Sonntag, 17. März 2013

Buchverlosung und Rezension: Jung, männlich, vegan. Warum junge Männer zu Veganern werden.


Ehrlich gesagt kenne ich nur wenige Veganer persönlich. Spontan fallen mir nur zwei ein, die eine davon eine Kommilitonin aus den Tagen in den Haushalts- und Dienstleistungswissenschaften, ihres Zeichens Kampagnenleiterin bei PETA: Sabine Weick. Ihre Masterarbeit bestand in einer essbiografischen Fallstudie, in der sie versuchte, zu ergründen, wie und warum junge Männer zu Veganern werden. Und eben diese Arbeit ist jetzt unter dem Titel "Jung, männlich, vegan: Warum junge Männer zu Veganern werden: Eine essbiografische Fallstudie"*
im ibidem-Verlag erschienen. Natürlich ist ein Buch besonders interessant, wenn es von einer Bekannten geschrieben wurde! Und freundlicherweise war der Verlag bereit, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

Das Buch und sein Inhalt (und meine Meinung dazu)


Worum geht es genau? Der erste Teil des Buches spannt den theoretischen Hintergrund für die Fallstudie auf. „Den Veganer“ gibt es nicht, und ebenso vielseitig wie die Veganer selbst sind auch die Möglichkeiten, zu einer veganen Lebensweise zu kommen. Dennoch gibt es eine Reihe von gesellschaftlichen und persönlichen Faktoren, die dazu beitragen, die persönliche Ernährungsweise zu bestimmen. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Biografie: Persönliche Krisen und Umbruchsphasen im Leben erhöhen der Theorie nach die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch das Essverhalten ändert – sei es durch geänderte Überzeugungen oder aber durch gewandelte äußere Umstände, die es möglich machen, eine schon zuvor gefasste Überzeugung auszuleben.

Der zweite Teil der Studie ist empirisch: Vier junge Veganer im Alter von Anfang 20 bis Anfang 30 wurden in narrativen Interviews zu ihrer Essbiografie befragt. Dabei kristallisieren sich Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede heraus. Natürlich ist die Datenlage mit vier Interviews recht dürftig, aber dennoch entwickelt Sabine Weick vorsichtig ein auf den Übergang zum veganen Leben bezogenes Modell. Es geht in der ersten Stufe von der passiven Sozialisation des Essverhaltens aus, die durch Kultur und Gesellschaft geprägt ist. Durch einen äußeren Auslöser beginnt die Phase der vegetarischen Sozialisation, in der sich die betreffende Person mit der vegetarischen Lebensweise auseinandersetzt, sie gegenüber der Umwelt vertritt und weitere Informationen sammelt. Ein zweites, meist selbst aufgesuchtes Schlüsselerlebnis bildet den Eintritt in die vegane Sozialisation, die Identität stiftet und häufig von Rationalität getragen ist.

Die Autorin: Sabine Weick.

Wüsste ich nicht, dass Sabine Weick selbst Veganerin ist, und würde sie es nicht im Text erwähnen, hätte ich es zumindest vermutet. An einigen Stellen scheint durch die Formulierungen die positive Bewertung der veganen Lebensweise mehr als deutlich durch. Das kann einerseits ein Vorteil sein: Für die narrativen Interviews hat diese Grundeinstellung sicher zu einer vertrauensvollen Atmosphäre beigetragen. Andererseits kann eine ideologische „Vorbelastung“ des Autors auch unbeabsichtigte Nebenwirkungen haben, zumal bei narrativen Interviews auch immer eine subjektive Bewertung des Gesagten durch den Interviewer erfolgt. Wissenschaftliche Standards wurden aber auf jeden Fall eingehalten: Sabine Weick macht sowohl ihre Methoden als auch ihren veganen Hintergrund für den Leser transparent und zeigt insbesondere im ersten Teil einen umfangreichen Überblick über die Literatur. Dass dabei nicht nur streng wissenschaftliche Studien zitiert werden, ist bei einem solchen Randthema nur natürlich.

