Sonntag, 1. Juli 2012

Warum das Foodbloggen meinen ökologischen Fußabdruck vergrößert

Statt einem Sonntagssüß heute ein etwas nachdenklicher Beitrag zu etwas, das mich schon seit Längerem beschäftigt.

Ursprünglich war ich mit twoodledrum (diesen Blog gibt es jetzt schon seit mehr als zwei Jahren!) angetreten, um einen Weg zu einer veganen und nachhaltigeren Ernährung aufzuzeigen und auch für mich selbst Rezepte zu dokumentieren. Zumindest Letzteres ist mir definitiv gelungen. Mein Freund und ich nutzen twoodledrum exzessiv als Koch- und Backbuch. Und auch das erste Ziel habe ich nicht völlig verfehlt. Offensichtlich sind knapp 80 Leute als regelmäßge Leser und mehr als 100 Personen auf Facebook an meinem Geschreibsel interessiert, und vor Kurzem konnte ich den 100.000sten Klick verzeichnen. Danke dafür!

Mich selbst hat twoodledrum allerdings nicht nur positiv beeinflusst. Ich habe durch das Bloggen und das Verfolgen anderer Blogs eine Richtung eingeschlagen, die mir selbst nicht mehr so richtig behagt. Für sich selbst Rezepte zu sammeln und sie gleichzeitig anderen zugänglich zu machen ist das eine. Die Suche nach Aufmerksamkeit und nach Erfolg ist das andere. Welcher Foodblogger möchte nicht gern viele Leser und viele Klicks haben? Schon lange geht es mir beim Ausprobieren von Rezepten nicht mehr ausschließlich darum, was mich selbst am meisten anspricht. Selbstverständlich stelle ich nichts her, was mir selbst nicht schmecken würde, aber ich könnte nicht behaupten, dass ich nicht auch daran denke, was sich gut zum Bloggen eignen würde. An vielen Stellen backe und koche ich dadurch mehr, als ich das "von Natur aus" machen würde. Der Lohn ist dann ein begeistertes "Oooh, wie toll ist das denn!" von meinen Lesern.

Zur Menge der Gerichte gesellt sich die Art der Zutaten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Blogpost umso erfolgreicher wird, je ausgefallener die Zutaten sind. Ich versuche mich hier (auch aus finanziellen Gründen) bewusst zu bremsen, kann mich aber nicht davon lossprechen, manchmal die "erfolgreichen" Foodblogger mit ihren exotischen Rezepten zu beneiden. Und auch beim normalen Backen sind ja viele Zutaten nicht ganz unproblematisch, man denke nur an Margarine.

Dazu kommt die Notwendigkeit einer ansprechenden Präsentation. Eigentlich habe ich kein großes Interesse am Fotografieren, aber seit ich mir mit meiner neuen (immerhin gebrauchten) Spiegelreflexkamera mehr Mühe gebe, sind die Besucherzahlen schlagartig in die Höhe geschnellt. Und ich muss jetzt immer öfter dem Drang widerstehen, mir eigentlich unnötige Dekogegenstände zu kaufen, die sich dummerweise gut auf den Fotos machen würden. Auch hier wieder der Neid auf andere Blogs, die ihre Fotos mit reihenweise tollen Accessoires wie schönen Glasflaschen, Cupcake Wrappers, bunten Hintergründen oder Etiketten ausstatten.

So gesehen hat ein Blog, der Nachhaltigkeit fördern soll, bei mir selbst paradoxerweise dazu beigetragen, dass ich mich weniger nachhaltig verhalte. Natürlich wird die Welt wegen eines zusätzlichen Päckchens Kakao nicht untergehen. Dennoch: Der "unnötige" Konsum, der durch twoodledrum verursacht wird, stößt mir sauer auf. Vielleicht werden sich daher deshalb hier in der nächsten Zeit einige Dinge ändern. Ich hoffe, ihr bleibt mir trotzdem weiter treu.

Kommentare:

  1. Liebe CH,

    natürlich ist es toll, wie manche Blogger ihre Werke präsentieren. Aber dein Essen ist doch auch immer richtig schön ansehnlich! Mir ist ehrlich gesagt sogar nie aufgefallen, dass bei dir irgendein Dekokram "gefehlt" hätte.
    Ich mag dein Blog und finde dich, von dem, was ich hier mitkriege sehr sympathisch. Deine Rezepte mag ich, gerade weil sie nicht unglaublich exotisch sind. Meist habe ich zu Hause, was du an Rezepten angibst, und kann gleich loslegen.
    Bei anderen Blogs denke ich mir erst: kenn ich nicht, hab ich nicht, och nöö, lass mal.
    Exotisch und kompliziert ist nicht gleich besser!

