Freitag, 7. Dezember 2012

Warum ich es wichtig finde, fair gehandelte Schokolade zu kaufen und auf Palmöl zu verzichten, obwohl die Mehrheit der Veganer sich offensichtlich davon angegriffen fühlt

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, den Adventskalender nur für den Vegan Wednesday zu unterbrechen und sonst für nichts. Und eigentlich schreibe ich hier auch wenig zu meinen persönlichen Überzeugungen. Aber nachdem ich heute den x-ten Blogpost zum Thema „Warum es mir scheißegal sein darf, ob irgendwas mit Palmöl produziert wurde“ gelesen habe, ist mir doch der Kragen geplatzt.

Der Tenor dieser Posts ist immer derselbe. Veganes Leben ist schon schwierig genug, man möchte daher doch bitte Verständnis dafür haben, dass der/die SchreiberIn nicht mit belanglosem Kram wie fairem Handel oder Palmöl belästigt werden möchte. Es gibt ja schließlich auch finanzielle Restriktionen, und es ist mühsam und überhaupt. Und ganz wichtig: Dass man vegan lebt, bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, sich auch für andere Themenfelder oder Probleme zu interessieren! Nur, damit das mal gesagt ist.

Dem letzten Punkt stimme ich zu. „Vegan“ bedeutet den Verzicht auf Produkte tierischer Herkunft, nicht mehr und nicht weniger. Dass das streng genommen nicht möglich ist – geschenkt. Ich denke, jeder weiß, was gemeint ist. Daher würde ich niemandem absprechen, vegan zu leben, der konventionell gehandelte Schokolade kauft und als pflanzliches Fett ausschließlich Margarine verwendet.

ABER. Und das ist mir wichtig, weil es mir einfach nicht in den Kopf will: Wie kann man Probleme wie Kindersklaven im Kakaoanbau in Afrika oder die Vertreibung von Ureinwohnern (sollte das nicht der politisch korrekte Begriff sein, bitte ich um Nachsicht) als Veganer nicht einfach nur ignorieren, sondern schlichtweg noch verleugnen, indem man sagt: „Man kann sich schließlich nicht um alles kümmern“? Gerade einem ethisch motivierten Veganer (mit denen, die sich aus gesundheitlichen Gründen vegan ernähren, sieht es sowieso anders aus) kann das doch nicht einfach egal sein?

Mir geht es dabei gar nicht darum, dass man um bestimmte Dinge einfach nicht weiß und sich daher keine Gedanken darum macht. Gerade der Einstieg in den Veganismus ist schwierig genug, und es gibt so viel Neues zu beachten, dass man nicht für alles einen Kopf haben kann. Manche Dinge werden einem auch erst recht spät bewusst, wie mir z. B. die Palmöldiskussion. Was ich meine, sind Behauptungen wie die, dass man permanent von anderen Veganern angegriffen wird, wenn man nicht fair kauft oder nicht auf Palmöl achtet, und dass man sich gerade deshalb in Zukunft aus diesen Diskussionen heraushalten und mit Absicht nicht mehr auf diese Themen konzentrieren wird. Achtung, Angriff! Verteidigungshaltung. Problem für sich persönlich wegschieben und verleugnen. Fairtrade und palmölfrei ist offensichtlich nur was für Freaks, die andere laufend kritisieren und selbst keine Freude mehr am Leben haben.

Mich erinnert das frappierend an die Abwehrhaltung, die viele Fleischesser einnehmen, wenn das Gespräch auf eine vegane Ernährung kommt. Ich verlange von niemandem eine Rechtfertigung, sondern bin eigentlich am zufriedensten, wenn ich in Ruhe meine Pommes essen kann. Dennoch wird mir ständig versichert, dass man natürlich nur hochwertiges Fleisch kauft und auch das nur sehr selten. Irgendwie scheinen sich viele Leute von meiner reinen Existenz angegriffen zu fühlen – weil ich ihr schlechtes Gewissen zum Vorschein bringe, das sie sich sonst erfolgreich ausreden. Und dasselbe scheint mir hier auch zu passieren. Weil es einige gibt, die versuchen, fair gehandelte Produkte zu kaufen und Palmöl zu vermeiden, fühlt sich der Rest, der das nicht tut, angegriffen und beißt los.

Woran liegt das? Daran, dass viele der „neuen“ Veganer jetzt die Periode des Anfangseuphorismus hinter sich gelassen haben und in der harten Realität ankommen, die eben nicht nur aus tollen neuen Produkten, veganen Restaurants und interessanten Rezepten besteht, sondern auch aus trockenen Brötchen als Snack für unterwegs und auf Partys und ermüdenden Nachfragen aller möglichen Leute, wenn nicht gar Unverständnis und Anfeindungen von Familie und Freunden?

