Montag, 2. Juli 2012

Warum das Foodbloggen meinen ökologischen Fußabdruck vergrößert II

Wow, so viele Reaktionen und Kommentare auf meinen gestrigen Post! Danke erst einmal für eure lieben Worte. Es freut mich, dass anscheinend viele an twoodledrum gerade die unkomplizierten Zutaten schätzen. Darauf bin ich nämlich bedacht; ich habe keine Lust, vor dem Kochen erst einmal eine Tour durch die gesammelten Veganshops der Republik zu starten, und am liebsten kaufe ich sowieso im normalen Supermarkt ein. Hier auf dem Land bleibt einem ja auch oft gar nichts anderes übrig.

Ich möchte hier noch einmal einige Argumente herausgreifen, die mir besonders wichtig scheinen.

Kochen, Backen und Fotografieren sind meine Hobbys, und dafür möchte ich auch Ressourcen einsetzen.
Dem möchte ich nicht widersprechen. In gewisser Weise rechtfertige ich damit auch mein eigenes Verhalten. Für jedes andere Hobby würde ich auch Ressourcen verbrauchen.

Wenn durch das, was ich zeige, andere vom Veganismus (oder auch Vegetarismus) überzeugt werden können, hat die Investition sich gelohnt.
Das stimmt wohl. Allerdings ist die Frage, ob man das nicht auch mit einfacheren Mitteln erreichen kann. Es geht ja nicht darum, nur noch ungebratenen Tofu zu essen. Aber das Haupthindernis bei der Umstellung auf eine vegane Ernährung ist ja weniger, dass man plötzlich keine aufwändigen Torten mehr backen kann, sondern dass es an Alternativen bzw. Vorstellungsvermögen für das mangelt, was täglich auf den Tisch kommt. Andererseits zeigen natürlich gerade die besonders tollen und aufwändigen Rezepte, dass auch "in vegan" all das möglich ist, was man sonst in Cafés und Restaurants bewundert. Brigitte hat schon recht, wenn sie da von einem Nachholbedarf spricht.

Optik ist nicht alles.
Das stimmt wohl. Dennoch scheint gerade bei den erfolgreichen Blogs (der Leserzahl nach zu urteilen) die Optik eine sehr große Rolle zu spielen - ich rede hier gar nicht nur von veganen Foodblogs, schließlich lese ich auch genügend andere. Natürlich greift hier auch in gewisser Weise wieder das Hobby-Argument. Generell möchte ich es aber eher wie Laura und Brigitte halten und an Dekogegenständen das verwenden, was sowieso schon da ist.

Versteht mich nicht falsch: Ich möchte gar nicht so weit gehen, mir selbst die Fondanttorten abzusprechen. Die machen mir Spaß, und ich hätte sie auch ohne twoodledrum irgendwann ausprobiert. Ich versuche aber gerade, für mich selbst herauszufinden, wo bei mir die Grenze zwischen Hobby auf der einen und der Suche nach Anerkennung auf der anderen Seite liegt. Das Durchstöbern anderer Blogs macht süchtig - und während ich stolz darauf bin, bewusst darüber nachzudenken, was Werbung mit mir anrichtet, bin ich bei Blogbeiträgen viel weniger kritisch und packe sie unreflektiert auf meine Nachkochliste.

Wie mohn sehr schön gesagt hat: Natürlich ist man als Veganer nicht verpflichtet, auf zusätzliche Dinge wie fairen Handel, Umweltverträglichkeit oder was auch immer zu achten. Wenn mein Anspruch die Tierleidfreiheit ist, ist dieser Anspruch mit dem Label "vegan" zu 100 % erfüllt. Darüber hatte ich mal eine interessante Diskussion mit Lena und Lutz von Laubfresser, und ich teile diese Ansicht. Wenn ich von mir allerdings mehr verlange als das und meinen Blog als "nachhaltig" ausgebe, scheint es mir unehrlich, die Nachhaltigkeit allein deshalb vorauszusetzen, weil ich nur Produkte pflanzlicher Herkunft und fast ausschließlich Schokolade und Kakao aus fairem Handel verwende. Wo liegt beim ökologischen Fußabdruck der Punkt, an dem mein Ressourcenverbrauch den eines anspruchslosen Milch- oder Fleischessers übersteigt, der drei einfache Mahlzeiten am Tag isst?

Und was wird sich jetzt konkret verändern?

