarf unterteilt z. B. in „Für den Teig“ und „Für die Füllung“. Darunter sind jeweils die Personenzahl, für die das Rezept gedacht ist, sowie Zubereitungszeit und Nährwerte angegeben – außer der Personenzahl für mich eher uninteressant, aber kann ja auch nicht schaden. Fest jedes Rezept ist übrigens mit irgendeinem Tipp versehen, was den Austausch von Zutaten, Abwandlungs- oder Resteverwertungsmöglichkeiten angeht. Daumen hoch.

Im Großen ist das Buch folgendermaßen gegliedert:
  • Guten Morgen! Vegan frühstücken
  • Für vorneweg, zwischendurch und unterwegs
  • Satt und zufrieden: Hauptgerichte für jeden Tag
  • Aufgekocht! Vegan schlemmen
  • Hmm, süß! Desserts und Gebäck

Dem Ganzen vorgeschaltet ist noch ein „Serviceteil“ mit Tipps und Tricks aus der veganen Küche. Sehr informativ, das kann man nicht abstreiten, aber für meinen Geschmack etwas unübersichtlich, wenn man nur kurz etwas nachschlagen will. Am Ende folgen ein kurzer Glossar mit Infos zu einigen besonderen Zutaten (z. B. Kala Namak) und eine Auflistung aller Rezepte. Sie sind hier nicht nur alphabetisch, sondern auch nach Hauptzutaten sortiert. Perfekt, wenn man noch irgendetwas übrig hat und eine Verwertungsmöglichkeit sucht!

Was die Bildung unerwünschter Vorräte angeht, ist hier sowieso hervorzuheben, dass außer Kudzu und Guarkernmehl erfreulich wenig „abgehobene“ Zutaten verwendet werden. Seht mir hier nach, wenn ich nicht exotisch genug esse und nicht experimentierfreudig genug bin, aber ich mag es nicht besonders, vor dem Kochen erst einen Marathon durch die diversen Asia- und Bioläden der Stadt absolvieren und mein halbes Monatsgehalt dort ausgeben zu müssen. Das ein oder andere Besondere ist auch in „La Veganista“ dabei, z. B. Chiasamen, aber die Rezepte sind überwiegend mit leicht erhältlichen Zutaten nachzukochen. Das meiste gibt es im Supermarkt, ein Bioladen in der Nähe schadet aber auch nicht - und wenn man mal das ein oder andere nicht findet, sind auch oft Austauschmöglichkeiten angegeben.

Dennoch sind die Rezepte alles andere als langweilig. Ihren besonderen Charme gewinnen sie meiner Meinung nach dadurch, dass Altbekanntes auf neue Art und Weise zubereitet wird. Außerdem, und das ist für mich der Grund dafür, von diesem Buch so begeistert zu sein, sind nicht nur die üblichen Verdächtigen wie Tomaten, Zucchini, Paprika und Rucola in den Rezepten zu finden. Nein, es kommen auch Steckrübe, Mairübchen, Brennnesseln, Rote Bete, Fenchel und Pak Choy zum Einsatz. Insgesamt sind die verwendeten Zutaten sehr vielfältig. Auch Sojaprodukte (Fleischersatz, Tofu oder Tempeh) und Seitan sind dabei. Nicole Just gelingt meiner Meinung nach also ein wirklicher Rundumschlag durch die vegane Küche, sowohl für Anfänger als auch für Vegan-Fortgeschrittene, die schon einiges ausprobiert haben. Der Hausmannskost-Einschlag, von dem die Autorin im Vorwort spricht, ist dabei deutlich, aber zumindest für mich ist das eher ein Pluspunkt. Ich esse gerne so, auch wenn mich der mehrfache Einsatz von Sojawürstchen, z. B. in einem Eintopf, jetzt nicht besonders überzeugt.

Auch der Süßes- und Gebäck-Teil ist abwechslungsreich. Hier finden sich Desserts, gebackene und auch ein Rohkostkuchen. Schade finde ich allerdings, dass beim Gebäck sehr oft auf Margarine zurückgegriffen wird. Nun ist im Vorwort zwar nicht von Umweltschutz die Rede, aber es wäre trotzdem nett gewesen, darauf zu achten. Aber gut, ich muss die Sachen ja nicht nachbacken, und allzu viele sind es sowieso nicht, sodass mein positiver Eindruck nicht allzu sehr getrübt wird.