Ich finde es absolut nachvollziehbar, dass man da irgendwann die Lust verliert. Aber dann seid wenigstens ehrlich. Sagt, dass es euch zu viel wird und dass ihr nicht auf noch mehr achten wollt. Dass euch die Sache an sich wichtig ist, ihr aber für euch momentan keine Möglichkeit zur Umsetzung seht, weil euch der Rest zu sehr beschäftigt. Aber schiebt doch bitte nicht die Schuld auf die, die in eine bestimmte Richtung arbeiten, weil es für sie einfach wichtig und richtig ist, und behauptet, ihr hättet ihretwegen keine Lust mehr, euch mit der Sache auseinanderzusetzen. Vielleicht könnt ihr dann aus der Defensive und zu einer reflektierten Haltung kommen.

Die kann wegen mir gern lauten, dass es euch zu viel ist und ihr bestimmte Produkte einfach zu gern esst, um sie aufzugeben. Mein Freund isst Fleisch aus genau diesem Grund: Er findet es zu lecker, um darauf zu verzichten. Daher isst er Fleisch, wenn er Lust darauf hat. Damit kann ich leben. Es ist seine Meinung. Ich fände es nur schlimm, würde er es aus Gewohnheit essen, ohne sich weitere Gedanken zu machen, und dann verkünden, einen Verzicht könne man ja nun wirklich nicht von ihm verlangen, das wäre ganz unmöglich!

Etwas Ähnliches würde ich mir für die vegane Community wünschen: das Problem anzuerkennen und selbst zu sehen, wie weit man gehen kann, statt die zu bashen, die nichts tun (wenn man selbst viel macht), oder die, die viel machen (wenn man selbst nichts tut).

So, jetzt geht es mir besser. Und wer mag und sich bisher hierher durchgearbeitet hat, ist herzlich eingeladen, sich das heutige Adventskalendertürchen anzuschauen: Gourmandes Cranberry-Walnuss-Schnecken.

Kommentare:

  1. Ich finde es auch wichtig, auf solche Dinge zu achten, finde es aber genau so wichtig zu betonen, dass das an sich nichts mehr mit Veganismus an sich zu tun hat, aber oft zu einem Bestandteil dessen gemacht wird. Das, was du ansprichst fällt meinetwegen unter das Thema Nachhaltigkeit, Artenschutz, Einsatz für Menschenrechte...aber nicht unter Veganismus.

    Sehr oft lese ich aber Kommentare wie "Wer aur x,y,z nicht achtet, ist kein Veganer!"...was ich absolut anmaßend finde. Wer sagt denn, dass die meisten auf sowas nicht achten wollen würden, wenn es für sie finanziell möglich wäre. Gerade bei Palmöl sind die Firmen noch sehr spärrlich. Nehmen wir mal Lush...nicht gerade günstig, dazu verwenden sie noch andere bedenkliche Chemikalien. Die meiste hochwertige NK ohne Palmöl ist hochpreisiger als das, was es bei DM etc. gibt. Zumeist muss noch in speziellen Geschäften danach gesucht/verlangt werden. Bei Lebensmitteln mag es gehen darauf zu achten, vor allem wenn man selbst viel frisch kocht. Gut, man könnte auch auf Kosmetika und Pflegeprodukte verzichten, sich auch da radikal umstellen. Es geht immer irgendwie noch besser und umweltfreundlicher. Das weiß ich nur zu gut. Es ist wie ein Fass, dass wenn es einmal offen ist, immer neue Probleme ausspuckt.

    Die Frage, die sich für mich immer stellt ist: Bis zu welchem Punkt beachte ich diese Sachen gerne und aus voller Überzeugung und ab wann mache ich es nur, weil es gut wäre bzw. von mir verlangt wird. Die Motivation für die Entscheidungen spielen doch eine wichtige Rolle.

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    1. Wo liest du denn solche Kommentare? Also ich meine mit genau diesem Wortlaut? Mir sind die noch nie untergekommen, ich lese aber zugegebermaßen auch nicht so sehr viel.