    Ich bleibe dir also treu :)

    Liebe Grüße
    Lisa

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  2. Ich werde deinen Blog auf jeden Fall weiter verfolgen :-). Ich finds super, dass du dein eigenes Verhalten immer wieder hinterfragst und versuchst (trotz Druck von außen) deinen (richtigen) Weg zu gehen! :-)

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  3. Ich kann mich meinen beiden Vorrednerinnen nur anschließen - Hut ab vor deiner selbstkritischen Einstellung, die ich bei so manch anderem Blogger gelegentlich vermisse. Und ich zumindest freue mich auch über sehr einfache Rezepte, die Zutaten voraussetzen, die eigentlich jeder im Haus hat. :)

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  4. Also man sollte wahrscheinlich nichts kochen oder backen was man bloggt und dann wegschmeißt, aber ansonsten würde ich das nicht ganz so kritisch sehen.
    Besonders viele Dekogegenstände besitze ich nicht (dafür habe ich auch nicht so das Händchen) aber ich habe mir beispielsweise ein Lichtzelt zugelegt, damit meine Bilder auch im Winter gut werden. Aber ich sehe das so: Fotografie und veganes Essen sind meine Hobbies und meinen Blog habe ich gegründet, um diese beiden Hobbies zu vereinen und natürlich entwickle ich mich da auch ein bisschen weiter. Aber für andere Hobbies gibt man auch Geld aus und kauft Dinge. Wenn ich die Dinge die ich kaufe auch regelmäßig nutze (und das tue ich), dann ist es doch keine allzugroße Verschwendung, finde ich.
    Und es ist lustig, was die Rezepte angeht habe ich genau den gegenteiligen Eindruck. Es sind oft ganz einfache Sachen, wie Gemüsepfannen, die viel Zuspruch erfahren und ich versuche deswegen eigentlich immer möglichst wenig komplizierte Zutaten zu verwenden. Am liebsten zeige ich Rezepte deren Zutaten man in einem herkömmlichen Supermarkt bekommen kann, dann können die Leser das nämlich auch gut nachbacken oder -kochen.

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  5. Liebe Carola,

    ich finde gut, was du schreibst. Ich fühle mich bisher ja noch einigermaßen resistent dagegen. Kein Blumensträußchen neben dem Teller, keine extra gekauften Schälchen - alles so, wie wir es haben. Weil ich davon ausgehe, dass es um das Essen geht und nicht um das Foto. Und weil ich, ganz ehrlich, wenn das Essen dann fertig ist, es essen will, und nicht erstmal dekorieren und minutenlang fotografieren. Deswegen sind meine Fotos auch kein Kracher, manche besser, manche schlechter.

    Ich finde total gut, dass du so offen schreibst, was du beobachtest. Ich kann für mich nur sagen: Die Blogs, die extrem professionelle Bilder haben, bei denen alles so aussieht wie aus einem Fotoband und nicht von einem normalen Esstisch, die gucke ich mir ganz gerne an. Weil es hübsch aussieht. Aber nachgekocht habe ich bisher nur aus Blogs, mit denen ich wirklich etwas anfangen kann. Und das sind nicht die mit den Hochglanzbildern, weil mir da in der Regel auch die Rezepte viel zu umständlich sind...

    Also, gut, dass du kritisch bist, aber sei nicht zu kritisch mit dir. Dein Blog finde ich wunderbar und hoffe, du machst so weiter wie bisher. Und kochst, weil du Lust darauf hast, und nicht, weil es sich gut verbloggen lässt!

    Liebe Grüße,
    Laura

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  6. Liebe Carola,

    sehr gut beobachtet und in großen Stücken teile ich Deine Gedanken - seit ich so intensiv backe, bemerke ich auch bei mir einen inneren Drang zur Steigerung. Der stellte sich aber wie von selbst ein und ist auch ohne (zuerst) eigene Internetseite gekommen. Es ist bei mir so, wie es Birdie beschreibt: das Backen und anschließende Arrangieren und Fotografieren haben sich zu wunderbaren Hobbies entwickelt und ich würde es nicht machen, wenn es mir nicht selbst sehr viel Freude bereiten würde. Und so stoße ich eben immer wieder auf neue Rezepte und Geschmackskombis, die ich ausprobieren möchte. Und gerade beim veganen Backen finde ich das Angebot (und auch das Können) um mich herum so erschreckend schlecht, dass ich mich immer noch zur Aufklärung berufen fühle :-). Was die Dekoration angeht, so nutze ich im Grunde immer das, was ich zu Hause habe, schnappe mir eine Blüte vom Balkon, funktioiere Schleifen um - was auch immer..., man wird auch mit ganz einfachen Mitteln sehr erfinderisch. :-) Also, blogge bitte weiter so, wie Du es tust und wenn Du Spaß an "mehr" hast, dann tue es - ohne schlechtes Gewissen. Ich freue mich auf viele weitere Beiträge von Dir! Liebe Grüße, Brigitte

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  7. Hallo Carola,

    ich finde das angesprochene Thema gut und es ist sehr richtig sich darüber Gedanken zu machen.

    Allerdings gibt es auch hier die Kehrseite der Medaille. Wenn man mit einem "besonders tollen" Rezept oder auch mit einer ansprechenden Präsentation desselben den ein oder andere Vegetarier oder Fleischesser zum nachkochen bewegt, so dreht sich der berühmte ökologischen Fußabdruck schnell ins positive. Wir alle wissen um die günstige CO2-Bilanz einer veganen Ernährung, von den geretteten Tierleben ganz zu schweigen. Einen gewissen Aufwand finde ich daher durchaus gerechtfertigt. Über Deko-Artikel lässt sich sicher streiten, ich persönlich halte sie für eher unnötig.