Ausprobiert


Und jetzt das Wichtigste: Wie schmecken die Gerichte denn? Ich habe noch nicht so wahnsinnig viel nachgekocht, aber einiges eben doch, und teilweise habe ich die Gerichte auch in Bildern festgehalten:


Der Chiapudding war ganz nett, zusätzlich zu den Chiasamen kommen hier Cashewnüsse zum Einsatz, die fein püriert werden sollen. Das hat mit meiner Küchenausstattung (sprich: kein Hochleistungsmixer) leider nur bedingt gut geklappt, sodass das Ganze etwas wässrig wurde.



Der Rote-Bete-Salat war wirklich lecker und empfehlenswert. Mmmh.



Auch der gedünstete Pak Choy (bei mir ohne Koriander-Blumenkohl) hat mir sehr gut geschmeckt. Hier habe ich mich aber gefragt, wer das alles essen soll. Vier Pak Choys für vier Personen, dazu noch Reis und ein Kopf Blumenkohl? Fragwürdig. Auch, was die gleichzeitige Zubereitung der Pak Choys in einer einzige Pfanne angeht…
Edit: Nicole Just merkte an, dass mein Pak Choy deutlich zu groß war. Also mein Fehler.



Dasselbe Problem mit den Portionsgrößen bei den Teufelskartoffeln mit Rucola. Geschmacklich haben sie nicht nur mich, sondern auch Sebi absolut überzeugt, aber 1 Pfund Kartoffeln, 240 g Kichererbsen und ein Bund Rucola waren für uns beide einfach viel zu viel.



Sehr großzügig bemessen waren die Mengen außerdem bei den Pizzaknödeln, hier hätte unserer Meinung nach fast die Hälfte gereicht. Zusätzlich sahen sie zumindest bei uns aus wie ein Unfall, s. Foto. Sebi fand sie grauenvoll, ich eigentlich ganz lecker, aber der Knaller waren sie jetzt nicht.

Ebenfalls nicht fotografierwürdig war mein Resultat der Buchweizenpfannkuchen mit Linsen-Aioli-Füllung, die ich jetzt schon zweimal gemacht habe. Ich finde sie sehr lecker, und hier passten auch die Mengen, aber ich kriege sie einfach nicht aufgerollt. Zum Glück ist es den Geschmacksnerven ja egal, wenn man sie statt als Rolle als platten Fladen mit der aufgestrichenen Füllung verzehrt. Warum in der Mayonnaise allerdings Guarkernmehl verwendet wird, erschließt sich mir nicht; bei mir wird sie immer von selbst fest.

Fazit


Ich liebe dieses Buch einfach, trotz der bisher etwas durchwachsenen Ergebnisse. Es liegt gut in der Hand, ich blättere total gerne darin und schaue mir die Rezepte an. Zum großen Teil liegt das wohl daran, dass ich die meisten der verwendeten Zutaten gerne esse und die Rezepte meinem Kochstil entsprechen. Hätte ich es nicht gewonnen, wäre es wohl tatsächlich eins der wenigen Kochbücher gewesen, die ich mir selbst gekauft hätte – und das will etwas heißen, denn selbst gekauft habe von meinen acht veganen Kochbüchern (ja, ich habe wirklich nur so wenige!) bisher nur drei und gerade auch kein einziges auf meiner Wunschliste. Es hilft allerdings, bei den Zutatenmengen das Hirn einzuschalten, denn hier passt manches wirklich hinten und vorne nicht.

Leseprobe (mit einigen Rezepten)
Trailer

Über die Autorin


Nicole Just lebt und arbeitet in Berlin. Wenn sie gerade nicht an ihrem Blog schreibt oder Kochbücher herausbringt, gibt sie Kochkurse oder krendenz mit Mund|Art|Berlin vegane Köstlichkeiten.