Zuallererst habe ich meine Nachkochliste aufgeräumt und ein Board "Interessantes" erstellt. Dort kann ich jetzt guten Gewissens Rezepte sammeln, die vielleicht für besondere Gelegenheiten einmal gebrauchen kann, ohne sie ständig auf der Nachkochliste vor Augen zu haben. Bitte nicht wundern: Vieles dort scheint gar nicht so aufwändig und ist es auch nicht. Für mich persönlich würde es aber in vielen Fällen bedeuten, entweder eine Spezialzutat einkaufen zu müssen und dann Reste davon übrig zu behalten oder etwas zu kochen, von dem ich nicht sicher bin, ob ich es nachher mag. Und solange meine Nachkochliste gut gefüllt ist, muss das ja nicht unbedingt sein.

Eine Sache, die mir ein großer Dorn im Auge ist, ist Margarine. Bisher habe ich entweder nur Sorten mit Palmöl (meine geliebte Alsan Bio) oder Sorten mit gehärteten Fetten gefunden. Auf beides möchte ich weitgehend verzichten und daher in Zukunft Rezepte, die zwingend Margarine enthalten, nach Möglichkeit aussparen. Ganz ohne wird es wohl nicht gehen, dazu ist die Verlockung sicher an einigen Stellen zu groß, und auch zum Einfetten meiner Kuchenformen fällt mir keine andere Alternative ein. Auf mein Toastbrot übrigens auch nicht... Wenn ihr das Ideen habt oder Margarinesorten kennt, die frei von Palmöl und gehärteten Fetten sind: immer her damit!

Außerdem möchte ich in Zukunft noch sensibler in mich hineinhorchen, welche Rezepte ich für mich ausprobiere und welche eher für twoodledrum. Letztere sollten dann eher hinten auf der Liste landen bzw. ganz gestrichen werden. Selbiges gilt für Dekoartikel, wobei ich mir da wohl den ein oder anderen Flohmarktbesuch erlauben werde. Oh, und die Teilnahme an Blogevents, die Barbara ansprach, gehört hier natürlich auch dazu.

Zu guter Letzt denke ich darüber nach, einen Zweitblog zu eröffnen, der sich mit Themen des Konsums und der Nachhaltigkeit, aber auch mit Lebensgestaltung, Minimalismus, Gesundheit und Glück im Allgemeinen beschäftigt. Meine Gedanken über twoodledrum sind nämlich nur ein sehr kleiner Ausschnitt dessen, was mir seit einigen Monaten durch den Kopf schwirrt. Hier bin ich aber noch unentschlossen, ob das vom Zeitaufwand her eine gute Idee ist. Schließlich muss auch der Inhalt stimmen.

Alles in allem wird sich also wohl auf den ersten Blick gar nicht so viel ändern. Aber es sind ja oft die kleinen Dinge, die für die wirklich großen Veränderungen verantwortlich sind.

Kommentare:

  1. Wenn Beschreibungen von Kochvorgängen zu kompliziert sind bzw. exotische Zutaten nicht die Ausnahme sondern die Regel werden, dann beende ich das Abo eines Foodblogs meist recht schnell.
    Ich lese gern hier mit, obwohl ich kein spezielles Interesse an veganem Leben habe - vegetarisch reicht mir bis jetzt völlig.

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  2. Pinterest ist wahrlich prima, möchte es auch nicht mehr missen :) Ich gehe auch recht regelmäßig durch meine Liste und schmeiße das raus, was ich wohl doch eher nicht machen werde; so ein "Interessantes für besondere Anlässe"-Board wäre aber für mich auch mal eine Idee.

    Zur Margarine: Im Laden kenne ich auch keine Alternative. Aber vielleicht wäre selber machen ja etwas für dich? Auf veganbaking gibt es mehrere Butterrezepte, das hier ist das Grundrezept: http://veganbaking.net/fats/vegan-butters/735-vegan-butter
    Die Grundlage bildet dort Kokosfett. Wenn man vorhat, das regelmäßig zu machen, lohnt sich auch die Anschaffung der "exotischeren" Zutaten.

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    1. das ist ja ein unfassbar cooler Link, vielen Dank dafür!

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  3. margarine ist in der tat ein schwieriges thema...
    was das einfetten von kuchenformen betrifft: da nehme ich immer kokosöl, das klappt prima!
    wenn man das kokosaroma mag, ist es auf toast auch super, ausgenommen als unterlage für herzhafte dinge... unter schokocreme und himbeermarmelade besonders lecker (wobei schokocreme ja wieder das problem mit dem palmfett hat - es ist zum verrückt werden)

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