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    2. Am meisten artet das Ganze auf Facebook aus, auf den diversen Seiten der veganen Vereine etc. Ich habe daraufhin fast alle Abbonements dort gekündigt, weil meine Pinnwand dann immer voll war mit solchen Diskussionen. Ganz schlimm sind auch Veganforen. Ich hoffe nur, dass die Blogger Community lange davon verschont bleibt, aber auf manchen Blogs gehts dahingehend auch zur Sache. Mausflaus hat z.B. auch schon zu hören bekommen, wie schlimm es doch sei, dass sie ihr Gemüse bei Netto kauft. :-(

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    3. Wurde da allgemein kritisiert oder tatsächlich gesagt, das sei unvegan? Letzteres ist lächerlich. Mit ersterem muss man allerdings rechnen, wenn man Dinge öffentlich postet. Womit ich keine Hexenjagden rechtfertigen will. Eine Anmerkung reicht ja dann. Aber man kann eben auch nicht immer erwarten, dass alle hurra schreien, wenn man irgendetwas Veganes postet. Dass es vegan ist, macht es nicht automatisch ethisch korrekt.

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    4. Ich denke, es ist einfach eine Interpretationssache. Ich gehe da mit der Meinung des Machers des Films "We feed the world" - leider weiß ich seinen Namen gerade nicht: "Vegan bedeutet kein anderes Lebewesen zu eigenen Zwecken auszunutzen, auszubeuten, zu quälen oder zu töten". Dazu gehört es meiner Meinung nach auch, keine anderen Menschen auszubeuten, wie eben Kindersklaven in Afrika, Kinderarbeiter in Indonesien (für H&M etc.) usw.
      Aber wie gesagt ist der Begriff vegan, wie die meisten Begriffe, eben dehnbar und vielseitig interpretierbar. In erster LInie ging es dabei sicherlich "nur" um die Tiere und ich würde deshalb auch niemanden als nicht vegan bezeichnen, nur weil er Palmöl-Produkte, Soja aus konvetionellem Anbau oder nicht fair gehandelte Exportprodukte kauft.
      Jeder lebt eben auf seine Weise "mehr oder weniger vegan", wie er es am besten für sich umsetzen kann.
      Aber ich danke DIr sehr für Deinen Beitrag, der mir sehr aus der Seele spricht! Ich habe es auch satt, mich auf Facebook von rauchenden Veganern schimpfen zu lassen, nur weil ich Bilder von Tierversuchen für Zigaretten einstelle....

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  2. Liebe Carola, ich finde es sehr gut, dass du es geschafft hast dir den Ärger von der Seele zu schreiben und dabei gleichzeitig einen sehr guten "Ton" getroffen hast, der auch sensibilisiert.

    Ich würde es wie du genau so verstehen wenn man sagt: "Mir ist das zu viel, ich bin so beschäftigt damit, mich vegan zurecht zu finden." Denn das mache ich ein Stück weit auch und ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich war zu Beginn so beschäftigt damit, tolle vegane Alternativen zu finden, dass ich auf manches gar nicht mehr geachtet habe. Fair Trade zum Beispiel. Auf einmal habe ich stinknormale Schokolade gegessen und habe mir nichts dabei gedacht. Mittlerweile gibt unsere Süßigkeitenschublade wieder nur faire Schokolade her. Und ich bin froh, dass ich die Augen wieder offen habe. Auch reflektiere ich wieder viel deutlicher, ob ich irgendetwas wirklich brauche und springe im Bioladen nicht mehr auf jede mir neue vegane Alternative an. Einiges ist einfach schlicht zu teuer und auch unnötig.

    Seit einiger Zeit ist unsere Küche wieder deutlich normaler geworden (was man auch in der gesunkenen Frequenz der Blogeinträge sieht), wir haben jetzt eine Biokiste und kochen mit dem, was da drin ist. Das ist dann eben auch zum xten Mal Steckrübensuppe. Und ich musste neulich eine Diskussion führen, ob ich mich damit nicht total einschränke, denn wo bleibt bitte der Genuss? Dabei ist es so, dass ich mich auch über die xte Steckrübe freue, weil sie eine gute Qualität hat, weil ich weiß, dass sie aus der Region kommt und weil sie eben gerade Saison hat. Im Sommer gibt es dann wieder die xte Zucchini, und das ist auch gut so.

    Ich lese sowohl bei dir als auch bei Cara immer fleißig die Palmöl-SAchen mit. Der Punkt ist: Ich weiß, dass es ätzend ist, ich weiß, dass es sehr viel besser wäre, wenn ich auch darauf achten würde. Aber, es ist genau so wie du schreibst: Es ist mir gerade zu viel. Ich empfinde glutenfrei und vegan zwar als Bereicherung, aber auch als echte Herausforderung und gehe Schritt für Schritt in den Alltag. So war es mir zu Beginn der glutenfreien Ernährung praktisch unmöglich auf vegan umzustellen. Erst mit der Routine habe ich ein Gefühl dafür entwickelt, was ich sehr mag, was ich wirklich brauche, worauf ich verzichten kann. Jetzt klappt es glutenfrei und vegan. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich auch meine vegane Lebensweise noch optimieren werde.