„La Veganista“, 192 Seiten, wird vom Verlag Gräfe und Unzer (GU) herausgegeben und ist zum Preis von 16,99 Euro erhältlich.

* Affiliate Link

Kommentare:

  1. Klingt toll! Hab schon viele vegane Kochbücher, aber das hier noch nicht. Kannte es aber schon. :)
    Lara-www.kleiderkraenzchen.com

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  2. Auch ich habe dieses Buch seit letztes Jahr in meiner Küchenbibliothek und kann mich deiner Rezension ziemlich anschließen und mag das Buch, koch ab und an mal daraus bzw. lass mich inspierieren.

    Das mit den Mengen geht mir ähnlich - kenn ich aber auch aus anderen Kochbüchern.

    Liebe Grüße aus der Schneewelt ... Daniela (◕‿◕) .......♥

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  3. Ich habe das Buch letztes Jahr bekommen und bisher die Lasagne nachgekocht, die außerordentlich lecker war.

    Allerdings finde ich nicht, dass man sich über die Mengenangaben pro Person beschweren sollte. Wenn man öfters kocht, hat man doch ein Gefühl dafür, wie viel für 2 Personen ausreichend sind. Dementsprechend passt man die Mengenangaben an.

    Liebe Grüße Federchen

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    1. Ich finde es gut, dass Carola die Mengenangaben bemängelt hat. Vielleicht will man das Buch einem "frischen" Veganer oder einem Menschen, der sich schon sehr für vegane Küche interessiert, schenken? Wenn jemand bisher Pflanzen als Beilage gegessen hat, wird er/sie sich wahrscheinlich schwerer tun, die richtige Sättigungsmenge zu finden.

      Liebe Grüße,
      Catta

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    2. Dann gehst du aber wieder davon aus, dass jeder das gleiche Sättigungsgefühl hat. Ich finde die Mengenangaben in dem Buch nämlich deutlich zu wenig für 2 Personen.
      Ich verstehe dein Argument mit dem "frischen" Veganer oder Veganinteressierten aber nicht richtig. Was hat das damit zu tun? Außer, man schenkt es einem Koch(!)Neuling. Aber dann gilt wieder, was ich oben bereits geschrieben habe.

      LG Federchen

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    3. Klar, Portionsangaben sind immer schwierig - das merke ich auch hier bei den Rezepten oder bei meinen Kochkursen. Und bei den Buchweizenpfannkuchen ist die Menge für 4 Personen recht knapp, das habe ich gestern noch so gedacht. Allerdings erwarte ich auch irgendwie von einem Kochbuch, dass die Mengen zumindest halbwegs passen, also dass im Durchschnitt 4 Personen von einem Rezept satt werden, bei dem als Menge 4 Portionen steht.

      Mal werden es 3 sein und mal 5, das ist ja klar, und wenn ich von mir selbst weiß, ich esse wie ein Spatz oder wie ein Scheunendrescher, passe ich die Mengen entsprechend an (wie bei mir bei den Pfannkuchen gestern, da hatte ich eben viel Hunger und hab direkt mehr gemacht als die Menge für eine Person). Aber gerade bei dem Pak Choy war die Personanangabe so dermaßen daneben, das darf meiner Meinung nach bei einem Kochbuch, für das ich Geld bezahlen soll, nicht passieren. Bei einem privaten Blog natürlich, aber nicht bei einem professionellen Kochbuch (was es ja wohl sein soll).

      Ob einen das persönlich stört, ist ja noch mal eine andere Frage, aber erwähnen wollte ich es in einer Rezension doch :)

      Liebe Grüße
      Carola

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    4. Das habe ich doch geschrieben: "Wenn jemand bisher Pflanzen als Beilage gegessen hat, wird er/sie sich wahrscheinlich schwerer tun, die richtige Sättigungsmenge zu finden."

