Donnerstag, 20. September 2012

Schokolade, Schokolade, Schokolade!


Wer hier schon länger mitliest (oder sich mal das Archiv angeschaut hat), hat möglicherweise die leise Vermutung, dass ich ein ganz klein wenig schokoladensüchtig bin (wer findet die Untertreibungen?). Also, offen und ehrlich: Schokolade ist meine Leidenschaft. Ich bin damit oft genug unglücklich, denn gesund ist einfach etwas anderes, aber welche Versuche ich auch mache, ich komme einfach nicht davon los.

Konsequenterweise habe ich mich dann auch als Bildungsreferentin im Weltladen schwerpunktmäßig mit Kakao und Schokolade beschäftigt. Ein beliebter Abschluss, wenn Schulklassen zu Besuch im Weltladen waren, war es immer, ihnen eine Tafel Schokolade und eine Liste mit den Beteiligten an der Schokoladenproduktion zu geben:
  • Kakaobauer
  • Kakao-Aufkäufer (im Anbauland)
  • Kakao-Importeur
  • Läden/Supermärkte
  • Staat (Steuern)
Dann die Frage: Ihr habt jetzt sehr viel über den Anbau von Kakao und seine Verarbeitung zu Schokolade gelernt. Stellt euch jetzt vor, diese Tafel Schokolade wäre der Lohn für die ganze Arbeit, also sozusagen das Geld, das damit verdient wird. Was denkt ihr, wer von diesen fünf Personengruppen wie viele Stücke Schokolade verdient hätte? Was fändet ihr fair?

Wenn ihr Lust habt, könnt ihr diese Übung ja gern einmal für euch machen! Wir haben danach immer mit den Kindern ihr Ideal mit der Realität verglichen, und die sieht so aus. Jetzt sollte man aber im Umkehrschluss nicht annehmen, dass im fairen Handel plötzlich der Kakaobauer den Löwenanteil an der Schokoladentafel verdient! Das ist nicht wahr.

Dennoch werden im fairen Handel existenzsichernde Preise über dem Weltmarktpreis gezahlt, Umweltstandards müssen eingehalten werden, Zwangsarbeit und illegale Kinderarbeit sind verboten, Bildung soll gestärkt werden, und die Produzenten können auf Wunsch eine Vorfinanzierung erhalten. Da ich jetzt nicht die Grundsätze des fairen Handels herunterbeten möchte, verweise ich einfach auf diese Webseite.

Und was soll das Ganze jetzt hier auf einem Kochblog? Nun, da Schokolade und Kakao nicht nur bei mir beliebte Zutaten sind, möchte ich auf den Widerspruch aufmerksam machen, den meiner Meinung nach durch die Verwendung von konventionell gehandelten Schokoladenprodukten in einer veganen Ernährung entsteht. Wie kann ich gegen die Ausbeutung von Tieren sein, mich gleichzeitig aber über günstige Schokolade freuen, wenn am Anbau des Kakaos mit nicht allzu geringer Wahrscheinlichkeit Kindersklaven beteiligt waren? (Diese Dokumentation des NDR beschreibt die Tatsachen sehr schön.) Das will und will mir einfach nicht in den Kopf.

Ich will damit nicht mal sagen, dass ich selbst hier 100%ig konsequent bin (auch wenn ich mir das ungern selbst eingestehe). Hier seht ihr die Produkte, die ich regelmäßig in der Küche verwende - auch wenn ich das Nougat wegen meines allzu schlechten Gewissens mittlerweile eigentlich gar nicht mehr kaufe. Aber vielleicht regt ja die Dokumentation doch den ein oder anderen dazu an, doch mal über den fairen Handel nachzudenken. So geschehen im Februar bei Lutz und Lena - ein Sinneswandel, über den ich mich immer noch wahnsinnig freue.


Kommentare:

  1. In arte gab es letztes Jahr eine echt mitreißende Doku über den Kakaoanbau an der Elfenbeinküste.. Ich glaube sie hieß: "Für uns süß, für andere bitter" oder so... Seitdem versuche ich auch so gut es geht auf "unfaire" Schokolade zu verzichten. Eigentlich ist es ja auch paradox, als Veganer nur darauf zu schauen ob es den Tieren gut geht. Menschen sind genauso Lebewesen und wenn sie bei der Produktion eines Lebensmittels zu Schaden kommen ist es eigentlich auch unvegan, aber ich habe auch immer wieder Probleme mit der Konsequenz.
    Wieso Schokolade auch so süchtig machen muss ?!
    Alles alles Liebe,
    Nora ^.x.^

    P.S.: Kennst du zotter Schokolade ? die ist bio fair und schnackt echt genial und sie haben schon eine ganz stattliche Auswahl an veganer schoki (die chili bird`s eye und die gojibeeren sesamnougat sind meine topfavoriten). leider mit 3,10 pro 75g auch ein stattlicher preis, aber der lohnt sich (meiner Meinung nach)

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    1. Zotter ist mir zu teuer, das kann ich bei meinem Mengen dann leider wirklich nicht mehr finanzieren :( Normalerweise kaufe ich die Zartbitterschokolade der gepa und verarbeite die weiter, und ganz selten gönne ich mir mal eine Tafel Reismilchschokolade von Bonvita oder noch lieber von Naturata.

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  2. Zotter führt veganes Nougat (nur das mit Haselnuss, das mit Mandel enthält Milch) - fair trade sind dabei Kakao und Zucker. Probiert habe ich es allerdings noch nicht.
    LG
    Christina

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    1. Danke für den Hinweis! Irgendwie muss ich das letztens bei meiner Recherche übersehen haben...

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