    Dass man allerdings permanent angegriffen wird, wird sich wohl nie ändern. Egal, ob es Fleischesser sind, die betonen, dass sie das tollste und beste und netteste Fleisch essen, das zu finden ist und agressiv werden, sobald sie Argumente hören. Oder ob es vegan lebende Menschen sind (aus welchen GRünden auch immer), die auf agressive und beschämende Art und Weise damit beschäftigt sind die Augen nicht zu weit zu öffnen. Es ist anstrengend und ärgerlich. Deswegen finde ich deinen Post sehr sehr gelungen.

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    1. Danke :) Es freut mich, wenn es so angekommen ist, wie es gemeint war.

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  3. Da ich erst seid kurzem vegan lebe, habe ich am Anfang viele Sachen gekauft, wo ich Lust drauf hatte... erst im Nachhinein dachte ich, hm.. Palmöl is ja jetzt nicht so geil. Seitdem achte ich sehr genau darauf was in meinem Essen drin ist. Mit der Zeit lernt man auch viel selber zu machen :-) Dann weiß man auch was man isst. Ich denke, wer vegan lebt, der geht allgemein bewusster mit Produkten und deren Inhaltsstoffen um :-)

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  4. Ich bin einer dieser Genuss Fleischfresser, aber ich habe nichts gegen Veganer oder Vegetarier. Ich finde man kommt mit der Devise 'Leben und leben lassen.' immer recht gut durchs Leben. Wenn dir diese Dinge wichtig sind, dann ist es meiner Meinung nach auch gut und wichtig diese in deinem Blog mitzuteilen, in dem es immerhin um deine veganen Rezepte und Vorlieben geht. Ich fände es nicht richtig solche Sachen Tod zu schweigen, nur weil manch andere Probleme damit haben. Bisher fühle ich mich auch kein bisschen dadurch angegriffen, im Gegenteil ich liebe deinen Blog und da ich auch selbst als Bäckerin arbeite finde ich es echt toll ab und zu mal etwas neues auszuprobieren und bei dir im Blog sind einige Rezepte, bei denen es mir schon in den Fingern juckt ;)
    Also lass dir bloß nichts erzählen und bleib so, wie du bist.
    Gruß Hani

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  5. Bei mir ist die Veganhysterie wo ich alle möglichen Sachen aus den USA und Australien (dort gibts das meiste an speziellen veganen sachen) probieren musste und Ersatzprodukte etc. auch verflogen, brauche sowas kaum noch. Schokolade z.B. ess ich eigentlich sogut wie garnicht mehr, es sei denn mitr bietet jemand veganen kuchen an der zufällig schoko ist oder auf nem Brunch was schokoladiges ist.

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  6. ich denke, ob sich jemand dadurch angegriffen fühlt oder nicht hängt auch mit den gründen fürs vegan-sein zusammen. ich hab noch so peta-hefte aus den 90ern, damals war die argumentation ja rein auf tierschutz und ein klein bisschen gesundheit zentriert. inzwischen ist nachhaltigkeit ganz allgemein für die meisten menschen ja kein fremdwort mehr und auch die ernährungsdiskussion hat sich ziemlich verschoben, stichwort klima, co2, und z.b. beim thema massentierhaltung nicht mehr nur das leid der tiere, sondern auch folgen durch antibiotika, umwelt usw.
    wenn jetzt jemand nur aus gründen der tierliebe veganer_in ist, kann ihm wohl tatsächlich alles andere egal sein, weil er "sein" herzensthema damit ja umsetzt und sich gut fühlen kann. allerdings finde ich es da ziemlich vermessen, leute, die sich anders ernähren/leben, in irgendeiner art und weise zu verachten, sich für besser zu halten usw., denn nur weil man sich selbst einschränkungen auferlegt, heißt das nicht, dass die für alle anderen menschen richtig sind - egal ob denen fleisch schmeckt oder nicht - vielleicht haben die ein anderes thema, für das sie kämpfen!
    wenn jemand allgemein versucht, irgendwie nachhaltiger, rücksichtsvoller, gedankenreicher zu leben, mit seinem lebensstil eben so wenig wie möglich schaden anzurichten, dann ist es total befremdlich für mich, wenn so wichtige punkte ignoriert werden. "okay, die schokolade auf meinem keks ist von kindersklaven hergestellt, aber zumindest musste kein huhn dafür leiden" - tja, wenn einem ein huhn wichtiger ist als menschen, mag es einem damit schmecken, aber auf andere herabzusehen, weil sie ihre prioritäten eher auf menschen- als auf tierrechte legen, finde ich einfach von grund auf unsympathisch.
    und damit meine ich überhaupt nicht, dass man immer konsequent sein muss. ich kann es so absolut nachvollziehen, wenn jemand auf dieses oder jenes produkt nicht verzichten mag, weil es einfach keine gute alternative gibt oder man aus irgendeinem grund noch genau daran hängt. ich für mich hab festgestellt, dass es mir dann irgendwann sowieso nicht mehr schmeckt oder das bedürfnis danach einfach weg ist. und wenn nicht, naja, dann lebt man in so vielen anderen punkten doch trotzdem noch so, wie man es gerne möchte, und einer allein kann sowieso nicht die welt retten :)