Dennoch ist der erste Teil des Buches bei weitem keine leichte Kost, denn der größte Teil besteht aus wissenschaftlichen Theorien. Durch die große Zahl von Quellen wirkte der Text auf mich beim ersten Lesen unübersichtlich und ohne roten Faden. Im zweiten Durchgang kristallisierten sich jedoch Kernpunkte heraus, und schließlich: Essbiografien sind einfach keine übersichtliche, lineare Angelegenheit, sondern von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Da verwundert es nicht, wenn auch die Darstellung der Zusammenhänge nicht simpel und widerspruchslos sein kann. Wer Interesse daran hat, durch welche kulturellen, gesellschaftlichen sozialen und persönlichen Faktoren Essverhalten bestimmt wird, wird eine große Zahl von Anregungen und spannenden Quellen finden. Dabei muss man nicht allem zustimmen; ich bin vor allem über die (immer wieder, und nicht nur in diesem Buch) geäußerte Behauptung gestolpert, dass der gesellschaftliche Wandel Wahlmöglichkeiten für den Konsum (nicht nur, aber auch von) Lebensmitteln eröffnet, die bewusst wahrgenommen werden müssen. Meiner Einschätzung nach trifft das in erster Linie für die gut ausgebildeten Teile der Gesellschaft zu; ein Großteil der Menschen wählt seine Konsumgüter nicht bewusst bzw. nicht nach anderen Kriterien als dem persönlichen Gebrauchswert und dem damit verbundenen Status aus. Dies wird an anderer Stelle im Buch deutlich: Auch Sabine Weick hebt hervor, dass sich Veganer in erster Linie in den gebildeteren Gesellschaftsschichten finden.

Alles in allem ist der erste Teil also interessant, wenn auch nicht immer leicht zu lesen – obwohl die Autorin auch Zitate von Veganern aus der Studie von Angela Grube zu veganen Lebensstilen einfließen lässt.

Für den zweiten, empirischen Teil des Buches gilt: Sehr spannend! Ich finde es immer gut, wenn ich auch mal „andere“ Veganer außerhalb meiner Bloggerwelt mit ihren Geschichten und Überzeugungen kennenlerne, und sei es nur auf dem Papier.

Das Fazit


Und wer nur an einem kurzen Fazit zum Buch interessiert ist, möge die folgenden Sätze lesen: Sabine Weick hat nach einem umfassenden Überblick über die Literatur zu den Einflüssen auf das persönliche Essverhalten narrative Interviews mit vier männlichen Veganern geführt, um herauszuarbeiten, wie ein junger Mann zu einer veganen Lebensweise kommen kann. Dabei zeigten sich große persönliche Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten, die die Autorin in einem Modell zusammengefasst hat. Kein Buch zum Einfach-mal-nebenher-Lesen, aber dennoch sehr empfehlenswert!

Das Gewinnspiel


Schade finde ich nur, dass das Buch mit 24,90 Euro relativ teuer ist. Aber es gibt Abhilfe: Das Rezensionsexemplar möchte ich nicht behalten, sondern unter euch verlosen! Jeweils ein Los bekommt ihr, wenn ihr
  • (mit eurer Mailadresse!) unter diesem Beitrag kommentiert,
  • diesen Link zum Gewinnspiel auf Facebook teilt (je ein Los für das Teilen als Privatperson und eins für das Teilen auf eurer „offiziellen“ Facebookseite, falls ihr eine habt) – bitte teilt nur den verlinkten Beitrag, und zwar öffentlich, ansonsten wird das Nachverfolgen für mich unmöglich -,
  • den Link zum Gewinnspiel mit @twoodledrum twittert (auch hier wieder je ein Los für privat und für euren Blog) und
  • wenn ihr auf eurem eigenen Blog auf das Gewinnspiel hinweist (mit Link zu diesem Post - bitte schreibt das dann in eurem Kommentar!).

Das Gewinnspiel läuft bis zum 26. März um 23.59 Uhr. Am 27. März werde ich den Gewinner auslosen und hier auf dem Blog bekanntgeben.

