Donnerstag, 29. August 2013

Vegan und ich - wie geht es weiter?

Erst mal vielen, vielen herzlichen Dank für euren lieben Kommentare und Mails! Ich hatte mir natürlich Reaktionen auf meinen Post erhofft, aber dass sie so zahlreich, positiv und bestärkend sein würden, hatte ich dann doch nicht gedacht. Daher war ich mehr als überrascht, als ein langer und persönlicher Kommentar nach dem anderen eintrudelte. Mittlerweile habe ich sie alle beantwortet. Bitte seid nicht böse, wenn ich mir damit Zeit gelassen habe, aber ich wollte nicht eine eventuell entstehende Diskussion durch meine Einmischung abwürgen.

Ermutigend fand ich, dass es vielen von euch auch so geht wie mir. Dass ich nicht die Einzige bin, die genervt ist und zweifelt und strauchelt. Dass es menschlich und ok ist, wenn man so fühlt. Und dass es Möglichkeiten gibt, mit diesem Problem zu leben und doch mit sich im Reinen zu sein: Entweder, weil man sich für einen Weg entscheidet, der zu einem selbst besser passt, oder weil man sich vor Augen führt, warum man ursprünglich vegan leben wollte, und dann daraus neue Kraft zieht.

Besonders wichtig fand ich für mich vor allem zwei Gedanken, die ich hier herausheben möchte. Alle könnte ich gar nicht nennen, dazu waren es einfach zu viele, aber ihr findet sie ja alle in den Kommentaren.

Erstens: Der leichte Weg ist nicht immer der richtige. Und der richtige nicht immer leicht.
Wenn ich daran zurückdenke, wie es mir ging, bevor ich vegan wurde, dann erinnere ich mich, dass ich permanent ein schlechtes Gewissen hatte. Ich handelte gegen das, was ich für mich als „richtig“ definiert hatte. Und zu diesem Zustand möchte ich nicht zurück. Daher bleibt es für mich bei der veganen Lebensweise. In den letzten Tagen ist sie mir auch wieder leichter gefallen. Einige hatten es auch als Tipp gegeben: Sich immer wieder selbst vor Augen halten, warum man sich für das vegane Leben entschieden hat. Mit ganz konkreten Gründen arbeiten.

Und zweitens: Welche Entscheidung man auch trifft, sie ist nicht für immer.
Vielleicht passt jetzt die eine Lebensweise, und in ein paar Jahren passt eine andere. Es ist ok, sich selbst immer wieder neu zu verorten und seinen eigenen Weg zu finden.
Die Zweifel werden also sicher wiederkommen, und vielleicht wird dann die Entscheidung eine andere sein. Aber vorerst geht es für mich vegan weiter.

Danke euch allen für euren Zuspruch und eure Hilfe!

Kommentare:

  1. Danke das du noch mal zwei so wichtige Grundsätze für uns rausgepickt hast.
    Grad wenn man unterwegs ist, auf Veranstaltungen, in Restaurants oder bei jemand eingeladen ist, denke ich, sollte man es vielleicht auch nicht so megastreng und verbissen sehen.
    Es käme für mich nie in Frage Fleisch zu essen, aber gibt es z.B. nur ein Dressing und da ist Joghurt drin? Ja dann ist das halt mal so. Ich esse meinen Salat deswegen nicht trocken.
    Aber nur weil ich mir solch eine Ausnahme zugestehe, heisst das nicht, das sich meine grundlegende Einstellung geändert hat.

    Grüßle, Jessi

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    1. Mir geht es wie Jessi. Ich habe mal mit meiner Oma zusammen gekocht, sie hatte extra gefragt, was wir denn machen könnten und wir haben uns auf Gemüsesuppe geeinigt. Sie war extra einkaufen und wir haben zusammen das Gemüse geschnippelt etc... und am Schluss hat sie, ganz aus Gewohnheit, einen Schuss Sahne in die Suppe gegeben. Ich habe sie dann trotzdem gegessen, meine Oma war auch ganz zerknirrscht, es war wirklich keine Absicht.

      Ich wünsche dir alles Gute weiterhin, egal wie es weitergeht :-)

      Liebe Grüße

      Jacy

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  2. Liebe Carola,

    das sind zwei wunderbare Grundsätze, die Du Dir rausgesucht hast.
    Der erste Grundsatz kann man auf viele Dinge im Leben münzen.
    Aber generell ist es so, wenn man Bewußt lebt, ist es nicht immer einfach.
    Sei es mit der Ernährung, Sport oder andere Dinge im Leben.
    Wichtig ist das man autentisch bleibt und es annimmt.

    2ter Grundsatz ist ein sehr echt wichtiger, denn ob im Buddismus oder der Spirituellen Weltansicht heißt es, nichts ist beständig.
    Man leidet nur wenn man etwas personifiziert.