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  7. Das kann ich alles so unterschreiben. Und nicht weil ich kein Palmöl mehr verwende (auch wenn ich es versuche, aber ich bin da noch nicht ganz so weit wie ich will, ich gehe das Produkt für Produkt durch bis nix mehr palmöliges da ist), sondern weil mich diese Diskussion so nervt. Das man nicht einfach zu geben kann "stimmt, das ist scheiße, aber ich mach das jetzt (noch) weil____" Irgendwie haben die meisten Menschen so ein Problem damit etwas zu machen von dem sie wissen, dass es nicht richtig ist, dass sie es lieber verleumden.

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  8. Hallo,
    ein sehr schöner Beitrag. Ich kann ebenfalls nicht nachvollziehen, wie einem gleichzeitig Tiere leid tun können, Menschen und die Umwelt im Ganzen aber nicht. Meien Frau und ich verstehen unsere Lebensweise als Versuch, in der Regel so wenig wie möglich Schaden anzurichten, gleichzeitig aber zu immer neu zu reflektieren, was alles Schaden anrichtet, und zu verstehen, dass Leben in unserer Welt ganz ohne Schaden nicht geht.
    Vegane Ernährung ist ein Aspekt des Ganzen. Ökologische Landwirtschaft ein anderer, Vermeidung von Treibstoffverschwendung und Abgasen durch Transport ein dritter. Vernünftige Arbeitsbedingungen und Handelsbeziehungen, und und und. Jeder muss für sich selbst einen Weg finden, den er vor sich selbst rechtfertigen kann. Wenn man sich immer wieder bewusst macht, _was_ alles schief läuft und was wir ganz persönlich im Kleinen, auf lange Sicht aber vielleicht auch im Großen ändern können, und sein Handeln danach anpasst, führt man ein vernünftiges Leben.
    Für aus Ignoranz geborene Aggressivität habe ich mittlerweile kein Verständnis mehr. Als ich begonnen habe, meine Lebensgewohnheiten anzupassen, insbesondere, nachdem ich vegan zu leben begonnen habe, vertrat ich immer die Meinung "levve un levve loosse", wie es in Köln heißt. Mir doch egal, wenn jemand es blöde findet, wie ich lebe, ist jedem sein eigenes Ding. Nach unzähligen, typisch verlaufenden Ernährungsdiskussionen bin ich irgendwann zu dem Punkt gekommen, an dem es mir nicht mehr egal ist, was der Andere tut oder sagt. Wenn jemand sein Handeln reflektiert und zu einem anderen Schluss kommt als ich und dafür Gründe hat, ist das in Ordnung, aber dann gibt es auch nichts zu diskutieren zwischen uns. Höchstens, uns gegenseitig unsere Gründe zu erklären. Aber dieses arrogante und ignorante Getue, ob es wahllose Fleischesser, Ökofleischkäufer, Vegetarier oder auch Style-Veganer, die nicht über ihren Tellerrand hinausdenken können, sind - wer zu ignorant ist, nachzudenken, seine Fehler, die wir alle haben, anzuerkennen und damit zu einer vernünftigen Entscheidung zu kommen, hat sich vollkommen disqualifiziert, mit mir über solcherlei Dinge zu diskutieren. Ich bin demjenigen in der Regel dann nicht mal böse, jedenfalls wenn er nicht selbst beleidigend wird. Aber die Diskussion ist sofort beendet. Ich habe mich so oft in Gesprächen wiedergefunden, wo ich plötzlich in der Position des Verteidigers bin und denke, wieso muss ich mich hier eigentlich verteidigen? Du solltest es, wenn überhaupt.
    Langes kurz: Jeder sollte so leben, wie er es für richtig hält - auch wenn ich finde, dass es am besten wäre, wenn sich alle meinem Ideal anpassen -, aber er muss Gründe dafür haben und über sein Handeln zumindest ab und zu nachdenken.

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