Die Daten


Ich wünsche euch viel Glück! Und für die, die leer ausgehen, hier noch einmal alle Daten zum Buch zum Selbstbestellen:

Sabine Weick: "Jung, männlich, vegan: Warum junge Männer zu Veganern werden: Eine essbiografische Fallstudie"*
ibidem-Verlag, 156 Seiten, Paperback. 2013
ISBN 978-3-8382-0460-4


* Affiliate Link: Wenn ihr auf den Link klickt und anschließend bei Amazon bestellt, erhalte ich einen gewissen Prozentsatz des Warenwertes.

Kommentare:

  1. Toller Tip.
    Evtentuell erfahre ich aus dem Buch warum ich vegan geworden bin. :D
    Bin auch "jung, männlich und vegan" ;)

    Hab nun komentiert, getweetet und auf FB geteilt, auf meinem blog veröffentliche ich es, wenn ich weiß, ob ich dein foto von buch posten darf.

    Danke für die Empfehlung

    VLG Sören

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    1. Hallo Sören,
      auch hier noch mal: Ja, das Foto kannst du sehr gern verwenden :)
      Liebe Grüße
      Carola

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  2. ui, das würd ich gern gewinnen - erst selbst lesen, und dann meinem besten freund schenken, der ist nämlich gerade veganer geworden, und er interessiert sich sehr für soziologie und speziell das thema "männlichkeit".
    dann warte ich mal sehnsüchtig auf den 26.märz und hoffe, dass mein los gezogen wird...
    lg mausi

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  3. Ich will gewinnen :)
    gogreeneatclean@gmail.com bin mit einem Los dabei!

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  4. Sehr interessantes Thema, würd ich auch gern lesen. Ohne Facebook&Co muss ich mich mit einem Los begnügen, aber man soll ja nichts unversucht lassen ;-)
    shmackle äht web.de

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  5. Das hört sich spannend an. Die Frage, warum Männer vegan werden, stelle ich mir bei jedem Veganer den ich kennenlerne (ok, die konnten bisher an einer Hand abgezählt werden...). Würde das Buch sehr gerne gewinnen!

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  6. Das Buch klingt auf jeden Fall interessant. Ich würde gern gewinnen.
    chibi07[at]web[punkt]de

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  7. Oh, so ganz ohne die ganzen 'neuen' Medien wird das zwar schwer, aber man kann es ja mal versuchen ;)

    Spannenderweise (anscheinend auch ungewöhnlicherweise) kenne ich einige Veganer_innen und der überwiegende Teil ist männlich. Allerdings habe ich mit ihnen noch nie wirklich über ihre Ausgangsmotivation gesprochen - natürlich über die jetzige Sicht, aber der 'Einstieg' ist eigentlich viel spannender. Vielleicht sollte ich das mal nachholen :)

    Einen lieben Gruß,
    Ani (ani.sch ät yahoo.de)

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  8. Ich muss grad scharf nachdenken... Mir fällt nicht mal ein männlicher Vegetarier ein... Mein Kerl sagt immer: find ich super, nix für mich... Mpf. Ob es in dem Buch vllt das ein oder andere überzeugende Argument gibt? Auch für mich, die ich noch nicht ganz beim Veganen angekommen bin...?

    LG
    meinehautdiezicke @ hotmail.de

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  9. Das klingt wirklich interessant!
    Ein Freund von mir ist seit gut ein einhalb Jahren Veganer, das Buch würde uns sicher neuen Gesprächsstoff liefern.
    Ich hüpf also mal schnell ins Lostöpfchen :)

    Liebe Grüße
    Leonie

    blah schmier @ web . de (alle Leerzeichen weglassen)

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  10. Das Buch klingt, finde ich, super! Endlich mal mit Klischees aufräumen - warum meinen so viele Männer eigentlich immer, dass Fleisch essen männlich ist? ;-)
    Bin auch gerne dabei :) lthoben91@hotmail.com

    LG Laura!

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  11. Finde ich toll, dass Du das Buch verlost. Für Ostern will ich Deine Rocherkugeln machen, wenn ich dann beim Naschen noch in dem Buch schmökern könnte, das wäre doch klasse. :-)
    Viele Grüße
    Biene
    asbeiputzen @ yahoo.de

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  12. Ich bin selbst auch männlich, vegan und würde das Buch gerne gewinnnen..:)

    mytohuwabohu@web.de

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