Mittwoch, 29. Januar 2014

Ist Kokosöl besser als Palmöl?

Erbses Beitrag "Kosmetik ohne Palmöl finden" und die Kommentare dazu erinnerten mich daran, dass ich zu dieser Thematik noch eine Frage in die Runde werfen wollte, und zwar die nach den Alternativen zu Palmöl.

Was ist eigentlich das Problem mit Palmöl?


Aber bevor ich hierauf eingehe, vielleicht erst mal ein paar grundsätzliche Fakten zum Thema Palmöl. Palmöl (nicht zu verwechseln mit Kokosöl!) rückt in der letzten Zeit immer mehr in den Mittelpunkt der Kritik. Für seine Erzeugung wird Regenwald abgeholzt, Orang-Utans und andere Tiere verlieren ihre Lebensräume, und die indigene Bevölkerung wird gewaltsam vertrieben. Es komplett zu vermeiden ist schwierig, da es als preisgünstiges Fett mit guten Verarbeitungseigenschaften in sehr vielen Produkten enthalten ist: Margarine, Gebäck, Süßwaren und Fertigprodukte sind nur einige Beispiele für den Lebensmittelbereich. Explizit deklariert werden muss Palmöl dabei nicht, sondern versteckt sich z. B. hinter der Bezeichnung „ungehärtetes Pflanzenfett“. Palmöl ist außerdem in den meisten Wasch- und Putzmitteln, Kosmetika und Körperpflegeprodukten enthalten. Auf umweltblick.de gibt es eine unvollständige Liste mit palmölfreien Produkten. Weitere Hintergrundinformationen zum Thema (auch zu Biosprit, der ebenfalls Palmöl enthält, und zu der Frage, warum Bio-Palmöl keine Lösung ist) stellt Rettet den Regenwald e.V. zur Verfügung, und bei Cara auf „think. care. act.“ finden sich mehrere lesenswerte Artikel zum Thema Palmölvermeidung bei Lebensmitteln, bei Kosmetik und bei anderen Produkten des Alltags.

Was sind die Alternativen?


So. Palmöl ist also schlecht, und es ist in vielen Dingen enthalten, die man täglich verwendet, auch als Veganer, und hier sogar umso mehr, da Palmöl (ob direkt oder als Margarine) als Alternative zu Butter verwendet wird. An vielen Stellen lässt es sich vermeiden, siehe oben - aber sind diese Alternativen auch wirklich nachhaltig? Auffällig für mich war dabei immer, dass von den großen Organisationen wie Greenpeace und Rettet den Regenwald e.V. zwar auf die Problematik hingewiesen wird, dass aber nirgendwo explizit steht, was man denn in der heimischen Küche stattdessen verwenden soll.

Ok, Pflanzenöl im Rührkuchen. Klar. Aber das löst das Problem mit dem Mürbeteig nicht. Und irgendwas muss ja auch in den palmölfreien Cremes und Shampoos drinstecken, am besten ein Fett, das ähnliche Eigenschaften wie Palmöl aufweist (also geschmacksneutral und bei Zimmertemperatur fest). Die Zutatenliste von Wilmersburger bringt die Lösung: Kokosfett. Auch ich habe eine ganze Weile auf Kokosfett zurückgegriffen, z. B. beim Fetten von Kuchenformen und als Fett in verschiedenen Plätzchenteigen. Bis mich dann Zweifel beschlichen, was es eigentlich mit der Nachhaltigkeit von Kokosfett so auf sich hat. Wenn jetzt Kokosfett im großen Stil als Ersatz für Palmöl verwendet würde, was würde dann passieren? Also stellte ich Mailanfragen.

Ist Kokosöl besser als Palmöl?


Greenpeace antwortete folgendermaßen:
"Sollten Ölpalmplantagen durch Kokospalmpalntagen ersetzt werden, müssten Kokospalmen in großem Stil, in Monokulturen angebaut werden. Die dadurch verursachten Probleme - Brandrohdung und massiver Artenverlust, Belastung der Böden/Bodenerosion, Flächenkonkurrenz, Verlust der Ernährungssouveränität usw. - sind die gleichen, die auch bei Ölpalm-Monokulturen auftreten. Insofern würde eine Umstellung auf Kokosölproduktion an dieser Problematik wenig ändern und, sollte dieser Anbau zudem in Konkurrenz zu Ölpamlanbau stattfinden, die Zerstörung tropischen Regenwaldes noch beschleunigen."

Von Rettet den Regenwald e.V. erhielt ich diese Auskunft:
"Kokosöl ist oft von Kleinbauern. Es ist nicht ganz so schlimm wie die Ölpalmplantagen. Wir würden es aber nicht empfehlen, da es auch aus den Tropen kommt."

Zwei Quellen, eine Message: Kokosöl ist im derzeitigen Anbau nachhaltiger als Palmöl, weil es oft von Kleinbauern produziert wird. Sollte Kokosöl aber als tatsächliche Alternative zu Palmöl in vielen Bereichen verwendet werden, ändert sich an der Problematik rein gar nichts.

War wohl nix mit der Patentlösung, und es bleibt wie in so vielen Bereichen: Unser derzeitiges Konsumniveau ist nicht nachhaltig und ungesund. Da gibt es nichts schönzureden.