    Ich finde es ist wichtig sich das immer klar zu machen, somit fällt es einen einfach Dinge anzunehmen.
    Wichtig ist nur das man es mit dem Herzen tut.


    Ich hab gerade erfahren, das in der Zeitung der Artikell über mich und meiner veganen Lebensweise erschienen ist.
    Ich werde den dann posten und hoffen, das er dir ein lächeln auf dein Gesicht zaubert

    LG Sören

    Ps: egal es wir essen oder tun, wir sind alle Lebewesen :)

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  3. das gefällt mir, das Sören schreibt ... "wenn man bewusst lebt, ist es nicht immer einfach" ... oftmals ist es auch so, dass es sich so mancher einer einfach lieber leicht macht als "Bewusstsein" einzubringen - nur mit "Bewusstsein" kommt Veränderung und unsere Welt braucht Veränderung in allen Ebenen ...

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  4. Ich habe mich damit arrangiert, dass ich auswärts vegetarisch esse und für mich zuhause einfach nur vegan koche. Damit kann ich leben, und mache mir das Leben nicht so schwer. Ich bin aber auch weniger aus dem Tierrechtlichen denn aus dem gesundheitlichen Standpunkt auf die vegane Küche gekommen.
    Lg,
    Rose

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  5. Dazu aus meiner Sicht folgendes:

    Was nützt ein Mensch der sich selber kasteit und zu 100% perfekt vegan lebt und unzufrieden ist, seine Mitmenschen drangsaliert, sich selber isoliert und als Spinner in seinem Umfeld bezeichnet wird?
    Nix... das ist so, als wenn man in einen See pinkelt und man glaubt, dass das Wasser dadurch wärmer wird.

    Wenn ich aber auf dem richtigen Weg bin und selber nur zu 50% veggi bin, und es schaffe, dass die Leute in meinem Umfeld bewusst 1-3 mal pro Woche auf Fleisch zu verzichten,.. dann habe ich im Endeffekt mehr erreicht, als wenn ich mich als 100% Veganer drangsaliere und mich im Umfeld isoliere.

    Viele Grüße
    Peter

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  6. Sehr toller Beitrag und danke, dass du dieses Thema angesprochen hast!

    Jeder Mensch muss selbst entscheiden und sich mit seiner Entscheidung wohl fühlen können.
    Für mich ist es am schwierigsten, wenn es man grundlos für seine Entscheidung der planzlichen Ernährung angegriffen wird, oder auch nur aufgezogen wird. Das verletzt mich, denn ich habe den jeweiligen Personen ja nichts getan.
    Ich sehe das ähnlich wie Peter. Ich bemühe mich mein Umfeld nicht mit meinem vegan-sein zu nerven, sondern versuche zu zeigen, dass vegane Ernährung (ja, es ist eine Lebensweise, aber Essen fällt am meisten auf) Spaß macht. Und da fange ich beim Essen gehen mit der Familie keine Diskussion mit der/dem Kellner/in an, wie der Essig geklärt wurde und ob die Pommes im selben Fett frittiert wurden wie das Fischstäbchen usw.

    Liebe Grüße
    Catta

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    1. Hallo ohneplanvegan,
      ich sehe es ähnlich wie du, aber bei pommes die nach Fisch oder Fleisch schmecken hör die Toleranz bei mir auf :(
      Das wollte ich auch früher nicht haben als ich noch Omni war.
      Aber ansonsten seh ich das genauso.

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  7. Liebe Carola,

    ich finde es toll, wie engagiert und reflektiert Du dich für eine vegane Lebensweise einsetzt. Durch die Teilnahme an einem von Dir geleiteten Kochkurs im vergangenen Jahr habe ich persönlich wichtige Impuls für eine stärkere Hinwendung zum Veganismus als logische Konsequenz meiner über 15jährigen vegetarischen Ernährugsweise bekommen und versuche mich nun an einem eigenen kleinen Blog (hoffe Die Verlinkung ist Dir recht).

    Bei aller Sinnhaftigkeit der veganenen Lebensweise sehe ich aber etliche Widersprüche etwa in Umwelt- und Artenschutz, Biodiversität. Diese will ich auch in meinem Blog thematisieren.
    Und nicht vergessen: Essen ist Genuss, nicht nur "Nahrungsaufnahme". Einige vegane "Ersatzprodukte" entstammen eher einem Chemiebaukasten und schmecken leider auch so - ich lasse diese einfach weg, gerade im Sommer bietet die Frischetheke der Natur abwechslungsreichen Gaumenschmaus.
    Bleibe stark, aber vor allem Du selbst!

    LG aus Wettenberg

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