    Ein weiterer Aspekt sollte auch nicht unerwähnt bleiben: der Betrieb unserer Blogs kostet Energie, die Verteilung der Artikel über RSS, Web-Kataloge und Blogrolls auch, ebenso die Google-Suche danach usw. Auch aus diesem Grund finde ich, unter ökologischen Gesichtspunkten, qualitativ hochwertige Beiträge besonders wichtig.

    Wir persönlich haben uns aus o.g. Gründen auch speziell für einen Hoster entschieden, der seinen Strom TÜV-zertifiziert aus 100% Wasserkraft bezieht und besonders energieeffiziente Hardware verwendet.

    Ich bin jedenfalls sehr gespannt was Du Dir zu diesem Thema einfallen lässt und wie Du es konkret umsetzen wirst.

    Liebe Grüße
    Thomas

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  8. Kompliment zu Deiner offenen und selbstkritischen Reflexion, was Verhalten und Bloggen angeht.

    Ich mache mir da auch immer mal meine Gedanken dazu und blogge eigentlich, wie Du auch, für mich selbst und Freunde, um mein Rezeptarchiv einfach verfügbar zu haben. Ein "erfolgreicher" Blogger, wie Du schreibst, wollte ich nie werden, aber ich freue mich natürlich auch, genau wie Du, wenn andere etwas daraus nachkochen oder ich Anstöße zu einer jahreszeitlichen oder (bei mir nur) vegetarischen oder halbwegs gesunden Küche geben kann. Manche Events oder Blogs motivieren mich, etwas, was ich schon ewig mal ausprobieren wollte, mit einem Termin zu versehen und aktiv umzusetzen, was ich auch als positiv empfinde.

    Die schönen Fotos und Deko-Orgien überlasse ich anderen, die das entweder professionell betreiben oder gerne viel Zeit und Geld dafür aufwenden (können) und Spaß daran haben. Manche neue Blogs sind für mich austauschbar, derselbe Stil, massig Fotos aus allen Blickwinkeln, usw. Schön fürs Auge wie eine Zeitschrift oder ein Buch; aber zum Nachkochen animiert mich eher das Authentische, einfache, unkomplizierte. Da ist jeder anders, jeder findet Leser und Blogs, die zu ihm/ihr passen.

    Du hast jeden Tag von neuem die Wahl, wo Du Deine Schwerpunkte legen möchtest. Das würde ich nicht vom Lob der Leser abhängig machen - so schnell tippt man heute "gefällt mir", das ist nicht das echte Leben! Du hast die Freiheit, Deinen Stil zu entwickeln, pflegen und verändern und genau das zu tun, was Dir behagt und womit Du Dich wohl fühlst.

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  9. ich kann mich meinen vorrednerinnen nur anschließen. ich finde rezepte, die ich schnell und einach nachkochen kann besser als exotische, aufwändige gerichte, für die ich erst mal in die stadt rennen muss und versuchen muss mir bei allen möglichen läden die zutaten zusammen zu suchen, die mir manchmal doch recht unbekannt sind (gerade weil ich weder veganerin noch vegetarierin bin). ich finde gut, dass du deine handlungen immer wieder kritisch betrachtest und hinterfragst, aber ich finde du solltest nicht zu hart mit dir ins gericht gehen. du kochst gerne...noch lieber backst du....also warum dann nicht auch mal "über den eigenbedarf" backen/kochen ... mal was ausprobieren?! für mich ist kochen immer auch entspannung und es ist sicherlich sinnvoller selber eine "kleine koch/back-session zu starten, als irgendwelche kochsendungen im fernsehen anzugucken... denn DA geht es nur darum möglichst hohe einschaltquoten zu bekommen und das kochen/backen gerät oft in den hintergrund. was sind da also ein paar blog-beiträge (rezepte) die eventuell die "klicks" steigern....?!
    MA RA

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  10. Ich bin gespannt auf Deine Veränderungen :-). Ich lese Deinen Blog schon sehr lange sehr gerne. Gute Fotos schüren natürlich die Neugierde, aber der Inhalt muss stimmen. Und von dem bin ich schon lange begeistert. LG fraujupiter

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  11. hallo,
    ich finde es auch gut, dass du das thema ansprichst. mir ist nämlich (und bei veganen blogs sogar noch mehr) häufiger mal aufgefallen, dass so viele dinge gezeigt werden, die eigentlich nicht so richtig zum bewussten nachdenken über essen, konsum usw. passen. es ist natürlich auch kein veganer dazu verpflichtet, neben dem verzicht auf fleisch auch noch co2-emission, fair trade usw. zu beachten, ich persönlich finde es trotzdem besser, besondere süßigkeiten nur bei anlässen zu produzieren etc. nichtsdestotrotz ist es dein hobby und ich denke, dass du damit auch viele leute zum nachdenken anregst, weil du zeigst, dass veganes essen auch genuss bedeutet.
    liebe grüße
    mohn

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