      Ich nehme nicht an, dass jeder/jede dasselbe Sättigungsgefühl hat. Ich schrieb, dass ich Carolas Hinweis auf die Portionsgrößen gut finde. (Ich weiß, wem ich das Buch schenke und ob die beschenkte Person schnell satt ist) Du findest ihn nicht gut. Agree to disagree?! :)

      Schönen Abend!
      Catta

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    5. Dann haben wir ja alles geklärt :)

      LG Federchen

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  4. Hi, immer interessant zu lesen was andere zu dem Buch sagen, da ich dabei bin es durchzukochen...
    die Zutaten finde ich teilweise schwer zu bekommen... beim Chiapudding sind es eigentlich nämlich Macadamianüsse ungesalzen...
    auf den Rote-Beete Salat freu ich mich danke dir jetzt :)
    Beim Pak Choy hatte ich auch das Problem, den zu bekommen und als ich ihn dann hatte gabs grad keinen Blumenkohl weshalb der bei mir auch ausfiel.
    Die Teufelskartoffeln sind einfach super lecker gewesen, da hab ich alles verputzt :D
    Die Pizzaknödel sind für diese Woche geplant... bin jetzt etwas skeptisch, mal schauen ob sie uns munden ;)
    und auf die Buchweizenpfannkuchen bin ich auch schon gespannt von denen hab ich schon des öfteren gutes gelesen
    unbedingt empfehlen kann ich die Tofutürmchen, den hirseauflauf und auch der artischockenaufstrich

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  5. Dass die portionen zu groß sind, ist mir auch schon aufgefallen. dann gabs bei mir mehr reste für die nächsten tage. Über das buch wollte ich auch noch mal schreiben :)

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  6. Ich habe diese Kochbuch auch und finde es klasse. Das Problem mit den Mengen habe ich in so ziemlich jeden kochbuch und mittlerweile gebe ich auch nicht mehr viel auf mengen, ausser beim Backen! Ich nehme von allen soviel wie ich brauche oder meine und das hat bisher immer gepasst;)
    Liebe Grüsse,
    Krisi
    http://excusemebutitsmylife.blogspot.com

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  7. Auch ich habe das Kochbuch zuhause und auch schon ein Exemplar verschenkt. Ich mag, dass es nicht in Plastikfolie eingepackt ist! Die Fotos vom Essen überzeugen mich aber teilweise nicht so und die Verwendung von Margarine finde ich schade. Dennoch nehme ich es gerne als Inspiration und finde das Buch eine gelungene Sammlung von Rezepten sowohl für den Alltag als auch für den Festtagsschmaus.

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  8. Hallo Carola,

    danke für deine Rezension. Die Mengenangaben sind - neben der Personenanzahl - auch auf Vorspeisen bzw. Hauptgerichtemenge berechnet. Die Buchweizenpfannkuchen sind im Vorspeisenteil zu finden, darum werden hier nicht 4 Personen pappsatt, wenn der Hauptgang auch noch dazukommt. Die Teufelskartoffeln wiederum sind eine Hauptspeise, darum großzügig bemessen.

    Beim Pak Choi hast du - wenn ich mir dein Foro so anschaue - die Riesenexemplare aus dem Supermarkt erwischt. Im Rezept sind aber 4 mittlere Pak Choi Köpfe (siehe Rezeptfoto im Buch) angegeben. ;)

    Was genau meinst du mit "Margarine und Umwelt"? Spielst du auf Palmfett an?

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Hallo Nicole,

      schön, dass du dich zu Wort meldest :)

      Bei den Pfannkuchen habe ich tatsächlich gar nicht drauf geachtet, dass sie als Vorspeise angegeben waren. Danke für den Hinweis! Bei normalem Hunger würde mir da aber auch einer als Hauptmahlzeit reichen ;) Und ich habe nichts gegen großzügige Mengen. Nur für uns war es oft zu viel, und für einige der Kommentatoren hier ja anscheinend auch. Federchen hat natürlich recht, dass man da einfach die Mengen anpassen kann, aber es wäre ja gut, vorher zu wissen, dass man das evtl. sollte, daher die Erwähnung in der Rezension. Der Pak Choy war übrigens aus unserer Biokiste, aber das mit der Größe stimmt natürlich, ich hab es oben korrigiert.

      Margarine: Ja, genau. Es geht mir dabei um Palmöl.

      Liebe Grüße
      Carola

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