Kommentare:

  1. Was ich beim packen schon ein mal gemacht habe, ist olivenöl "anzufrieren" und dann damit einen Teig zu machen. Das funktionierte recht gut.

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  2. Oh je, sowas dachte ich mir schon.

    Mein Ansatz war: Möglichst alle Produkte meiden, in denen Palmfett verarbeitet wurde. Produkte mit Kokosfett nur ausnahmsweise kaufen und wo immer möglich, auf einheimisches Rapsöl zurückgreifen. Ha. Mission impossible. Beispiele: Palmfett kann quasi nicht umgangen werden, es ist omnipräsent. (Sogar im heute gekauften Mohnmus ist es enthalten! Hätte ich doch bloss das Etikett gelesen... Aber wer kommt schon auf die Idee, dass ölhaltiger Mohn mit Palmfett versetzt wird?). Zum Sieden der eigenen Seife muss Kokosfett rein, sonst zickt die Haut. Raps- oder auch Olivenöl taugen zur Verarbeitung in Kuchen und Keksen, doch Geschmack und Konsistenz entsprechen leider oft so gar nicht meinen Vorstellungen.

    Also alles wieder auf Anfang und nochmal von vorne. *gnah*

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  3. Eine Sache macht Palmöl besser als Kokosöl: Ölpalmen haben eine hohere Produktivität, was heisst, dass Palmöl für genauso viel Öl auf kleineren Flächen kultiviert wird!

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  4. Hi Carola,
    auch dank deines Artikels, auf den ich dank einer Leserin aufmerksam geworden bin, experimentiere ich nun auch bei Plätzchen und Mürbeteig mit Öl herum :). Ich benutze High Oleic Sonnenblumenöl (wird in Bioläden als Brat- & Backöl verkauft), das zwar nicht aus Deutschland, aber zumindest aus Frankreich kommt und nicht raffiniert ist. Es ist eine Umgewöhnung - aber es funktioniert :)!! Sogar Pie Crust geht mit Öl und Wasser (heißt Oil Pie Crust). Plätzchen werden sehr sandig nur mit Öl und man kann eigentlich daraus nur Kugeln formen, aber sehr sehr lecker. American Cookies mache ich auch mit Öl, die muss man ja sowieso nicht ausstechen.
    Buttercreme (da ich vegan bin früher immer aus Margarine) ist nun komplett gestrichen.
    Ich danke dir für diesen wirklich informativen Artikel :)! Meine Reaktion war nämlich auch: Erst mal Kokosöl...
    Liebe Grüße,
    Shia

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  5. Ihr geht leider etwas falsch an die Sache ran. Egal welches Fett, das Problem ist der Anbau. Palmöl an sich ist nicht schlecht, außer das für den Transport aus den tropischen Anbaugebieten bis zu uns natürlich sehr viel CO2 freigesetzt wird. Wenn man sich aber die Ertragseffektivität ansieht, ist es ökologisch sogar sehr gut. Aufgrund der günstigen Eigenschaften ist aber eben auch die Nachfrage sehr hoch, was dann leider zu der unglaublichen Ausbeutung von Mensch und Natur führt, die wir bei Palmöl aber leider auch bei Soja und anderen beliebten Rohstoffen erleben.

    Was Greenpeace und andere Organisationen uns sagen wollen ist, es bringt nichts Palmöl zu vermeiden und dann auf bspw. Kokos oder Soja zu setzen. Das Problem wird dadurch sogar noch größer, denn durch die höhere Nachfrage wird die Industrie aufmerksam und die Anbaubedingungen werden sich leider auch bei diesen Rohstoffen entsprechend verschlechtern. Nur das dann dreimal so viel Fläche gerodet wird, um dieselbe Menge Pflanzenfett herstellen zu können. Wir müssen also danach schauen, wie die Rohstoffe angebaut werden und unseren Einfluss darauf geltend machen. BIO und RSPO und was es noch alles gibt kann dabei aber nur ein Anfang sein, die Standards müssen noch strenger werden und besser zu kontrollieren sein. Aber das können wir als Verbraucher gut beeinflussen und dafür müssen wir kämpfen.

    Kokosöl würde ich aus den oben genannten Gründen aber eben auch nicht empfehlen, da es die Situation mittelfristig noch schlimmer macht. Vielleicht noch heimatliche Fette wie Raps- oder Sonnenblumenöl aufgrund des geringeren CO2 Abdrucks. Andererseits brauchen die wieder viel mehr Anbaufläche, welche besser für Wiederaufforstungen genutzt werden könnte. Wäre ja auch schön wenn es Deutschland mal wieder mehr Wälder und nicht nur Felder geben würde. :/

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  6. @Marina: Die Bessere Ausbeute beim Palmöl geht mit einer deutlich stärkeren Auslaugung des Bodens einher, was dazu führt das die Bauern den Boden wesentlich stärker Düngen. Dieser Dünger wird während der Regenzeiten dann auch wesentlich stärker wieder ausgewaschen, was zu einer hohen Belastung letztendlich in den Meeren führt. Hoher Ertrag ist nicht immer mit Besser gleichzusetzten, bitte immer schauen auf wessen Kosten der Hohe Ertrag geht.

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